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| 01:02 Uhr

Tödliche Verwechslung: Jäger getroffen

Calau/Senftenberg.. Wahrscheinlich wäre eine Sekunde genug gewesen. Ein klitzekleiner Augenblick, für einen zweiten Blick. Aber Horst S.* war zu hastig, er hat schnurstracks abgedrückt. Darum ist sein Jagdfreund Peter K.* jetzt tot. Weil der Schütze – in einer stockfinsteren Nacht bei Mallenchen – ihn für ein Wildschwein gehalten hatte. Gestern wurde S. vom Senftenberger Schöffengericht verurteilt. Von Dörthe Hückel-Krause


 „Ein Wildschwein, ich war mir ganz sicher“
 Horst S.


Die Ausbeute war eher mickrig. Stundenlang hatten die Freizeit-Jäger am 15. Juli 2003 auf ihrer Kanzel in einem Maisfeld nahe Calau geharrt - und gerade mal einen Frischling erlegt. Bis kurz vor Mitternacht. Der Jagdausflug war fast vorbei, die beiden waren schon vom Hochsitz gestiegen, da wollte es der 42-jährige Horst S. noch einmal wissen: Mit dem Gewehr über der Schulter begab sich der rundliche, kleine Mann mit dem schwarzen Kraushaar auf Pirsch rund um ein angrenzendes Sumpfloch. Für den Jäger übrigens fremdes Revier, er war zum ersten Mal in Mallenchen unterwegs. Kumpel Peter sollte an der Kanzel auf den Koch warten. Er brach unterdessen die Beute auf.
Jäger S. kribbelte es nach wenigen Schritten in den Fingern. „Ich habe die Wildschweine ganz dicht neben mir schmatzen gehört.“ Nur vor die Linse wollte ihm keins kommen. Er war schon ein ganzes Stückchen durch die Nacht marschiert, ohne auf den Weg achtzugeben, als er plötzlich eine dunkle Gestalt erspähte. „Es kauerte in Schwein-Höhe auf dem Boden. Ein Wildschwein, ich war mir ganz sicher.“ Mehr als einen diffusen Schatten kann der Angeklagte aber nicht erkannt haben, immerhin trennten ihn und das vermeintliche Schwein 25 bis 30 Meter. Was ihm mitten im Jagdfieber nicht in den Sinn kam: Dass er den kleinen Teich längst umrundet hatte, geradewegs seinen Kumpanen neben der Kanzel anvisierte. S. schritt prompt zur Tat. Er legte an, drückte ab - und inspizierte die Beute. Als er kein Schwarzwild, sondern Peter K. auf dem Boden liegen sah, feuerte er sofort eine SOS-Salve gen Himmel ab.
Nur wenige Hundert Meter weiter genoss Bernd V.* den lauen Sommerabend auf seinem Gehöft. Bei den Schüssen wurde er stutzig. Der Jagdpächter, er hatte den Gastjägern an diesem Abend sein Revier überlassen, eilte mit Taschenlampe und Kurzwaffe zum Tatort. Via Handy alarmierte er sofort den Notarzt. Der konnte nichts mehr tun - der 49-Jährige verblutete an der Verletzung in der rechten Brust.
Ein Tod, der so leicht zu verhindern gewesen wäre. Hätten die beiden Hobby-Jäger die Regeln befolgt. Bevor sie auf Jagd gingen, will Pächter V. genaue Instruktionen auf den Weg gegeben haben: „Es war fest abgemacht, dass sie nur von der Kanzel schießen.“ Auch das Opfer war nicht ganz unschuldig. K. war als Jagdhelfer gar nicht berechtigt, das Wildschwein aufzubrechen. „Das wollten wir danach gemeinsam tun“ , versicherte der Angeklagte. Darum hätte er seinen Jagdfreund auch nie in gebückter Haltung vermutet.
„Beide haben sich pflichtwidrig verhalten“ , attestierte Staatsanwältin Sybille Hoffmann. Auch wenn's keine Absicht war, der Angeklagte sei schuldig wegen fahrlässiger Tötung. „Er war leichtsinnig, wusste, dass der andere auf freiem Gelände ist.“ Eine Haftstrafe wollte sie ihm aber nicht aufbrummen. „Geldstrafe ist angemessen.“
Das Schöffengericht unter Vorsitz von Harald Rehbein verurteilte den Angeklagten zu 150 Tagessätzen à 20 Euro.
* Namen von der Redaktion geändert