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Trachtenreigen und Badewannenrennen

So viel steht schon mal fest: kein Trachtenfest ohne Annemarie-Polka.
So viel steht schon mal fest: kein Trachtenfest ohne Annemarie-Polka. FOTO: Peter Becker/peb1
Naundorf. Trachtengruppen aus 14 Orten der Niederlausitz haben sich im Vetschauer Ortsteil Naundorf ein Stelldichein gegeben. Ein Badewannenrennen auf dem Dorffließ und eine Alt-Treckerparade rundeten das Fest zum 20-jährigen Bestehen der Naundorf/Fleißdorfer Trachtengruppe ab. Peter Becker / peb1

Das Naundorfer Festgelände war am frühen Sonntagnachmittag bereits dicht mit Besuchern gefüllt. Schon für 13 Uhr war der Festumzug angesetzt, ansonsten wäre das randvoll gefüllte Programm wohl nicht zu schaffen gewesen. Organisatorin Eveline Quetk schaute ein wenig sorgenvoll in die Runde: "Wir warten noch auf die Lausitzer Blasmusiker aus Welzow, dann kann der Umzug starten." An den Bereitstellungsplätzen hatten Trachtengruppen aus Stradow, Skadow, Gulben, Briesen, Leipe, Werben, Müschen, Burg, Maiberg, Dissenchen, Papitz und Raddusch Aufstellung genommen. Die Musiker starteten dann doch noch pünktlich, und der Umzug konnte sich in Bewegung setzen. Voran marschierten die Naundorfer selbst, gefolgt von ihren Gästen. Auf der Bühne wurden anschließend die Trachtengruppen vorgestellt. Moderator Manfred Kliche ging dabei auf Details und die eine oder andere Besonderheit ein. Die Auffälligste kam aus der zweitstärksten (neben der Naundorfer) Trachtengruppe, die der Radduscher. Vereinsvorsitzende Stephanie Buchan zu den zahlreich erschienenen Besuchern: "Unser bestickter Gürtel ist die deutlichste Besonderheit, neben dem breiten Rocksaum." Nachdem alle Gruppen und Trachten vorgestellt waren, formierte sich der ganze Zug zur obligatorischen Annemarie-Polka. Der kurzzeitig einsetzende Regen wurde einfach ignoriert.

Viel feuchter ging es beim Badewannenrennen auf dem Dorffließ zu. Diese spezielle Naundorfer Tradition wurde erst vor zwei Jahren, zum 700. Dorfjubiläum, wiederbelebt. Auf etwa 100 Metern muss ein Parcours in einer Zinkbadewanne absolviert werden. Kurz nach dem Start wird mit dem Mund eine Pflaume aus einer Mehlschüssel gefischt, dann muss ein am Seil hängendes Fläschchen geöffnet und getrunken werden. Am Ziel gilt es noch ein Hindernis zu umklettern und eine persönliche Sache zu hinterlegen. Zehn Wagemutige starteten paarweise, keiner kam wirklich trocken an. Matthias Horn aus Naundorf und Tino Krüger aus Koßwig waren die Ersten, die mit dem 13 Grad kalten schlammigen Fließ in Berührung kamen. Tino Krüger: "Den Schwerpunkt zu finden, ist die große Kunst!" Die Kinder Dominik Schär und Noel Weichert hatten es leichter, ihr Schwerpunkt lag naturgemäß weiter unten, was ihnen den Sieg vor den Erwachsenen einbrachte.

Die letzte Wanne war kaum im Ziel, schon tuckerten die Alt-Traktoren vom Hof der Villa Grabitz zu einer Runde um den Dorfkern. Dort standen sie zuvor zur Besichtigung auf dem liebevoll mit Blumen und Altgeräten ausgeschmückten Innenhof. Zahlreiche Zuschauer hatten schon den Trachtenreigen und das Wannenrennen verfolgt und zeigten sich vom Programm begeistert. Christoph Backhaus aus Berlin: "Hier wird vorgeführt, dass die schönsten Feste immer noch die sind, die die Menschen selbst für sich organisieren. Bei uns in Berlin gibt es nur noch teure Events, ohne wirkliche Emotionen." Bernd Wünsch aus Verden bei Bremen: "Den Trachtenumzug haben wir wegen des Regens verpasst, aber das Wannenrennen ist ein absolutes Gaudi. Wir sind das erste Mal im Spreewald, aber so was von begeistert von der Natur und den Menschen hier."

Auf dem Festgelände ging inzwischen das Programm weiter: Manfred Kliche und Marlene Jedro gaben "August und Anna" - ein Sketch, der auf den gebürtigen Naundorfer August Konzack zugemünzt war. Den Älteren sind der legendäre Wirt der Dubkowmühle und seine Schwägerin noch in bester Erinnerung.

Ziemlich zurückhaltend und im Hintergrund zeigte sich der Naundorfer Ortsvorsteher Rainer Daniel. "Warum soll ich mich einmischen? Das Team um Eveline Quetk hat eine tolle Arbeit gemacht, unser Dorf ist erwachsen geworden", sagt er sichtlich stolz mit Blick auf sein Dorf und seine Leute.