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| 16:55 Uhr

Ein Flüchtling mit Humor
Syrischer Autor gewinnt der Integration auch komische Seiten ab

Der syrische Videoproduzent und Autor Firas Alshater schilderte in der Bunten Bühne seine Deutschland-Erfahrungen auf humvorvolle Art im Gespräch mit Michael Hensel von der Initiative Buntes Lübbenau.
Der syrische Videoproduzent und Autor Firas Alshater schilderte in der Bunten Bühne seine Deutschland-Erfahrungen auf humvorvolle Art im Gespräch mit Michael Hensel von der Initiative Buntes Lübbenau. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Firas Alshater erheitert in der Bunten Bühne in Lübbenau rund 70 Besucher mit seinen skurrilen Deutschland-Erfahrungen.

Viel zu lachen gab es in der Bunten Bühne in Lübbenau schon oft. Dass jedoch ein Flüchtling aus Syrien, der in seiner Heimat inhaftiert und gefoltert wurde, mit Anekdoten und Videos zum Thema Integration für Heiterkeitsausbrüche sorgt, das gab es bisher noch nicht. Genau das passierte aber Dienstagabend in der Bunten Bühne, in der rund 70 Besucher Platz genommen hatten. Einige von ihnen mussten selbst flüchten aus Syrien, andere engagieren sich in der Bürgerinitiave „Buntes Lübbenau“. Die BI hatte Firas Alshater auch eingeladen.

Vor diesem Publikum fühlte sich der 27-jährige gelernte Kameramann, der seit fünf Jahren in Berlin lebt und an der Filmhochschule Babelsberg studiert, sichtlich wohl. Was auch für sein Hündchen Zucchini galt, um das sich Besucher abwechselnd kümmerten. Mit dem Hund sei ihm nicht so langweilig, erzählte Firas Alshater. Außerdem werde er ruhiger in Gegenwart des Tieres, das er „seine kleine süße Tochter“ nannte. Worte, in denen etwas von dem Leid mitschwingt, das der Syrer erdulden musste. Denn eigene Kinder werde er aufgrund der Elektroschock-Torturen wohl nicht haben können, wie in einem der Videos, deutlich wurde. Wegen seiner Kameraaufnahmen wurde der Assad-Gegner und Aktivist verhört und gefoltert.

Selbst in diesem Video wurde aber schon die Gabe des Flüchtlings deutlich, die Dinge positiv zu sehen, ihnen komische Seite abzugewinnen. Indem er gut beobachtet, witzige Vergleiche anstellt oder sich Geschichten ausdenkt. Zum Beispiel die von der Katze, die Alshater beneidet, weil sich für das niedliche Tier alle Türen öffnen. Doch auch auf publikumswirksame Aktionen versteht er sich, die dann auf Youtube zu sehen sind. So stellte sich Alshater auf dem Alex in Berlin mit verbunden Augen und ausgestreckten Armen neben ein Schild mit der Aufschrift: „Ich bin syrischer Flüchtling. Ich vertraue dir – vertraust du mir? Umarme mich!“ Lange reagierte niemand, dann machte jemand ein Selfie mit dem Flüchtling, am Ende umarmten ihn hintereinander ganz viele Deutsche. Die Deutschen, schlussfolgert der Syrer, brauchen manchmal länger, dann aber machen sie es gründlich. In Sachen Integration sei das auch so.

Auch andere Videos, die Firas Al-
shater „Zuckerstücke“ nennt, sind von ihm im Internet zu sehen – und haben ihm Millionen von Klicks eingebracht. Eine Form auch der Eigenwerbung, die ihm ein Verlagsangebot bescherte. Ob er nicht ein Buch schreibe wolle, wurde er gefragt. Mittlerweile liegt es vor, das erste, in dem ein Flüchtling auf Deutsch aus der Ich-Perspektive schreibt. „Ich komm auf Deutschland zu“ heißt es.

Der Buchtitel charakterisiert auch den Syrer ganz gut. Er war auch in der Bunten Bühne auf freundliche Art konfrontativ. Eigentümlichkeiten der Deutschen wie etwa ihre Pünktlichkeit, ihre Papierhörigkeit oder die immer gleichen Fragen, die sie stellen, all das beschreibt er mit milder Ironie. Zugleich findet er schöne Bilder für die Vorzüge, die Deutschland zu bieten hat. Das Solidaritätsprinzip der Krankenversichung vergleicht er mit dem Gruppenverhalten von Pinguinen, die in der Eiseskälte eng beieinander stehen und einen schützenden Kreis bilden. Lächeln könnten sie häufiger, die Deutschen, nicht immer so griesgrämig gucken. Aber das kann auch daran liegen, das sie zu wenig Sonne abbekommen. Den syrischen Sonnenschein, den hätte Firas Alshater gern mit nach Deutschland genommen.