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Trockene Zone in der Innenstadt

Cottbus. Die ersten warmen Tage des Jahres haben – wie von der Polizei befürchtet – zu einer Eskalation von Spannungen zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen in der Innenstadt geführt. Bisheriger Höhepunkt: Eine Messerstecherei, bei der fünf Teilnehmer eines Junggesellenumzuges verletzt wurden – nach den syrischen Tätern wird mit Hochdruck gefahndet. Andrea Hilscher

Mit ähnlichem Hochdruck sucht die Stadtverwaltung nach Wegen, die Situation rund um den Stadthallenvorplatz und den Puschkinpark zu entschärfen.

Erste Maßnahmen:

Alkohol: Die Stadtverwaltung wird schnellstmöglich ein Alkoholverbot in Teilen der Cottbuser Innenstadt erlassen. Oberbürgermeister Holger Kelch hat die Vorbereitungen veranlasst. "Die Signale mit den massiven Kontrollen durch Polizei und kommunale Behörden sind offenbar noch nicht bei allen angekommen. Deshalb werden wir deutlicher", so Kelch. "Wir nehmen nicht hin, dass einzelne Gruppen unter Alkoholeinfluss die Stadt verunsichern." Das Alkoholverbot soll auf dem Stadthallenvorplatz, in der Puschkinpromenade samt Park und Stadtmauer, am Teehäuschen sowie auch auf dem Schillerplatz gelten.

Sozialarbeit: Der schon beschlossene Einsatz von Streetworkern in der Innenstadt wird neu ausgelotet. Die Sozialarbeiter sollen flexibler eingesetzt werden, andere Stadtteile nicht vernachlässigen.

Beleuchtung: Der Stadthallenvorplatz wird nachts besser beleuchtet, die Eingangsbereiche der Stadthalle mit Strahlern ausgestattet. Geprüft wird, unter welchen Umständen eine Videoüberwachung des Platzes möglich ist.

Öffentliches WLAN: Die Stadtverwaltung will mit dem Betreiber des Hotspots auf dem Stadthallenvorplatz Kontakt aufnehmen und prüfen, ob hier der freie Zugang ins Internet abgeschaltet werden kann.

Vor allem vom Alkoholverbot versprechen sich Geschäftsleute und Passanten Entspannung der Lage. Altstadtmanager Gottfried Lindner: "Ich begrüße den Mut zu dieser Entscheidung. Denn immer, wenn es zu Auseinandersetzungen zwischen den Jugendlichen kommt, ist Alkohol im Spiel." Zwar sei es schwierig, ein derartiges Verbot rechtssicher durchzusetzen, "aber wir müssen jetzt Konsequenz beweisen, damit sich die Menschen wieder wohlfühlen in der Innenstadt."

Er selbst habe am Wochenende immer wieder nachgeschaut, ob die massiven Polizeikontrollen auf dem Stadthallenvorplatz und im Puschkinpark Wirkung gezeigt haben. "An den Brennpunkten war es zwar ruhig, aber die Jugendlichen sind einfach weiter gezogen und haben an der Stadtpromenade gesessen. Direkt vor einem neu eröffneten Lokal - keine gute Werbung." Allerdings bliebe die Frage, wer ein Alkoholverbot kontrollieren kann. Unterdessen such die Polizei weiter nach den jungen Syrern, die am Wochenende offenbar an der Messerstecherei in der Karl-Liebknecht-Straße beteiligt waren. Polizeisprecher Ralph Meier: "Die Identität der Männer ist noch nicht bekannt, aber wir gehen sicher davon aus, dass sie aus Syrien stammen." Bei der Attacke waren fünf Männer so stark verletzt worden, dass sie ins Carl-Thiem-Klinikum eingeliefert werden mussten, zwei von ihnen waren noch in Behandlung.

Vor allem in den Sozialen Medien sorgten die Messerstecherei wie auch die Polizeieinsätze für heftige Diskussionen. OB Holger Kelch reagierte auf Facebook ausführlich auf Kritik. "Wir haben immer gesagt, dass die Integration deutlich schwerer werden wird als Unterbringung und Versorgung." Die Stadt könne von sich aus keinen Zuzugsstopp für Flüchtlinge aussprechen, habe diesen aber beim Land beantragt.