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"Tief im Westen" tief im Osten

Lübbenau/Cottbus. Die rot-weiße Liebe führt sie seit neun Jahren nach Cottbus und auch in den Spreewald: die Mitglieder des Energie-Fanclubs "Tief im Westen" aus der Lübbenauer Partnerstadt Oer-Erkenschwick. Zum letzten Heimspiel des Cottbuser Zweitligisten waren sie wieder da, tief im Osten. Von Hannelore Kuschy

Von den heute über 50 Energie-Fanclubs in Deuschland, Österreich und in der Schweiz war er der erste in Nordrhein-Westfalen. Als Exot in der Fußballhochburg werden die 19 Mitglieder auch nach zehn Jahren noch immer belächelt. Dominic Polczinski, mit 18 Jahren jüngster Fan im Club, hat die rührende Begegnung mit Tomislav Piplica vor drei Jahren nicht vergessen und reiste diesmal mit seinem ehemaligen Trainer Holger Durrey nach. Diesmal hoffte der junge Tormann, der für Freitag von seiner Berufsschule nicht frei bekommen hatte, auf das versprochene T-Shirt von Marc Andre Kruska, den er aus früheren Jahren kennt.

Vor dem gestrigen Spiel stieß kurz der ehemalige Energie-Angreifer Franklin Bittencourt zu den NRW-Fans. Er hatte von 1998 bis 2003 für Cottbus gespielt. Hoch erfreut über die Gäste aus dem tiefen Westen zeigte sich auch Energie-Fan-Beauftragter Thomas Lange. "Möge der rot-weiße Virus noch recht viele Fans infizieren", so sein Wunsch. Bekanntschaft schlossen die Oer-Erkenschwicker diesmal auch mit dem Energie-Frauen-Fanclub, den es seit dem Jahr 2003 gibt.

Ihr Jubiläum war für die angereisten Fans um ihren Gründer Walter Willmann Grund genug, sich einen Tag mehr Zeit zu nehmen, um vor allem die Partnerstadt Lübbenau und den Spreewald besser kennenzulernen.

Milena alias Monika Baumgart erwies sich als charmante Reisebegleiterin. Sie erzählte ihnen zum Beispiel über Fontane, der im Jahr 1859 in Lübbenau seine Spuren hinterlassen hat, und über den hübschen Taufengel in der 1741 erbauten Nikolaikirche, der einen Verwandten aus Marmor in Kopenhagen hat. Nicht von Milenas Seite wich der 71-jährige Hans-Georg Hauch, den Oer-Erkenschwick nur mit Spitznamen Appa kennt. "Wie schade, dass Milenas Tracht mit so vielen Stecknadeln zusammengehalten wird", bedauerte er. Dann wiegt die Tracht auch noch mehrere Kilogramm.

Erfrischung fanden Appa und seine Freunde nach ihrem Abstecher in den Schlossbezirk in Babbens Brauerei. Von Kahnfährmann Stefan Pautz ließen sie sich über Spreewald-Fließe staken. Bis der Wetterfrosch unter den Oer-Erkenschwickern eine Panne zugeben musste, denn vor der Rückfahrt begann es, in Strömen zu regnen.