ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:08 Uhr

Vetschauer Anwohner fassungslos
Streit um Kulturhaus-Baufeld

Diese Planung sorgt unter den Augen von Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler (r.) für Empörung bei den Anwohnern Anneliese Siemon und Herbert Wünsche. Sollte die Gebäudeecke des neuen Rossmann-Marktes (rote Markierung) so umgesetzt werden, käme kein Anwohner mit Pkw mehr an sein Grundstück.
Diese Planung sorgt unter den Augen von Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler (r.) für Empörung bei den Anwohnern Anneliese Siemon und Herbert Wünsche. Sollte die Gebäudeecke des neuen Rossmann-Marktes (rote Markierung) so umgesetzt werden, käme kein Anwohner mit Pkw mehr an sein Grundstück. FOTO: Rüdiger Hofmann
Vetschau. Bauherr und Baufirma schneiden Zufahrt für Vetschauer Anwohner und Rettungswege ab. Von Rüdiger Hofmann

Und plötzlich ist die Straße weg. Anneliese Siemon traut ihren Augen nicht: „Durch Baumaßnahmen auf dem ehemaligen Vetschauer Kulturhausplatz sind vergangenen Freitag Rettungsweg und Zufahrt zu meinen Pensionsparkflächen abgeschnitten worden“, sagt die Anwohnerin der Bahnhofstraße, die dort seit 20 Jahren ihre Pension „Antik“ betreibt. Aus der asphaltierten Straße ist binnen weniger Stunden eine Schotterpiste geworden. Ohne die Bewohner vorab zu informieren, sei die bauausführende Firma – Schneider & Neuß GbR aus Großkoschen – zur Tat geschritten.

Dort soll nun ein Entwässerungsgraben für eine Regenwasserleitung – eine Rigole – entstehen. Auffallend sind auch die roten Markierungen, die die künftige Gebäudeecke des neuen Handelsstandortes mit Rewe und Rossmann andeuten. „Wenn das alles so kommt, wie geplant, kann hier kein Fahrzeug, kein Lieferant und keine Feuerwehr mehr zu unseren Grundstücken fahren“, so Siemon. Und das, obwohl in einer Vereinbarung zwischen dem Bauherrn und den Anwohnern der Erhalt der vorhandenen Flucht- und Rettungswege inklusive einer Feuerwehrzufahrt von mindestens vier Metern Breite festgelegt wurden. Von der roten Markierung zum Grundstück sind es allerdings keine zwei Meter mehr.

Bereits vor etwa einem halben Jahr wurde ein Bauzaun um das geplante Areal gezogen. Seitdem gibt es Schwierigkeiten für Anwohner, Pensionsgäste und Lieferanten, an die Häuser und Grundstücke zu gelangen. „Ich habe inzwischen finanzielle Einbußen in vierstelliger Höhe“, so Siemon. „Das spricht sich herum. So eine Baustelle vor der Tür und keine geregelte Zufahrt, da bleiben die Kunden aus“, sagt Siemon.

Auch Herbert Wünsche, Betreiber eines Fotoateliers und Nachbar von Anneliese Siemon, kann inzwischen ein Lied davon singen. „Ich muss bald meine Flüssiggasvorräte auffrischen lassen, doch die Lkw, die mir das anliefern, kommen nicht mehr an mein Grundstück heran“, sagt er.

Über den aktuellen Zustand hat sich Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) am Montagvormittag vor Ort informiert. „Wir werden nun das Gespräch mit dem Planer und dem Eigentümer suchen, um eine Interimslösung während der Bauphase zu finden“, sagt das Stadtoberhaupt. Denkbar sei eine befestigte Behelfszufahrt durch das aktuelle Baufeld oder das Abstellen der Fahrzeuge von den Grundstücken der Anwohner auf umliegende Stellflächen. Ginge es nach Anneliese Siemon, müsste die gesamte Planung neu erarbeitet werden. „Wenn der Gebäudekomplex einen Meter in die andere Richtung gebaut würde, würde das die Situation entkrampfen.“

Bauherr für das Vorhaben ist der Quickborner Helmut Schmid, der rund fünf Millionen Euro in den Standort investiert. Eröffnet wird der Gebäudekomplex voraussichtlich im Frühjahr des kommenden Jahres.

Hinzu kommt der Schilderwirrwarr vor dem Baufeld zum neuen Rossmann. Weder Fußgänger noch Radfahrer dürfen dort entlang. Für Anneliese Siemon und Herbert Wünsche eine weitere Einschränkung.
Hinzu kommt der Schilderwirrwarr vor dem Baufeld zum neuen Rossmann. Weder Fußgänger noch Radfahrer dürfen dort entlang. Für Anneliese Siemon und Herbert Wünsche eine weitere Einschränkung. FOTO: Rüdiger Hofmann