"Ich bin 'beeindruckt' von dem schlechten Zustand hier an der Kahnfahrt" , sagte Tilgner nach der Begehung. Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) hatten ihm gezeigt, dass der Graben an einigen Stellen völlig zugewachsen ist. Bei hohem Grundwasserstand könne das Wasser nicht ablaufen, stattdessen stünden die Keller der Anwohner im Umkreis hoffnungslos unter Wasser, so die Argumentation. "Wir werden unserer Verpflichtung nachkommen und die Zerkwitzer Kahnfahrt nächste Woche ausbauen" , versprach der Dezernatsleiter den Grundwasser-Aktivisten.
Da dem LUA in diesem Jahr eigentlich keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung stehen, sollen die Kosten für die Sofortaktion auf das nächste Jahr umgelegt werden. Auf etwa zwei Wochen schätzt Tilgner die benötigte Zeit, um die Kahnfahrt von den Pflanzeninseln zu befreien.
Das LUA ist allerdings nur für den Abschnitt zuständig, der jenseits der Bahnschienen Richtung Ragow führt. Für den Bereich davor zeichnet der Wasser- und Bodenverband (WBV) in Burg verantwortlich. Tilgner will jedoch den WBV über die Untere Wasserbehörde anweisen lassen, die Kahnfahrt dort ebenfalls zu räumen.
WBV-Leiter Rainer Schloddarick bestätigte gestern gegenüber der RUNDSCHAU Angaben der Bürgerinitiative, nach denen der WBV selbst eine weitere Zusammenarbeit mit der BI abgelehnt hatte. "Ein Mitglied der Bürgerinitiative hat Klage gegen uns erhoben. Und viele Leute aus der Bürgerinitiative sind dabei als Zeugen angegeben. Deshalb hat unser Rechtsbeistand empfohlen, dass wir uns während des laufenden Verfahrens nicht mehr äußern" , sagte Schloddarick. Ihm tue dies leid. Von der gestrigen Begehung habe er auch nichts gewusst, so Schloddarick.
BI-Sprecher Helmut Knothe betonte, dass die Klage mit der Bürgerinitiative "nichts zu tun" habe. "Das ist die Klage einer Einzelperson, die schon eingereicht wurde, bevor wir uns überhaupt gegründet haben" , so Knothe. Er wolle den Mitgliedern zudem nicht vorschreiben, was sie zu tun hätten.
Mit dem Versprechen des Landesumweltamtes zeigte sich Knothe zufrieden: "Das ist mehr als wir erhofft hatten." In den vergangenen Monaten hatte es bereits mehrere Begehungen entlang der Zerkwitzer Kahnfahrt gegeben, ohne dass dies zu einem Ergebnis geführt hätte. Auch die Vermittlungsversuche des Lübbenauer Bürgermeisters Helmut Wenzel hatte bislang keine Konsequenzen gezeigt. An LUA-Dezernatsleiter Tilgner hatte sich die BI selbst gewendet. "Ich habe erst jetzt von dem Ausmaß der Situation erfahren" , sagte Tilgner dazu.
Für einige kommt seine Zusage sehr spät. Günther Pretzsch aus der Rosa-Luxemburg-Straße hat z.B. nach dem starken Regen jetzt wieder den Keller voll Wasser, zum ersten Mal im Monat November. "Die Fliesen müssen wahrscheinlich alle heraus, das Wasser drückt die ganze Zeit von unten nach. Ich werde den Keller wohl aufgeben müssen" , befürchtete Pretzsch.
WBV-Leiter Schloddarick merkte an, dass auch eine Räumung der Kahnfahrten keine generelle Lösung des Grundwasserproblems bedeute. "Der Grundwasserwiederanstieg wird dadurch nicht behoben" , so Schloddarick.
Termin Vollversammlung
 Die Bürgerinitiative Grundwasserauswirkungen lädt am Mittwoch, 18. Dezember um 15 Uhr zu ihrer Vollversammlung ein. Dort soll das weitere Vorgehen besprochen werden. Dazu sind auch Behördenvertreter eingeladen. Ort ist die Sportgaststätte Wendenburg in der Straße des Friedens.