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| 18:09 Uhr

Ausstieg aus der Braunkohleveredelung
Der Vetschauer Wünsche-Katalog

Auf dem Standort des ehemaligen Kraftwerkes Vetschau hat der Strukturwandel längst begonnen. Heute stellt Porcelaingres dort Fliesen her.
Auf dem Standort des ehemaligen Kraftwerkes Vetschau hat der Strukturwandel längst begonnen. Heute stellt Porcelaingres dort Fliesen her. FOTO: Neumann
Vetschau. Bürgermeister fordert einiges von Akteuren aus Industrie und Gewerbe, Bildung und Kultur. Von Rüdiger Hofmann

Auch die Stadt Vetschau will kräftig mitmischen, wenn es um den Strukturwandel aufgrund des Ausstiegs aus der Braunkohleverstromung in der Lausitz geht. Das Thema hat Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) zum Anlass genommen und dazu im jüngsten Wirtschaftsausschuss referiert. „Nicht absehbar ist, dass der Kohleausstieg zeitlich fixiert werden soll, ohne eine zuverlässige und ausreichende Alternative zu haben“, so Kanzler. Während der „emotionalen und kaum sachlichen Debatte“ sei „unklar, wie der Strukturwandel vorangetrieben und vollendet werden soll“.

Kanzler bietet Lösungsvorschläge an. Er nennt zielführende Gespräche mit Schlüsselakteuren wie dem Infrastrukturministerium, dem Lausitzbeauftragten des Ministerpräsidenten, der Lausitzrunde sowie der Wirtschaftsregion Lausitz.

Zentraler aber sind seine Forderungen an die Infrastruktur: „Wir wollen einen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke von Lübbenau nach Cottbus.“ Gefordert werden auch eine Umgehungsstraße von Vetschau/Suschow nach Burg sowie die „Ertüchtigung der L 54 durch Vetschau (Wilhelm-Pieck-Straße) als Interimslösung“. Gewollt seien außerdem ein einfacher gestalteter Erwerb von Landesimmobilien für die Eigenentwicklung (Schützenhaus, alter Bullenstall in Stradow) und die Zusage von Geldern für die Nachnutzung ehemaliger Infrastrukturen, wie beispielsweise Bahnhöfen. „Wir plädieren auch für die Schaffung von Fahrradwegen entlang der Landesstraßen“, sagt Kanzler.

Auch Forderungen an Wirtschaft und Gewerbe wurden laut: „Die Ansiedlung von Forschungsinstituten sowie größeren Bundes- oder Landesbehörden als Anker und Motor für die weitere Entwicklung.“ Hinzu kommen die geplante Übernahme ehemaliger Industriegebiete der Leag zur Selbstvermarktung, die Straffung von Genehmigungsverfahren sowie der 100-prozentige Breitbandausbau in der Fläche.

Bei Kultur und Bildung fordert der Vetschauer Bürgermeister die „Stärkung von Schulen, Kitas und Sportstätten und die Unterstützung für Freibäder“. „Hinsichtlich der Slawenburg ist eine Übernahme der Bildungsverantwortung durch das Land Brandenburg denkbar.“

Im Bereich Tourismus ist es laut der Vetschauer Stadtspitze notwendig, „weitere Gelder für die Nachnutzung der Seenlandschaft bereitzustellen“. Auch das von den Städten Vetschau, Calau, Luckau und Lübbenau ins Leben gerufene Regionale Entwicklungskonzept (REK) soll umgesetzt werden. „Inhaltlich stellen wir das im nächsten Tourismusausschuss genauer vor.“

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass einige Punkte laut Martin Minde (sachkundiger Einwohner) nicht weit genug gehen. „Zentrale Berufsschulen wären sinnvoll“, so Minde. „Wir müssten uns auch einfach mal etwas trauen.“ Gunther Schmidt (CDU) hält dagegen, dass es nichts bringe, irgendwelche Begriffe in die Waagschale zu werfen. „Wir brauchen hier nicht über bundespolitische Themen reden, sondern sollten uns auf das konzentrieren, was wir hier vor Ort können.“ Stefan Schön (Bündnis 90/Die Grünen) weist darauf hin, dass „wir uns mental schon heute darauf einstellen müssen, dass es mit der Kohle bald vorbei sein wird.“ Ulrich Lagemann (WGO) plädiert dafür, zwingend noch den Bahnhaltepunkt des RE 2 in Raddusch mit in den Forderungskatalog aufzunehmen.