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Syrer zeigen ihre eigenen Filme

Monzer (l.) und Yahya haben sich als Filmemacher versucht und ihre Beiträge im Gleis 3 präsentiert.
Monzer (l.) und Yahya haben sich als Filmemacher versucht und ihre Beiträge im Gleis 3 präsentiert. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Wie dem kleinen Flüchtlingsmädchen Ivine mit ihrem vollgeweinten Kissen mag es auch Syrern ergangen sein, die in Lübbenau angekommen sind. Der kurze, aber eindringliche Animationsfilm von Unicef lief am Donnerstag im Lübbenauer Kulturzentrum Gleis 3 vor etwa 70 Besuchern. Daniel Preikschat

Bombardierung, Flucht im Schlauchboot und durch wüste Landschaften, schlimme Albträume - manche Geschichten, wie es im Abspann des Films heißt, sind nicht für Kinder gedacht.

Handelte es sich bei "Ivine and Pillow" (Ivine und Kissen) noch um eine Fremdproduktion, haben die drei anderen gezeigten Filme syrische Flüchtlinge aus Lübbenau selbst gemacht. Zumindest zum Teil. Die Aufnahmen in "Ein Tag in Damaskus" von Yahya (28) und in "Syrien" von Monzer (17) stammten überwiegend aus dem Internet. Doch Bilderabfolge entsprechend einer Dramaturgie, die musikalische Untermalung und die Untertitel sind das geistige Eigentum der Neu-Lübbenauer. Monzer zum Beispiel hatte die Idee, Syrien zu personifizieren. Aus der Ich-Perspektive erzählt das Land von seiner landschaftlichen Schönheit, von seinem kulturellen Reichtum, von seinen ehemals belebten Altstädten, gegen Ende des Films dann aber eben auch von der Zerstörung.

Im Gleis 3, erzählt Yahya in fast fließendem Deutsch, gebe es jede Woche das "Hallo Nachbar"-Treffen. Dort kamen er und andere Syrer mit Queenie Nopper vom Projektbüro Lübbenaubrücke auf die Idee, einen syrischen Abend zu gestalten. Ihre alte Heimat und auch sich selbst, ihre jetzige Lebenssituation in Lübbenau könnte man die Lübbenauern doch mal näher bringen. Auf lockere kreative Art, mit filmischen und kulinarischen Beiträgen.

Die rund 70 Besucher an dem Abend, etwa so viele Lübbenauer wie Flüchtlinge, zeigten: Die Idee kam gut an. Interesse, auch Betroffenheit war spürbar im Publikum beim Vorführen der Filme. Viel zu lachen gab es aber auch, als Yahyas zweiter Film über das "Bunte Lübbenau" lief. Eigentlich eine Aneinanderreihung von Fotos mit hohem Wiedererkennungswert, die bei vielen gemeinsamen Aktionen in Lübbenau und in der Gemeinschaftsunterkunft Kittlitz entstanden sind.

Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen in Lübbenau und ihre aktuelle Lebenssituation gaben die Hobby-Filmemacher aber auch. Weniger in den Filmen als vielmehr in Gesprächen danach. Monzer wie auch Yahya konnten dabei nur Gutes über ihre neue Heimat berichten, in der man sich so interessiert an ihnen zeigt. Monzer besucht das Oberstufenzentrum in Sedlitz, will dort seinen Abschluss machen und studieren. Der ältere Yahya scheint ein Musterbeispiel für eine gelungene Integration zu sein. Er konnte vor zwei Jahren in Damaskus sein Studium unter schwierigen Bedingungen noch abschließen und brachte sehr gute Englischkenntnisse mit. Das habe ihm enorm geholfen beim Lernen der schweren deutschen Sprache. Heute hat er einen Arbeitsplatz bei Data Script in Lübbenau und hier auch eine Wohnung.

Weltkulturerbe und vor dem Krieg von Touristen gern besucht – die Ruinen von Palmyra in der syrischen Wüste.
Weltkulturerbe und vor dem Krieg von Touristen gern besucht – die Ruinen von Palmyra in der syrischen Wüste. FOTO: dpa