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Trockene Zeiten: Wasser ist ein teures Gut

Der Wassereinlauf in den Mallenchener Teich: 0,5 Kubikmeter Wasser werden zurzeit pro Minute aus einem Brunnen gefördert und in das Gewässer geleitet, im März 2000 waren es noch 0,75 Kubikmeter. Der hohe Eisengehalt zeigt sich in den rostfarbenen Schlammablagerungen.
Der Wassereinlauf in den Mallenchener Teich: 0,5 Kubikmeter Wasser werden zurzeit pro Minute aus einem Brunnen gefördert und in das Gewässer geleitet, im März 2000 waren es noch 0,75 Kubikmeter. Der hohe Eisengehalt zeigt sich in den rostfarbenen Schlammablagerungen. FOTO: Foto: Roland Hottas
Mallenchen.. Zu den Orten in der Lausitz, die mit den Folgen des raumgreifenden Kohleabbaus zu DDR-Zeiten leben müssen, gehört auch Mallenchen. Einige Mallenchener konnten noch von einer Leitung zur Bespannung des Teiches Brauchwasser für die Bewässerung ihrer Gärten abzweigen. Die LMBV hat diese Abgänge vorige Woche gekappt, sie beruft sich auf die wasserrechtlichen Auflagen. Von Ingrid Hoberg

„Wir müssen bei Staub und Dreck leben, alles vertrocknet. Es ist eine große Schweinerei, dass uns das Wasser für die Gartenbewässerung abgeklemmt wurde“ , sagt Günter Nischke. Und Siegrid Zech meint: „Die Leitung geht auf unseren Grundstücken entlang. Wenn die Anschlüsse weg sind, dann soll auch die Leitung abgebaut werden.“ Die letzten Mallenchener, die noch von dem Rohr zum Teich Wasser nehmen konnten, sind sauer, dass die LMVB vergangenen Mittwoch die Zuläufe abbauen ließ.
„Es gibt wasserrechtliche Bestimmungen, wer Wasser aus dem Grundwasserspeicher entzieht, muss eine Genehmigung haben“ , erklärt Hartmut Meyer, Leiter Unternehmerkontrolle bei der LMBV. Es gebe einen Brunnen, über den per Leitung der Teich Mallenchen zu versorgen sei. Das gehöre zum Sanierungsplan Schlabendorfer Felder. Das Landesbergamt als Kontrollorgan habe festgestellt, dass aus dieser Leitung illegal Wasser entnommen werde. Bereits 2001 sei das Unternehmen aufgefordert worden, die Entnahmen zu unterbinden und die Anschlussstellen zurückzubauen. Aus diesem Grund seien die Schieber ab und Blindflansche eingebaut worden, so Meyer.
Die betroffenen Mallenchener berufen sich auf ihr Gewohnheitsrecht, das macht Klaus Burkhardt vom Interessenverband Schlabendorfer Felder Süd e. V. deutlich. Er verweist auf ein Schreiben vom Umweltministerium aus dem Jahr 1996 in dem festgestellt wird, dass die Wasserabnahme keinen offiziellen Charakter habe, aber geduldet wurde. „Daraus kann kein Anspruch zur Inbetriebnahme der Druckleitung geltend gemacht werden“ , heißt es weiter in dem Schreiben. Es wird empfohlen, dass sich zur Bewässerung der Gärten die Gemeinde mit der LMBV ins Benehmen setzen soll.
Gegenwärtig scheinen die Fronten zwischen LMBV und Interessenverband so verhärtet, dass eine einvernehmliche Lösung nicht in Sicht ist. Die LMBV beruft sich auf ihren Sanierungsauftrag, der nach wasserrechtlichen Bestimmungen erfüllt werde. Wie erfolgreich die Mallencher bei der Einklagung ihres Gewohnheitsrechts sein könnten, würde wohl nur ein Rechtsstreit zeigen. Die LMBV beruft sich auf die Rechtsprechung, wonach Bürger keinen Anspruch auf eine bestimmte Höhe und Menge Grundwasser hätten.
Hartmut Meyer zweifelt an, dass, wie vom Interessenverband in einem Schreiben vom 23. Dezember 2002 versichert, keine Wasserentnahmen aus der Druckleitung stattfanden. „Das stimmte bis Anfang Mai“ , versichert Klaus Burkhardt. „Vor vier Wochen war der Teich fast leer, jetzt ist er gut gefüllt“ , sagt Meyer. Doch diese gute Füllung sei außerdem darauf zurückzuführen, dass die Schrake illegal angestaut und das Wasser in den Teich geleitet wurde. Das sei schon mehrfach so gewesen, da falle der Teich in Groß Jehser trocken. Zur Schrake werde es eine Anzeige beim Wasser- und Bodenverband geben, der für dieses Gewässer zuständig sei, versichert Meyer.
In einem Vor-Ort-Termin soll am 22. Juli das rechtliche Problem Teich Mallenchen mit dem Vertreter des Interessenverbandes und den zuständigen Behörden erläutert werden.

Hintergrund
Der Wasserhaushalt

 Eine Arbeitsgruppe Landschaftswasserhaushalt hat im Auftrag des Brandenburger Umweltministeriums das aktuelle Wasserdargebot analysiert. Das gewässerreiche Bundesland ist wasserarm, die Niederschläge liegen um 20 Prozent unter dem deutschlandweiten Mittelwert. 40 Prozent des Landes Brandenburg weisen eine negative Wasserbilanz auf: Es verdunstet mehr, als durch Grundwasser neu gebildet wird. Pro Jahr wird ein Grundwasserverlust von rund drei Zentimetern gemessen.