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Unfeiner Kampf um Kahnfahrgäste

Leere Plätze in den Kähnen befürchtet man auch am Großen Spreewaldhafen durch die fragwürdige Kundenwerbung einzelner Mitbewerber.
Leere Plätze in den Kähnen befürchtet man auch am Großen Spreewaldhafen durch die fragwürdige Kundenwerbung einzelner Mitbewerber. FOTO: jg
Lübbenau. In Lübbenau kann es Besuchern passieren, dass sie schon von Kahnfährleuten angesprochen werden, kaum dass sie aus dem Auto gestiegen sind. Diese aus ihrer Sicht unlautere und illegale Art der Werbung einzelner Mitbewerber prangern die größeren Kahnfährunternehmen schon seit Jahren an. Daniel Preikschat

Viele Touristen, beklagen sie, würden ihre Häfen gar nicht erreichen, weil sie zuvor abgefangen werden. Nunmehr jedoch haben sie eine Mappe mit "Beweismaterial" Bürgermeister und auch Landrat zukommen lassen, damit die Behörden endlich handeln. Auch beim CDU-Stammtisch am Mittwoch im Lübbenauer Spreewaldeck haben die Kahnfährleute ihr Problem angesprochen, das für sie ein Problem des gesamten Tourismusstandortes Lübbenau ist.

Mit dieser Masche auf Tagestouristen zuzugehen, das passe nicht zu einer Qualitätsstadt, das gebe ein schlechtes Bild ab und das komme auch bei den Touristen nicht gut an. So der Tenor der Äußerungen von Klaus Schwerdtner und Arved Franke. Die beiden Kahnfährmänner sind überzeugt, dass die Ordnungsbehörden diese schwarzen Schafe in der Branche auch belangen können, mit Geldstrafen bis zu 500 Euro. Und wer ein Mal eine empfindliche Geldstrafe gezahlt habe, der nehme künftig Abstand von solchen unfeinen Praktiken. Aus Sicht von Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) ist das jedoch so einfach nicht. Zum einen sei zu prüfen, ob die Grenze zur Illegalität bei diesen Kundenansprachen überschritten wird. Zum anderen brauche es auch ausreichend Personal, um Verstöße festzustellen.

Immerhin wollen sich Verwaltung und auch Stadtverordnete des Themas nunmehr offenbar ernsthaft annehmen. Im Anschluss an die nächste Sitzung des Hauptausschusses am 29. März sind alle Lübbenauer Kahnfährleute um 19 Uhr ins Rathaus eingeladen, um über ein weiteres Vorgehen zu reden.

Indes scheinen sich einige Lübbenauer nicht sicher zu sein, ob das Problem tatsächlich ein so schwerwiegendes ist. Ob denn der Umsatzverlust für die Häfen wirklich so groß ist, wenn ihnen einzelne Touristen weggefischt werden, fragte Dietmar Spletzer beim Stammtisch. Er denkt, dass Lübbenau mit einigen dieser Einzelkämpfer unter den Kahnfährleuten leben kann. Wer ihnen auf den Leim geht, müsse mit minderer Servicequalität rechnen. Uwe Drewes, Mitarbeiter im Wahlkreisbüro der CDU-Landtagsabgeordneten Roswitha Schier, schlug vor, die aufdringlichen Werber an einer Stelle in der Stadt zu konzentrieren. So könnte dem Wildwuchs vorgebeugt werden.

Die Kahnfährleute haben da ihre Zweifel. Helfen dagegen könnte auch aus ihrer Sicht eine engere Kooperation zwischen Zimmervermietern und ihrer Zunft. Denn so könnten Gäste schon in den Pensionen auf die seriösen Hafenanbieter hingewiesen werden.

Zum Thema:
Bei der 300 Mitglieder starken Lübbenauer Kahnfährgenossenschaft geht man von zehn bis 15 Einzelkämpfern aus, die sich bei der Kundenwerbung nicht an die Spielregeln halten. Unter anderem sollen Gäste aus Lübbenau nach Boblitz abgeworben werden. In Lübbenau gibt es etwa 400 Kahnfährleute.