ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:48 Uhr

Kein stilles Bahnenziehen mehr bei Nacht
Stundenschwimmen nur noch bei Tag

 Bei gutem Wetter bildeten sich zum Stundenschwimmen kleinere Schlangen, hier im Calauer Erlebnisbad. Der Zustand dürfte sich bei der abgespeckten Form verschärfen. Jede Kommune wird für sich Lösungen finden müssen.
Bei gutem Wetter bildeten sich zum Stundenschwimmen kleinere Schlangen, hier im Calauer Erlebnisbad. Der Zustand dürfte sich bei der abgespeckten Form verschärfen. Jede Kommune wird für sich Lösungen finden müssen. FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern/Calau/Vetschau/Luckau. Kommunen verständigen sich über eine abgespeckte Variante der Breitensportveranstaltung. Von Uwe Hegewald

Im Jahr 2009 veranstaltete die Stadt Calau erstmals ein Stundenschwimmen. Anlass war das 100-jährige Bestehen des Freibades. Luckau und Vetschau reihten sich ein, später folgten Finsterwalde, Großräschen, Forst sowie die Gemeinde Altdöbern.

Nach zehn Jahren kommunalen Kräftemessens präsentiert sich die wohl größte Schwimm-Breitensportveranstaltung im Land Brandenburg nun in abgespeckter Form. „Die neue Wettbewerbszeit für alle Kommunen beträgt zehn Stunden, von 8 bis 18 Uhr“, informiert Werner Suchner, Bürgermeister der Stadt Calau. Geht den Initiatoren etwa die Luft aus?

Suchner nennt den Grund der Neuausrichtung: Sowohl die Vorbereitung als auch die Durchführung des Spektakels seien nur durch den hohen Aufwand des hauptamtlichen Personals (Schwimmbadangestellte) möglich gewesen sowie vieler ehrenamtlicher Helfer (Ausleuchter, Zähler, Koordinatoren und so weiter). „Insbesondere bei schlechtem Wetter waren die Nachtstunden von wenigen Schwimmern gekennzeichnet. Das Personal musste dennoch vor Ort sein“, so das Stadtoberhaupt.

„Im letzten Jahr haben mit Forst und Großräschen zwei Kommunen kurzfristig die Teilnahme abgesagt, weil sie die personelle Absicherung der Veranstaltung im eigenen Bad nicht gewährleisten konnten“, erinnert Werner Suchner. Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann folgt den Ausführungen seines Amtskollegen: „Eine Neuausrichtung war abzusehen. Das haben die Erfahrungen aus den zurückliegenden Jahren angekündigt“, sagt er. „Es ist nicht hilfreich, nachts vor leeren Schwimmbecken zu stehen und den Wettbewerb dadurch in Zweifel zu ziehen.“ Das Luckauer Freibad sei dafür bekannt, dass nachts und bei ungemütlicher Witterung ein kalter Wind über die Fläche weht.

Peter Winzer, Bürgermeister der Gemeinde Altdöbern, kann dem neuen Format positive wie auch negative Aspekte abgewinnen. „Dass der Wettbewerb bereits um 18 Uhr endet, finde ich gut. Zum Verkünden des Endstandes und der internen Preisverleihungen, weit nach 20 Uhr, waren nur noch wenige Leute im Freibad“, räumt er ein.

Was der Altdöberner bedauert, ist das komplette Wegfallen der nächtlichen Wettbewerbsstunden. „In der Nacht konnten wir fast immer alle Bahnen voll besetzten, was uns besonders stark gemacht hat. In einigen Jahren wurden wir von den großen Favoriten erst zur Mittagsstunde eingeholt“, begründet er.

Einen verbalen Seitenhieb will sich Peter Winzer nicht verkneifen: „Dass Altdöbern als kleine Gemeinde immer um Podiumsplätze mitgeschwommen ist, liegt wohl auch daran, dass unser Freibad über einen Förderverein betrieben wird.“ Gegenüber Hauptamtlichen investierten die Vereinsmitglieder in seinen Augen „mehr Ehrgeiz und Hingabe“. Bengt Kanzler räumt ein: „Da Altdöbern in bewundernswerter Weise immer gut dabei war – auch nachts – verwundert das dortige Bedauern nicht.“

Der Vetschauer Bürgermeister erinnert daran, dass auch ein Pausieren des Stundenschwimmens im Gespräch gewesen sei. Die Spreewaldstadt habe an einer jährlichen Durchführung festgehalten, notfalls mit abgeänderten Bedingungen. „So wurde schließlich der Vorschlag gemacht, zumindest in diesem Jahr auf das Nachtschwimmen zu verzichten. Diese Entscheidung halten wir für vertretbar“, betont er – auch wenn bei hochsommerlichen Temperaturen am Tage mit erhöhtem Andrang zu rechnen sei. Wartezeiten würden nicht immer zu vermeiden sein. Es werde jedoch darauf hingewirkt, dass möglichst alle zeitnah ins Becken können.

Wie Werner Suchner hebt auch Bengt Kanzler den Breitensport-Charakter hervor. „Mit potenziellen Langzeitschwimmern wird zu reden sein. Deren Zeitfenster dürfte kleiner werden“, prognostiziert er. Stattfinden wird das Stundenschwimmen am Samstag, 6. Juli.