Von Daniel Preikschat

Es muss der blanke Horror gewesen sein für die Tiergemeinschaft, was sie in der Nacht von Sonntag auf Montag im Außenbereich des Spreeweltenbads erleben musste. Ein hungriges Raubtier drang ein ins bisher so friedvolle Reich der 22 niedlichen Humboldt-Pinguine und wütete schrecklich. Marketingleiter Steven Schwerdtner selbst fand die vier Opfer des Angriffs am frühen Morgen bei einem Rundgang. Drei von ihnen wiesen hässliche Bissspuren auf, ein vierter Pinguin ist offenbar vor lauter Panik gestorben. Jäger und Tierarzt, von den Spreewelten sofort hinzugezogen, sind sicher: Das war ein Fuchs oder ein Tier vergleichbarer Größe.

„Wir haben“, sagt Schwerdtner, „zusätzliche Sichheitsmaßnahmen ergriffen.“ Ein weiterer Wild-Elektrozaun wurde gezogen. Nachts läuft ein Mitarbeiter mehr Streife. Die Tiere selbst dürfen ihr geschlossenes Quartier vorerst nur noch tagsüber verlassen. Wenigstens so lange, bis der Räuber erlegt ist. Die Spreewelten wollen eine Sondergenehmigung für den Abschuss beantragen. Eine Lebendfalle wurde aufgestellt. „Es wird alles Mögliche unternommen“, so der Marketingleiter, „damit ein solch herber Verlust nicht mehr vorkommt.“ In den zehn Jahren, in denen Badegäste in Lübbenau nun schon mit Pinguinen schwimmen können, habe es einen solchen Raubtier-Angriff noch nie gegeben.

Warum ist das gerade jetzt passiert? Das sei eine Frage, die sich alle in den Spreewelten natürlich stellen, so Schwerdtner. Nach Auskunft von Jägern haben Füchse und andere Raubtiere derzeit große Probleme, ihren Nachwuchs satt zu bekommen. Dass das Bad derzeit eine Baustelle ist, hat den Raubtier-Angriff aus Sicht Schwerdtners indes nicht begünstigt. Noch voraussichtlich bis Ende Oktober wird das Bad saniert und im Außenbereich mehr als doppelt so groß wie zuvor. Die anhaltende Hitze hat für Bauverzug im Innenbereich gesorgt. Die für Ende September angekündigte Eröffnung musste verschoben werden. Was bei den Spreewelten schon für genug Kopfzerbrechen und große finanzielle Einbußen wegen fehlender Einnahmen sorgt. Jetzt noch das.

Daisy, Flocke, Kitty Tupf und Papageno waren für viele Badbesucher immer wieder gern gesehene gute Bekannte. Die Spreewelten setzen auf diese Nähe von Gast und Pinguin. Das ist ein wichtiger Teil des Vermarktungskonzeptes und hat auch die Ausbauplanung wesentlich beeinflusst. In größeren Außenbecken mit gebogenen Acrylglaswänden und Panoramascheiben kommen sich Mensch und Tier zum Greifen nah. Es gibt Patenschaften, die Badgäste mit einzelnen Pinguinen abschließen können.

Besonders Flocke, sagt Steven Schwerdtner, hat für die Spreewelten wichtige Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Er war der zahmste aller Lübbenauer Pinguine, weil er wegen eines angeborenen Haltungsschadens von Hand aufgezogen werden musste. „Unser Inklusionspinguin“, sagt Schwerdtner. Flocke konnte problemlos Fußballergebnisse bei EM und WM orakeln. Bei einer Probeflutung kürzlich probierte er zuerst das neue Außenbecken aus. Er hat auf die Tierpfleger regelrecht gehört, begleitete sie, ging immer vorneweg. Es sei klar, so Schwerdtner, dass nun vor allem die beiden Tierpflegerinnen Sabine Steindamm und Laura Schäfer untröstlich sind. Wenn der Tierarzt sie freigegeben hat, werden sie Flocke und die anderen drei auch selbst bestatten.