ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:59 Uhr

Let’s dance!
Syrer lehrt Deutschen das Tanzen

Im Lübbenauer Tanzstudio Bella trainiert Wael Altair seit zwei Jahren Jungs und Mädchen im Breakdance.
Im Lübbenauer Tanzstudio Bella trainiert Wael Altair seit zwei Jahren Jungs und Mädchen im Breakdance. FOTO: Jenny Theiler / LR
Lübbenau. Im Tanzstudio Bella in Lübbenau unterrichtet der junge Syrer Wael Altair Kinder und Jugendliche im Breakdance. Von Jenny Theiler

„Wir probieren jetzt noch einmal den Vorwärtssalto“, ruft Wael Altair seinen Schülern über die Schulter und zeigt den freien Überschlag erst einmal selbst vor. Eine dicke Matratze auf dem Boden soll vor Verletzungen schützen. Die zehn- bis 15-jährigen Schüler nehmen Anlauf und schleudern gekonnt ihr Körpergewicht durch die Luft. Was wie eine halsbrecherische Zirkusnummer aussieht, ist ein wesentlicher Bestandteil des Breakdance, den der junge Syrer Wael Altair im Lübbenauer Tanzstudio Bella seit zwei Jahren unterrichtet.

Eine Ausbildung zum Tanzlehrer hat der 24-Jährige nicht. „Ich habe Breakdance zum ersten Mal in Syrien auf der Straße gesehen. Meine Freunde haben das gemacht, und ich wollte das auch können“, erklärt Wael Altair. Dass der damals 18-Jährige mit diesem Hobby irgendwann mal sein Geld verdienen würde, konnte er zu dieser Zeit noch nicht ahnen. Aber dann kam der Krieg.

Zusammen mit seinem Cousin Hamza Kobaimi (21) floh Wael Altair 2016 aus Damaskus nach Europa. Die Cousins kamen zunächst in ein Flüchtlingsheim nach Potsdam und später nach Kittlitz. Dass dort ein junger Mann die gesamte Unterkunft mit Breakdance unterhält, hat sich bis nach Lübbenau herumgesprochen. Durch die Bürgerinitiative Buntes Lübbenau wurde Jenny Reichert, die Leiterin des Tanzstudios Bella, auf den jungen Syrer aufmerksam. „Wir haben beide voneinander gelernt. Er hat den Breakdance in mein Tanzstudio geholt, und ich habe ihm ein wenig Deutsch beigebracht“, erinnert sich die Leiterin.

„Ich habe eigentlich keinen Trainingsplan, an den ich mich halte. Den Unterricht mache ich jede Woche anders“, gibt der 24-Jährige zu. Auch wenn der Breakdance-Unterricht etwas improvisiert wirkt, so fällt dennoch eine ausgewogene Mischung aus selbstständigem Training und gemeinsamem Tanzen auf. Nach einem gemeinsamen Warm up treten die Schüler mit ihrem Lehrer vor die Spiegelwand und üben an einer von Wael Altair ausgedachten Choreographie. Ein Mädchen und drei Jungs sind in der Breakdance-Gruppe am Dienstagnachmittag. Die Anweisungen sind klar, keiner sitzt herum, und jeder arbeitet an seinen eigenen Zielen. Erstaunlich professionell und mit unheimlich viel Begeisterung wagen sich die vier Schüler bereits an höhere, akrobatische Elemente, den so genannten „Power Moves“ heran. Eine erstaunliche Leistung, denn die vier Schüler trainieren bei Wael erst seit einem Jahr.

Das Wichtigste beim Breakdance sei die Leidenschaft, meint Wael Altair. „Spaß an der Bewegung ist eine gute Basis, aber das reicht nicht aus, wenn man Breakdance machen möchte – dazu gehört mehr“, so der 24-Jährige. Das zeigt sich im Einzeltraining. Körperbeherrschung, Disziplin und Ehrgeiz sind selbst für die einfachen Basiselemente erforderlich. Sei es der Rückwärtssalto oder ein Handstand – wer hier nicht mit vollem Körpereinsatz bei der Sache ist, könnte sich verletzen. Dennoch bekommt jeder die individuelle Aufmerksamkeit durch den Profi. „Mach die Beine wie ein X, dann hast du mehr Halt“, weist Wael Altair seine Schülerin beim Handstand an. Sie arbeitet an einem „Air Freeze“, einem Handstand, der nur auf einem Arm ausgeführt wird und enorme Körperbeherrschung erfordert.

Die Disziplin, mit der Wael Altair den Breakdance gelernt hat, kommt dem jungen Syrer auch im Alltag oftmals zu Gute. Das B1-Sprachzertifikat hat er bereits geschafft. Doch die nächste Hürde ist bereits in Sicht. In der nächsten Woche fängt der B2-Kurs in Cottbus an, den Wael Altair bestehen muss, um für eine Ausbildung zugelassen zu werden. Der junge Breakdancer würde gern eine sportbasierte Ausbildung machen, wäre aber auch mit einem Ausbildungsplatz zum Elektriker zufrieden.

Momentan arbeiten die Cousins noch in einem Asia-Imbiss. „Wir würden gerne hier bleiben, wenn wir eine Ausbildung machen können und Arbeit finden würden“, meint Wael Altair.