(peb) Museumsmitarbeiterin Roswitha Winter gab stets diese gleiche Antwort auf die stets gleiche Frage, wie lange man denn noch das Kraut stampfen müsse. Erste Schweißperlen hatten sich auf der Stirn der fleißigen Krautverarbeiter gebildet, der Stampfarm wurde langsam müde.

Das Workshopthema im Freilandmuseum Lehde hieß „Stampfen und quatschen“ – wobei Letzteres anfangs eher zu kurz kam. Es machte den Teilnehmern mitunter sehr viel Mühe, den in diesem Jahr ohnehin trockener wirkenden Weißkohl in die etwas matschigere Phase zu überführen. Hilfreich und notwendig war die Zugabe von Salz, welches Mitarbeiter Dirk Ehrhardt peinlich genau auf der Digitalwaage dosierte. Soviel Zugeständnis an die neue Zeit für ein uraltes Verfahren sollte es dann doch sein, niemand traute sich einfach mal so eine Handvoll Salz ins Kraut zu geben – so, wies es die erfahrene Hausfrau einst tat. Roswitha Winter: „Unser Reinheitsgebot lautet viel Kraut, etwas Salz und jede Menge Muskelkraft!“

Sie hatte auf dem Markt 20 Kilogramm gehobeltes Kraut erworben und auf die acht Teilnehmer des Workshops aufgeteilt. Diese kamen aus Kloster Lehnin, Baruth, Luckau und Lübbenau. Viele sahen schon den dampfenden Teller mit Kassler und Kraut, mit Grützwurst oder Eisbein vor sich und machten sich so gegenseitig Appetit – man war von der Matsch- in die Quatschphase gekommen.

Roswitha Winter hatte für Salatfans etwas vorbereitet, denn das eben verarbeitet Kraut musste erst noch in eine tagelange Gärungsphase und stand somit noch nicht zur Verfügung. Zur Stärkung gab es Sauerkrautsalat mit Äpfeln, Birnen und Trauben. Das Rezept und noch ein paar andere hatte sie auf einem Blatt zum Mitnehmen niedergeschrieben. Darauf stand außerdem noch die Sauerkrautmaske für einen ebenmäßigen Teint, die Auflage gegen Sonnenbrand und ein Bierkrautrezept mit Schweineschmalz – und natürlich das Grundrezept zum Nachmachen daheim. Den Teilnehmern mit gab sie außerdem auch Tipps für eine Anti-Schlacken-Kur, für die Zeit nach Eisbein und Grützwurst.