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| 02:32 Uhr

Tausend Fragen im Gemüsereich

Fleißdorf. Jedes Jahr warten viele Hobbygärtner auf die Sommertour in der Fleißdorfer Gärtnerei. Und jedes Jahr gibt es ungezählte Fragen an den Chef Siegmund Peschang. Er bleibt den rund 30 Gästen in diesen zwei Stunden auch diesmal kaum eine Antwort schuldig. Hannelore Kuschy

In den Gewächshäusern schlängeln sich die Gurkenpflanzen mit ihren gelben Blüten und noch jungen Gurken in die Höhe. Geerntet wurden die Schlanken schon am Morgen. "Warum sind manche Blätter gelb?", will ein Sommergast wissen. "Das extreme Wetter und der Wechsel zwischen kühlen Nächten und heißen Tagen sind auch für die Gurken Stress", sagt Siegmund Peschang. "Da sieht man mal, dass das nicht nur im eigenen Garten, sondern hier auch vorkommt", bemerkt Erwin Klose aus Vetschau, der mit seiner Frau Marianne nach Fleißdorf gekommen ist. Jawohl, die Blätter reiben aneinander und werden Tabak. Die könne man dann ab-, aber die Pflanze nicht gleich nackig machen, rät der Gärtnereichef.

Um eine gute Ernte einzufahren, empfehle es sich, schon im Herbst zuvor den Boden zu lockern und Dung einzubringen. Im Frühjahr sei es ratsam, eine Bodenprobe analysieren zu lassen, denn Pilzsporen von kranken Pflanzen würden sich über Jahre halten. "Deshalb werfen Sie Krankes nicht auf den Kompost, sondern in den Müll", lautet des Gärtners gut gemeinter Rat.

Aufmerksam hört Hans-Jürgen Fröschke vom Bezirksverband der Kleingärtner aus Lübbenau zu, als es um die Stängelfäule geht. "Da haben Sie mit Chemie keine Chance", antwortet Siegmund Peschang auf die Frage eines weiteren Besuchers. "Ich finde es gut, dass hier nicht zum Gift gegriffen wird", lobt Hans-Jürgen Fröschke.

Die Anbaufläche für Tomaten haben die Fleißdorfer reduziert, und das aus einem nachvollziehbaren Grund, den Siegmund Peschang gleich nennt: "Im zeitigen Frühjahr verkaufen wir die Pflanzen, und wenn die Erntezeit ran ist, läuft sie parallel mit unserer. Dann werden Tomaten eben aus dem eigenen Garten gegessen." Vier Sorten würden nach der Sommertour-Verkostung im vorigen Jahr angebaut. "Und es werden auch nicht mehr so viele große Tomaten gekauft", ist seine Erfahrung. Im Tomaten-Gewächshaus fällt Marianne Maßnigk aus Boblitz auf, dass sich an einer Pflanze die Blätter kräuseln. Am besten abmachen oder? "Nein, die Pflanze ist nicht krank. Sie schützt sich damit gegen den ständigen Kälte-Hitze-Wechsel", erklärt der Chef. Wolfgang Köhler aus Raddusch hält eine rote Tomate in der Hand, die am oberen Ende noch grasgrün ist. Renate Schneider, die mit ihrem Mann aus Calau hierher geradelt ist, kennt das auch. "Dann muss ich immer so viel wegschneiden", bedauert sie. Im Verlauf des Gesprächs stellt sich Kalimangel als Ursache heraus.

Erstmals haben die Fleißdorfer Erdbeeren geerntet. Siegmund Peschang ist ehrlich und zeigt seinen Besuchern, dass sich nach der Ernte einer Sorte Pilzbefall herausgestellt hat. "Diese empfindliche Sorte werden wir nicht mehr pflanzen", sagt er. Im kommenden Jahr aber soll noch ein weiteres Zelt mit einer anderen Erdbeer-Sorte hinzu kommen.

Spannend wird es noch einmal auf dem Freiland, denn neben Gurken, Salat, Zwiebeln, Porree, und vielen Kräutern wird Halt gemacht vor einem kleinen Feld voller Astern. "Die stehen dann so als Beiwerk im Laden oder auf dem Markt", erzählt Siegmund Peschang. Im Übrigen bedient die Gärtnerei Fleißdorf keine Zwischenhändler mehr, sondern produziert nur, was selbst vermarktet oder an kleinere Partner geliefert werden kann.