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T(r)olles Wochenende in Calau

Wenn der Elektromotor der Kinderlok aufgrund des Fahrgästeumfanges schwächelt, muss manuell nachgeholfen werden. Stadtverordneter René Riewa erwies sich als zuverlässiger und belastbarer "Lok-Anschieber".
Wenn der Elektromotor der Kinderlok aufgrund des Fahrgästeumfanges schwächelt, muss manuell nachgeholfen werden. Stadtverordneter René Riewa erwies sich als zuverlässiger und belastbarer "Lok-Anschieber". FOTO: U. Hegewald/uhd1
Calau. Hüpfburg, Rutschbahnen, Riesenrad oder Kindereisenbahn – die 7. Calauer Trolltage hatten so manche Attraktion zu bieten. Einer Privatinitiative um Familie Bareinz und helfender Hände ist es zuzuschreiben, dass Kinder ein ganzes Wochenende nach Herzenslust toben und ihren Bewegungshunger stillen konnten. Uwe Hegewald / uhd1

Rote Wangen, schweißnasse Haare, leicht erhöhter Puls und Luftsprünge prägten das Bild in der Calauer Sporthalle. Wenn gestattet, würde so mancher Kinderarzt jungen Patienten einen Besuch der Calauer Trolltage verschreiben. Immerhin gelten diese als willkommenes Angebot in einer bewegungsraren Zeit.

"Elf Stationen stehen den Kindern zur Verfügung. Mit einer Tischtennisplatte bekommen die Sprösslinge zusätzlich Gelegenheit, ihre erwachsenen Begleiter zu einem Duell herauszufordern", sagt Frank Bareinz. Wie der Initiator der Calauer Trolltage weiter informiert, würden Spielgeräte von Jahr zu Jahr ausgetauscht, um zu mehr Abwechslung beizutragen. Neben den Spielgeräten aus eigener Produktion (Riesenrad, Rollenrutsche, Karussell) setzt der Unternehmer auf bewährte luftbetriebene Attraktionen aus dem Hause "Kinderland Böhm" im sächsischen Bergen bei Hoyerswerda. Für ein Schnäppchen sind die gigantischen Hüpfburgen oder Rutschen nicht zu haben. "Die Investitionen gehen in den vierstelligen Eurobereich. Hinzu kommen noch der notwendige Versicherungsbeitrag und eine ermäßigte Hallenmiete", erklärt Maren Bareinz.

Dass die Familie und Helfer wie die Familien Birka oder Riewa bereits Samstagfrüh um 6 Uhr mit dem Aufbau beginnen und Sonntagabend wieder alles verstauen müssen, stört sie nicht. "Wenn sich die kleinen und großen Besucher beim Verabschieden bedanken, überstrahlt das alle vorangegangenen Anstrengungen", so die Unternehmergattin. Auch wenn so manches Mal Tränen fließen, weil der Nachwuchs partout noch nicht nach Hause möchte.

Beruhigend: Die Tickets gelten den gesamten Tag. Personen die die Halle zwischenzeitlich verlassen, dürfen so oft wiederkommen wie sie wollen. Yvonne Simon rollte mit Enkelsohn Pawel aus dem Bergdorf Gosda (Gemeinde Luckaitztal) nach Calau. "In der Zeitung habe ich von der Veranstaltung gelesen und mir fest vorgenommen, diese zu besuchen. Wenn der Enkel schon mal aus Berlin-Pankow zu Besuch ist, möchte ich dem Knirps auch etwas bieten", begründet sie. Das Fazit der Besucherin von den Kammlagen der Calauer Schweiz: "Unglaublich schön. Bei den Holzspielgeräten der Familie Bareinz bekommen die Kinder gleich noch physikalische Grundkenntnisse vermittelt, wie sich die Geräte mittels eigener Kraftanstrengung in Bewegung setzen", schwärmt Yvonne Simon. Kein Verständnis bringt sie der Abfuhr von Banken entgegen, die der Familie Bareinz einen Kredit für den Kauf und Umbau des Calauer Bahnhofsgebäudes verwehrten. Von dem Vorhaben, in dem verwaisten Gebäude an den Gleisen eine Indoor-Spielstätte, Imbiss/Kiosk und intakte Toiletten für Besucher und Bahnreisende zu errichten, habe sie ebenfalls gelesen. "Etwas Besseres hätte der Bahn und der Stadt nicht passieren können", sagt sie.

Wie gut sich Bahnverkehr und Spielstätte ergänzen, war bei den Trolltagen zu erleben, auch wenn bei vollbesetztem Kinder-Reisezug manuelle Hilfe gefragt war. So durfte sich René Riewa als temporärer Lok-Anschieber bewähren. "Mache ich doch gerne. Ich sehe das auch als Geste der Dankbarkeit gegenüber der Familie Bareinz. Mit den Trolltagen sorgt sie für eine echte Bereicherung in der Stadt und verschafft Calau positive Schlagzeilen", so der Stadtverordnete und langjährige Unterstützer.