Von Rüdiger Hofmann

Zitternde Hände. Krämpfe. Halluzinationen, die zu Psychosen und Depressionen führen. Florian ist mal wieder auf einem Drogentrip unterwegs. „Ich hab alles im Griff, könnte jederzeit aufhören“, beteuert er immer wieder. Solche Geschichten passieren jederzeit und überall. Sagt Anne. Sie ist jung und verliebt – in Florian. Der wird zu Hause vom Vater geschlagen, hat Leistungsdruck. Florian will so gern Glücksgefühle erleben, flüchten. In eine heile Welt. Die findet er auch – vermeintlich – im Drogenrausch. Was anfangs mit einem Joint und Gras beginnt, endet mit dem Teufelszeug Crystal Meth tragisch.

Anne und Florian heißen im richtigen Leben Marie Eberhardt und Marcel Irmey. Die beiden Jungschauspieler sind vom Weimarer Kultur-Express. Ein Tournee-Theater, das bundesweit vor allem in Schulen, aber auch an ungewöhnlichen Orten, spielt. Sie führen am Mittwoch ein emotionales, brisantes und aktuelles Theaterstück  in der Wendisch-Deutschen Doppelkirche in Vetschau auf. Im Publikum sitzen rund 120 Acht-, Neunt- und Zehntklässler vom Schulzentrum Dr. Albert Schweitzer.

Der Titel der Inszenierung  ist simpel, aber eindringlich gewählt: „Drogen – von Gras zu Crystal“. Anne und Florian haben Ängste und Sehnsüchte, Zweifel und Hoffnungen. Der Zuschauer begleitet die beiden jungen Menschen auf ihrer Suche nach Freiheit und Identität. Unterhaltsam und lebendig erzählt, zeigen die Schauspieler in aller Härte die verheerenden Folgen des Drogenkonsums, die sie in einem Schuppen durchleben. Gefahren von LSD, Speed, Kokain, Extasy oder Heroin werden ausgesprochen und mit Herzschlägen oder dem Ticken einer Uhr akustisch untermalt.

„Das Thema passt im Grunde zum LER-Unterricht, aber wir betrachten es losgelöst von einem speziellen Fach“, sagt Luisa Becker, Klassenlehrerin einer der neunten Klassen. „Drogensuchtprävention verliert nie an Aktualität. Es ist absolut wichtig, die Jugendlichen aufzuklären“, so die Lehrerin. Sie wird nach der Aufführung – wie ihre Kollegen – von den Schauspielern gebeten, die Kirche zu verlassen. „Wir wollen mit den Schülern über Drogen diskutieren und denken, dass sie etwas offener mit uns reden, wenn keiner der Lehrer anwesend ist“, sagt Marcel Irmey. Argumente für und gegen die Legalisierung von Cannabis kommen anschließend zur Sprache. „Wenn es legal verkauft wird, ist es staatlich geprüft und es gäbe kein Problem mit gestrecktem Zeug“, sagt einer der Schüler. Für eine Legalisierung spräche außerdem der Einsatz in der Medizin und Krebsforschung.

Als Nachteil arbeiten Schauspieler und Schüler heraus, dass mehr Menschen konsumieren würden, wäre der Stoff frei zugänglich. Der Erwerb wäre kostspielig – die Rede ist von 30 Euro pro Gramm in der Apotheke. „Hinzu kommt, wenn eine Droge legalisiert wird, wächst vielleicht der Wunsch, eine weitere, härtere und illegale Droge auszuprobieren“, sagt Marcel Irmey.

Das Stück selbst kam beim Publikum gut an: „Die Schauspieler waren authentisch und absolut fesselnd. Die Spannung während des Stücks war jederzeit greifbar“, sagt eine Schülerin beim Verlassen der Kirche.