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| 02:32 Uhr

Tramantriebe aus Vetschau für Italien

Michael Krajan setzt ein überholtes Straßenbahngetriebe für die Leipziger Tram wieder zusammen.
Michael Krajan setzt ein überholtes Straßenbahngetriebe für die Leipziger Tram wieder zusammen. FOTO: Jan Augustin
Vetschau. Sie rollen in Neapel, Berlin und Potsdam: Straßen- und U-Bahnen mit Antrieben, die von der Günter Lehmann Verkehrstechnik GmbH gewartet wurden. Die Vetschauer Firma ist Spezialist auf dem Gebiet und sucht dringend Personal. Jan Augustin

Geeignetes Personal zu finden, sei nicht nur schwierig. "Es ist eine Katastrophe", sagt Günter Lehmann. Der 64-jährige Geschäftsführer der GL Verkehrstechnik GmbH aus Vetschau sucht Hände ringend nach neuen Mitarbeitern. Grund sei die gestiegene Auftragslage auf dem Markt. Zwar habe er in den vergangenen beiden Jahren fünf Leute einstellen können. Kompliziert gestalte sich allerdings die Suche nach Wirtschaftsingenieuren und Maschinenbauern.

Das Traditionsunternehmen ist heute spezialisiert auf die Untersuchung und Reparatur von Getrieben, insbesondere für Straßen- und U-Bahnen. Für die Nahverkehrsbahn in Dessau habe sie nun sogar den ersten Auftrag bekommen für eine komplette Wartung des Antriebes mit Motor, Kupplung, Radsatzlager und Räder. "Das erfordert eine besondere Technik und ist ein Bereich, in den wir tiefer eindringen wollen", sagt Lehmann.

Getriebe überholt das Unternehmen aber auch für Straßenbahnen aus dem italienischen Neapel, aus Braunschweig, Schwerin, Potsdam oder Leipzig. Für die sächsische Metropole hatte das Unternehmen vor gut sieben Jahren insgesamt 200 Getriebe gebaut, die nun wieder gewartet werden müssen. Alle acht Jahre oder nach einer Laufleistung von 500 000 Kilometern ist eine Hauptuntersuchung gesetzlich vorgeschrieben. Auch für die Berliner U-Bahn wartet die Vetschauer Firma Radsätze.

Aktuell 25 Mitarbeiter beschäftigt die GL Verkehrstechnik, die ihren Sitz am Rande des ehemaligen Kraftwerksgeländes in Vetschau eingerichtet hat. Im vergangenen Jahr schaffte das seit bald 100 Jahren in Familienhand geführte Unternehmen einen Umsatz von knapp zwei Millionen Euro. "Wir sind ganz gut aufgestellt", sagt Lehmann.

Gegründet wurde der Betrieb im Jahr 1923 von Kurt Lehmann in Werchow bei Calau. Zunächst reparierte die Firma Fahrräder, Motorräder und Nähmaschinen - nach dem Krieg insbesondere landwirtschaftliche Maschinen, Traktoren und Verbrennungsmotoren. Gerhard Lehmann, der Vater des heutigen Geschäftsführers, übernahm den Betrieb 1955. Die Firma setzte in dieser Zeit rollengelagerte Kurbelwellen instand, ab 1970 auch Freiläufe für Trabant und Wartburg in großen Stückzahlen. Mit speziellen Kurbelwellen aus der Hand von Gerhard Lehmann gewannen Rennsportfahrer sogar mehrere Meisterschaften in der DDR.

Sohn Günter Lehmann führt seit 1987 die Geschäfte. Ab 1990 kamen im Zuge einer Neuausrichtung weitere Betriebsfelder hinzu: Technischer Handel, Getriebeinstandsetzungen für Nahverkehrsgesellschaften und mit der Lehmann & Lehmann KG eine Feuerverzinkerei. Handwerkerbetriebe aus der Region lassen sich hier von Zäunen bis Treppen alles veredeln. 15 Mitarbeiter sind momentan in der Verzinkerei beschäftigt. Zuletzt setzte dieser Unternehmensteil 1,3 Millionen Euro um.

Das Zugpferd aber bleibe die Montageabteilung, bestätigt auch der Technische Leiter, Christoph Pudenz. "Es gibt im Augenblick viel Arbeit auf dem Markt", sagt der 28-jährige Lübbenauer. Gefragt sei nicht nur Personal. Auch die Werkstatthalle Platze langsam aus allen Nähten: "Wir sind voll ausgelastet."