"In Calau ist es immer schön. Hier können wir viel gemeinsam unternehmen, auch wenn wir diesmal nicht ins Schwimmbad können", sagte der 18-jährige Wowa Mickewic auf Deutsch. Er ist bereits mehr als 20 Mal in Deutschland gewesen und freut sich immer wieder aufs Neue. Via Internet hält Wowa eifrig Kontakte mit seiner Gastfamilie oder Freunden und lernt dabei ganz nebenbei die deutsche Sprache.

Über den Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl wohnen die Kinder und Jugendlichen mehr als drei Wochen bei Gasteltern. Sie unternehmen viel, entweder mit den Gasteltern oder in der Gruppe. "Wir sind sehr dankbar, dass den weißrussischen Kindern hier in Deutschland ein unbeschwerter Sommeraufenthalt geboten wird", sagte Valentina Jermolajewa, stellvertretender Vorsitzender des weißrussischen Kinderfonds in Minsk und Betreuerin.

Der Kinderhilfsverein hat für den Aufenthalt interessante Unternehmungen geplant: Besuche im Filmpark in Babelsberg und im Saurierpark in Kleinwelka sowie im Tropical Islands begeistern die Kinder. "Im Kletterwald in Lübben haben sich die Kinder auch schon ausprobiert", wirft Joachim Herzog aus Mochow ein, der alljährlich die Kinder mit begleitet.

Der Ausflug nach Calau hat auch eine eigene Geschichte: traditionell waren die Kinder für einen Tag bei der DRK-Ortsgruppe Ogrosen zu Gast. "Irgendwann kamen wir auf die Idee, dass die Kinder aus Weißrussland und die Calauer Ferienkinder zusammen spielen und Spaß haben können", erklärt die frühere Hortleiterin Anita Vogt.

Und es klappt wunderbar. Waleri Tscherban, der schon zum dritten Mal in Deutschland ist, sprühte vor Begeisterung und hatte kaum noch Gegner beim Tischtennis. Und dann verriet er: "Zur Begrüßung habe ich von einem Mädchen ein Geschenk bekommen."

Die Calauer Ferienkinder haben ihre Gäste mit einem bunten Leckerei-Tisch empfangen. Den ganzen Tag über tollten die Kinder gemeinsam im Ferienzentrum. Am Nachmittag gab es dann auch noch leckeren Kuchen, den die Frauen von der Rot-Kreuz-Ortsgruppe aus Ogrosen extra für die Kinder gebacken haben.

Die Unterstützung für die Kinder war sehr weitreichend. "Das Mittagessen wurde uns aus der Küche der Kita Kunterbunt kostenlos zur Verfügung gestellt, Vetschauer Fleisch- und Wurstwaren spendierte ebenfalls etwas. Und natürlich das DRK in Calau", sagte Brigida Melzer, Vorsitzende des Kinderhilfsvereins.

Bevor sie in Friedrichsfeld eintrafen, schauten die Kinder in der DRK-Kleiderkammer vorbei. "Die Kinder wurden sehr großzügig ausgestaltet und von Sabine Netzker gut beraten, besonders bei Kleidung oder Schuhen", berichtete Brigida Melzer weiter.

Unterdessen laufen auch schon die Vorbereitungen zur Rückreise am 6. August, bei dem Mitglieder des Lübbener Vereins die 1300 Kilometer mit nach Weißrussland fahren. "Wir wollen kranke Kinder besuchen, die nicht mit nach Deutschland kommen konnten. Einen Rollstuhl und anderes Material nehmen wir ebenfalls mit und übergeben es in den Heimen. Von der Botschaft haben wir diesmal ein offizielles Begleitschreiben, das uns einen reibungsloseren Transport ermöglichen soll", hofft die Chefin.

Im Herbst geht dann noch einmal der "Schokoladen-Transport" auf Tour, an dem sich auch die Calauer Hortkinder beteiligen und somit den weißrussischen Kindern zum Weihnachtsfest eine Freude bereiten wollen.

Zum Thema:
Tschernobyl in der Ukraine erlangte 1986 traurige Bekanntheit durch den Supergau im Kernkraftwerk. Die atomare Staubwolke zog über viele Landstriche und verseuchte unter anderem ein Viertel des Nachbarlandes Weißrussland. Seit 1997 engagiert sich der Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl e.V. für die Linderung der Folgen der Tschernobylkatastrophe und die Gesundung der Kinder aus den betroffenen Regionen in Weißrussland. stu1