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| 13:53 Uhr

Altdöbern
Und dann stoßen auch noch zwei Züge zusammen

 Das Haus in der Altdöberner Bahnhofstraße 21, ist für  seine 22 auffälligen Frauenköpfe bekannt.  Vor 100 Jahren (Januar) zogen dort das  örtliche Gemeindebüro und das  Standesamt ein.   Foto: Hegewald Uwe
Das Haus in der Altdöberner Bahnhofstraße 21, ist für seine 22 auffälligen Frauenköpfe bekannt. Vor 100 Jahren (Januar) zogen dort das örtliche Gemeindebüro und das Standesamt ein. Foto: Hegewald Uwe FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern. Vor 100 Jahren überschlagen sich die Ereignisse im beschaulichen Altdöbern – in der Heimatstube ist Sonntag zu erfahren, was damals geschah. Von Uwe Hegewald

Den Vortrag von Wolfgang Stahn am kommenden Sonntag, 13. Januar, um 14 Uhr in den Altdöberner Heimatstuben dürften sich viele Eisenbahner dick im Kalender angestrichen haben. Erstmals steht die Altdöberner Eisenbahngeschichte im Fokus, für die der langjährige DB-Teamkoordinator (Betrieb) einen kurzweiligen Vortrag ausgearbeitet hat. „Ich werde auch kurz auf das Eisenbahnunglück eingehen, das sich am 13. November zum 100. Mal jährt“, kündigt Wolfgang Stahn an.

Nachts um drei Uhr schmettert ein aus Großräschen kommender Güterzug im Bahnhof Altdöbern auf einen stehenden Güterzug und verursacht beträchtlichen Schaden. Es ist der traurige Schlusspunkt eines intensiven Jahres für den Ort, in dem 1919 laut Volkszählung 1981 Einwohner leben.

Auffällig für das Nachkriegsjahr ist die Häufigkeit politischer Ereignisse. Viermal werden Altdöberner an die Wahlurnen gebeten: Wahl zur deutschen Nationalversammlung (19. Januar), Wahl zur preußischen Nationalversammlung (26. Januar), Neuwahl der Gemeindevertretung Altdöbern (2. März) sowie die Wahl des Kreistages Calau (4. Mai). Auf mehreren öffentlichen Versammlungen versuchen Politiker unentschlossene Einwohner auf ihre Seite zu ziehen.

Wie Ortschronist Kurt Natusch (1932 bis 1996) in seiner Altdöberner „Chronik in Daten“ festgehalten hat, wurde am 5. Januar vor 100 Jahren sogar zu einer öffentlichen Frauenversammlung der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) eingeladen. Die aus Cottbus angereiste Oberlehrerin Dr. Charlotte Grossmann stellte klar: „Jede Frau über 20 Jahre muss sich politisch unterrichten.“ Versammlungsort war damals das Café Otto (heute Konditorei Fuchs), das im Mai vor 100 Jahren erstmals Gondelfahrten über den Schmidtsteich (Ortsausgang nach Großräschen) anbietet.

In ganz Deutschland freuen sich die Menschen auf den Wonnemonat, der erstmals mit einem 1. Mai als gesetzlichen Feiertag beginnt. In Altdöbern findet im Gasthaus Dubert eine öffentliche Volksversammlung mit Gastredner Hübner aus Berlin statt. „Anschließend folgt ein Ausmarsch zum Schützenhaus, wo der Feiertag mit einer Theateraufführung, Gesang und Ball fortgesetzt wird“, so Kurt Natusch in seiner Chronik.

1919 ist neben dem Wahl- auch als Gründungsjahr in Erinnerung geblieben. Eine Ortsgruppe des Reichsbundes der Kriegsgeschädigten und ehemaligen Kriegsteilnehmer wird gebildet, ein Arbeiter-Jugend-Verein gegründet und eine Ortsgruppe der Handwerker mit 24 Mitgliedern neu gebildet. Anlass zum Feiern hatten die Einwohner von Altdöbern am 7. August 1919 beim Richtfest der evangelischen Kirche sowie am 26./27. September anlässlich der Jahrhundertfeier des örtlichen Schullehrer-Seminars. In der Zeit von 1811 bis 1973 werden in Altdöbern Hunderte Lehrer ausgebildet. Viele von ihnen wohnen in Privatquartieren oder im Internat und setzten am Altdöberner Bahnhof ihren ersten Schritt in die neue, temporäre Wahlheimat. Eigentlich befindet sich das Bahnobjekt auf der Gemarkung Neudöbern (Gemeinde Luckaitztal), wie auch ein mühsam erbauter Bahndamm, mit dessen Bau vor 53 Jahren begonnen wird, über den jedoch nie ein Zug rollen sollte. Mehr darüber erfahren Zuhörer beim Sonntags-Vortrag von Wolfgang Stahn im Domizil des Heimatvereins (Eingang: Hans-Beimler-Ring).