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| 18:30 Uhr

Neudöbern
Und nächstes Jahr wird geschrotet

Mit dem Gruß der Müller-Gilde „Glück zu“ begrüßte Mühlenbesitzer Uwe Zozmann (zweiter von links) Besucher zu stündlichen Mühlenführungen. Die Wassermühle verfügt über insgesamt vier Arbeitsebenen, mit zahlreichen Finessen, die nicht nur die Herzen von Technikfreunden höher schlagen lassen.
Mit dem Gruß der Müller-Gilde „Glück zu“ begrüßte Mühlenbesitzer Uwe Zozmann (zweiter von links) Besucher zu stündlichen Mühlenführungen. Die Wassermühle verfügt über insgesamt vier Arbeitsebenen, mit zahlreichen Finessen, die nicht nur die Herzen von Technikfreunden höher schlagen lassen. FOTO: Uwe Hegewald
Neudöbern/Kolkwitz . Wassermühle überrascht mit dem Einbau eines historischen Personenaufzuges.

Das frühere Arbeitsleben der Müller und ihrer Angestellten war alles andere als Zuckerschlecken. Erst einmal in Gang gesetzt, hieß es an den ältesten Kraftmaschinen der Menschheit Lärm und Staub zu ertragen. Ganz zu schweigen vom pausenlosen Treppensteigen – schlimmstenfalls noch mit einem zentnerschweren Sack Getreide, Schrot oder Mehl auf dem Rücken.

„Für uns hat die Plagerei ein Ende“, sagt Uwe Zozmann. Stolz präsentierte der Besitzer der Neudöberner Wassermühle am Deutschen Mühlentag seinen teilweise funktionstüchtigen Personenaufzug. „Bei der Generalprobe am Freitag hat ein Holz-Rad seinen Geist aufgegeben. Deshalb können wir die Funktion nur ohne Belastung vorführen“, erklärt er.

Angetrieben wird der „Mühlenfahrstuhl“, der für bis zu 160 Kilogramm ausgelegt ist, durch einen Elektro-Motor. „Mittels Transmission könnte der Aufzug auch per Wasserkraft bewegt werden. Dazu müsste jedoch jedes Mal das Mühlenrad angehalten und zeitaufwendig ausgekoppelt werden“, begründet Uwe Zozmann seine Entscheidung pro Elektroenergie.

In seiner Freude über die neue Attraktion in der 1680 erstmals erwähnten Wassermühle, vergisst der Eigentümer nicht, einen Dank in Richtung Kolkwitz zu richten. „Aus dem Nachlass des dortigen Mühlenbesitzers Erhard Thiele konnte ich wichtige Ersatzteile für den Bau des Personenaufzuges erwerben. Schade, dass ich den Müller nicht persönlich kennen lernen durfte“, so Zozmann. Vor drei Jahren ist der rastlose Kolkwitzer und Dreifachmeister verstorben. Wie Witwe Hildegard David gegenüber der RUNDSCHAU informiert, habe ihr Gatte jeweils Meisterlehrgänge des Tischler-, Schlosser- und Mühlenbauerhandwerks absolviert und erfolgreich abgeschlossen. „Seinen Traum von einem eigenen Mühlenmuseum konnte er sich nicht mehr erfüllen. Dass Technikteile nun anderswo eine Verwendung finden, hätte bei ihm Genugtuung ausgelöst“, ist sich Hildegard David sicher.

Für Uwe Zozmann und die Mitglieder des Vereins „Wassermühle Neudöbern“ ist es ein weiterer Mosaikstein zur Vervollkommnung des Wahrzeichens von Neudöbern (Gemeinde Luckaitztal). Seit 2006 wird das Zeugnis der Vergangenheit aufwendig und detailgetreu restauriert. Zu den großen Herausforderungen zählten der Bau und das Einsetzen eines neuen Mühlenrades nach Originalvorbild, das Gewinnen von Elektroenergie aus Wasserkraft oder das aufreibende Reinigen des Mühlgrabens.

Uwe Zozmann weiß, dass er ohne die zupackende Hilfe der Mitglieder aus den Reihen des Mühlenvereins und der Familie viele seiner Träume nicht verwirklicht hätte können. Auf einer witterungsbeständigen Erinnerungstafel an der Außenfassade der Mühle sind die Edelhelfer namentlich aufgeführt.

Am Deutschen Mühlentag schlüpfte das Gros der Unterstützer zum neunten Mal in die Gastgeberrolle, um Besucher unbeschwerte Momente mit kulinarischen Genüssen zu bescheren. Zudem konnte der Wissensdurst gestillt werden, inklusive Vorschau für 2019, durch den Mühlenbesitzer. „Im kommenden Jahr erfolgt unsere zehnte Teilnahme am Deutschen Mühlentag. Dann wollen wir erstmals vor den Augen unserer Gäste ein Schau-Schroten durchführen“, kündigt Uwe Zozmann an. Aufgrund des Jubiläums mit abendlicher Livemusik wird der Neudöberner Mühlentag deshalb auf den Pfingstsonntag vorverlegt.