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| 16:17 Uhr

Integration
Übersetzer hilft Landsleuten

Waldemar Lesnik betreibt in Lübbenau nicht nur seinen Gemüsehandel. Als Dolmetscher kümmert er sich um die Integration seiner Landsleute.
Waldemar Lesnik betreibt in Lübbenau nicht nur seinen Gemüsehandel. Als Dolmetscher kümmert er sich um die Integration seiner Landsleute. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Lübbenau. Zuzügler aus Polen fühlen sich wohl in Lübbenau — auch dank Waldemar Lesnik.

Waldemar Lesnik kann gar nicht mehr genau sagen, wann er angefangen hat zu helfen. Das muss schleichend passiert sein. Der gebürtige Pole ist ja schon so lange in Lübbenau und spricht auch schon sehr lange die deutsche Sprache fast so gut wie seine Muttersprache. Das wissen zum Beispiel Lübbenauer, die bei ihm im Einkaufszentrum Kolosseum frisches Gemüse kaufen oder auch konservierte Speisen oder Süßigkeiten aus Polen.

Mit Helfen ist im Falle des 59-jährigen selbständigen Händlers zunächst Mal dolmetschen gemeint. Der Bedarf, aus dem Polnischen ins Deutsche zu übersetzen beziehungsweise umgekehrt, ist in der Spreewaldstadt in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Aktuell sind 375 Polen in Lübbenau gemeldet, heißt es aus dem Rathaus. Aus keinem anderen Land gab es auch nur annähernd so viel Zuzug.

Naheliegender Grund: Polen ist das nächstgelegene Nachbarland und vor allem in der Logistkbranche gibt es in der Stadt Arbeitskräftebedarf. Bei Kaufland Logistik kommt nach Angaben von Geschäftsführer Martin Zock ein Großteil der 400 mit Werkvertrag Beschäftigten aus Polen. Wie Waldemar Lesnik weiß, arbeiten viele Polen in Lübbenau aber auch im Logstikzentrum von Edeka in Mittenwalde, 40 Minuten Fahrzeit im Auto von Lübbenau entfernt. Außerdem finden junge Polen Jobs in Gastronomie und Wäscherei.

Bei den vielen Gesprächen, die nötig sind, um sich als Pole in Lübbenau anzusiedeln, ist Waldemar Lesnik mit dabei. Er begleitet Landsleute ins Jobcenter, zum Arbeitgeber und zur Meldebehörde, zum Vermieter, zum Arzt und zur Krankenkasse, in die Kita und in die Schule. Das sei nicht nur dolmetschen, sagt Lesnik, „das ist auch Sozialarbeit“. Er mühe sich dabei, die Integration zu befördern. Beispielsweise sollten seiner Meinung nach polnische Neu-Lübbenauer Tür an Tür mit Einheimischen wohnen, um so mit deutschen Nachbarn ins Gespräch zu kommen. In Absprache mit den beiden großen Wohnungsunternehmen in der Spreewaldstadt funktioniere das auch sehr gut.

Soziale Kontakte ließen sich auch gut herstellen in Vereinen. Waldemar Lesnik empfiehlt den Lübbenauern aus Polen die Mitgliedschaft ausdrücklich, hilft auch gern dabei. So seien schon einige Kleingärten an Polen vergeben worden. Bei der TSG würden zwei junge Männer aus dem Nachbarland die Abteilung Fußball verstärken. Bei den Handballern, wo sich Lesnik selbst schon seit 15 Jahren engagiert und zum Beispiel an der Kasse steht, sei derzeit leider kein Landsmann dabei.

Waldemar Lesnik ist sicher: „Bleiben die Polen immer nur unter sich und kapseln sich ab, lernen sie nichts.“ Nicht die deutsche Sprache, nicht die Kultur, nicht, wie die Deutschen ticken. Für die Kinder der Neu-Lübbenauer sei das nicht das Problem. Für die Eltern schon. Sprachkurse würden leider nicht angeboten für sie.

Lesnik selbst hat allerdings auch keinen Kurs besucht, wie er erzählt. Er kam vor 35 Jahren nach Lübbenau und war zunächst Rangierleiter im Kraftwerk. Mitte der Neunziger Jahre sattelte er beruflich um und arbeitete als Maler – bis die Bandscheiben das nicht mehr zuließen. Nun ist er selbständiger Händler und Dolmetscher. Er bekommt Honorare für das Übersetzen. Unter anderem auch von der Stadt Lübbenau. Kommen Delegationen aus den polnischen Partnerstädten, fahren umgekehrt die Lübbenauer dorthin, sind Lesniks Dienste gefragt. Er mache das aber auch aus ehrenamtlichem Engagement heraus, aus eigenem Interesse an gut nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Polen. Für seine Landsleute ist Waldemar Lesnik stets da, ohne Bezahlung. Jede Familie habe seine Handynummer und kann, ja soll ihn sogar anrufen, wenn es Probleme gibt oder wichtiger Schriftverkehr zu erledigen ist.

Der Lübbenauer ist sicher, dass noch mehr Polen nach Lübbenau kommen werden. „Sie fühlen sich wohl hier.“ Geschätzt werden die Ruhe und Sicherheit, ausreichend Plätze in Kitas und Grundschulen für die Kinder, das Freizeitangebot, der vergleichsweise gute Verdienst. Umgekehrt, so Lesnik, profitiere auch Lübbenau. Er schätzt das Durchschnittsalter der polnischen Neu-Lübbenauer auf 25 bis 30 Jahre. Und eine Stadt brauche doch junge Menschen.