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| 13:54 Uhr

Stundenschwimmen
Um 20.18 Uhr gibt es endlich die Erlösung

Ein Kopfsprung ins Schwimmbecken des Vetschauer Sommerbades war keine so unüberlegte Entscheidung. In allen teilnehmenden Bädern lagen die Wassertemperaturen über den Lufttemperaturen, die nachts bis in den einstelligen Gradbereich abrutschten.
Ein Kopfsprung ins Schwimmbecken des Vetschauer Sommerbades war keine so unüberlegte Entscheidung. In allen teilnehmenden Bädern lagen die Wassertemperaturen über den Lufttemperaturen, die nachts bis in den einstelligen Gradbereich abrutschten. FOTO: Uwe Hegewald
Calau. Finsterwalde holt sich beim (Winter-)Stundenschwimmen den Pokal zurück. Das miese Wetter fordert Absagen, doch Calau und Vetschau, Altdöbern und Luckau trotzen dem Willen von Petrus. Von Uwe Hegewald

Mieses Wetter, eine klägliche Teilnehmerprognose sowie die Absagen von Vorjahressieger Forst (Lausitz) und Großräschen werfen bereits vor dem Start um Null Uhr einen Schatten auf das diesjährige Stundenschwimmen. Keiner hat Verständnis dafür, dass Tief Cathy der größten Schwimm-Breitensportveranstaltung Südbrandenburgs so in die Parade fährt. „Hut ab vor allen Kindern und Erwachsenen, die für ihren Ort ins Schwimmbecken steigen“, bringt es Birgit Schmied auf den Punkt. Der Wettbewerb werde einen Sieger hervorbringen, aber keinen Verlierer, so die Vetschauer Sommerbad-Institution. Mit dem Reichen von Bananenhälften sorgt sie für willkommene Motivationsschübe.

Auch wenn es Vetschau nicht so recht gelingen will, ins Titelgeschehen einzugreifen. Altdöbern gibt in den ersten fünf Stunden den Ton an, bevor Finsterwalde vorbeizieht und die Führung bis zum Schluss nicht mehr abgibt. „Wir schwimmen heute für die Ehre. Platzierungen sind nicht wichtig“, schwört Sabine Barran Besucher ein, die sich ins Altdöberner Freibad wagen.

Während den Unerschrockenen dort Riesaer Nudeln und frisch gebackener Kuchen bis zum sprichwörtlichen Umfallen gereicht werden, setzt Calau auf ein Rundum-Unterhaltungsprogramm. „Schade, dass das Wetter ausgerechnet an diesem Wochenende umschlagen musste. Das dürfte viele Calauer abgeschreckt haben, überhaupt ins Erlebnisbad zu kommen“, resümiert Bürgermeister Werner Suchner zwischenzeitlich. Bevor er am Nachmittag ein zweites Mal ins Becken steigt, beweist er mit Blick auf die aktuelle Tabellensituation nachvollziehbaren Galgenhumor. „Wir wollten nicht wieder Siebter werden. Das wird uns auf jeden Fall gelingen“, so der Bürgermeister der Stadt, die für Witze, Humor und Kalauer steht. Überhaupt stehe das Stundenschwimmen für den Volkssportcharakter, was Calaus Dauermoderator Enrico Kullick an einem Beispiel deutlich macht: „Zwischen unserem jüngsten und ältesten Teilnehmer liegen 73 Lebensjahre.“

Luckau setzt bei diesem Vergleich noch einen drauf. Eine 91-Jährige und eine Sechsjährige bilden eine Altersdifferenz von 85 Jahren. Überhaupt gilt die Berstestadt als die Überraschungskommune des Jahres. Als um sechs Uhr früh die Lufttemperatur auf dem zugigen Mühlberg in den einstelligen Bereich rutscht, schwimmt Luckau auf Position zwei. „Wir sind selbst etwas überrascht, dass wir diesen Rang Stunde um Stunde verteidigen können“, räumt Badmitarbeiter Manuel Schmogro am späten Nachmittag ein.

Der letzte Vizepokal datiert aus dem Jahr 2011, als das Stundenschwimmen mit Calau, Vetschau und Luckau nur drei Teilnehmer zählte. 243 Kilometer genügten Luckau seinerzeit für Platz 2, in diesem Jahr müssen 337 Kilometer heruntergespult werden.

Den Finsterwaldern können sie damit jedoch nicht das (Freibad-)Wasser reichen. 363 Kilometer verdeutlichen die Souveränität der Sängerstädter. „Wir nehmen zu diesem Zeitpunkt keinesfalls Glückwünsche entgegen“, teilt Torsten Marasus am frühen Nachmittag mit. Abgerechnet wird um 20.18 Uhr“, stellt der Leiter Bäderbetriebe bei den Stadtwerken Finsterwalde klar. Den Erfolg vor Augen zieht Marasus die Badekappe vor allen teilnehmenden Kommunen: „Ich freue mich für jedes Bad. Respekt vor allen Leuten. die diesen Temperaturen trotzen.“

Seine Aussage findet bei Altdöberns Bürgermeister, Peter Winzer und Vetschaus Rathaus-Mitarbeiterin Katharina Maier uneingeschränkte Zustimmung. Das 20:18-Stundenschwimmen weise einen Sieger und viele Gewinner aus, auch wenn der Schlusspfiff um 20.18 Uhr als Erlösung wahrgenommen wird. Altdöbern schwimmt mit 308 Kilometern auf den Bronzerang, gefolgt von Vetschau (293 Kilometer) und Calau (263 Kilometer).

Nach dem Start stieg Calaus Bürgermeister Werner Suchner Nachmittag noch einmal ins Becken, bei 18 Grad Luft- und 21 Grad Wassertemperatur.
Nach dem Start stieg Calaus Bürgermeister Werner Suchner Nachmittag noch einmal ins Becken, bei 18 Grad Luft- und 21 Grad Wassertemperatur. FOTO: Uwe Hegewald
Ilona Seehaus, Stefanie Wildau und Benjamin Richter (v.l.) schwammen die letzten Meter für die bisher beste Platzierung Luckaus.
Ilona Seehaus, Stefanie Wildau und Benjamin Richter (v.l.) schwammen die letzten Meter für die bisher beste Platzierung Luckaus. FOTO: Birgit Keilbach
Lydia Kock (l.) und Josephine Appel (r.) übten sich bei parallelen Schwimmeinheiten im Synchronschwimmen.
Lydia Kock (l.) und Josephine Appel (r.) übten sich bei parallelen Schwimmeinheiten im Synchronschwimmen. FOTO: Uwe Hegewald