Auf der Tagesordnung der morgigen Stadtverordnetenversammlung steht das Wohn- und Geschäftshaus nicht, doch Joseph Heitmann ist zuversichtlich, dass sich die Abgeordneten für sein Anliegen Zeit nehmen. „Eine 100-seitige Dokumentation zur Gestaltungssatzung von Lübbenau haben meine Söhne erarbeitet, die überreicht werden soll“ , erklärt der Investor gegenüber der RUNDSCHAU. Anlass für diese umfangreiche Arbeit der beiden Architekturstudenten Frank und Jan Heitmann ist der Baustopp, der von der unteren Bauaufsicht des Landkreises für den fast fertigen Bau ausgesprochen worden ist.
„Der Baustopp ist ausgesprochen worden, weil im Nachtrag zum Bauantrag Teile der Gestaltungssatzung nicht eingehalten worden sind“ , erklärt Wolfgang Kamenka von der unteren Bauaufsicht mit Sitz in Calau. Betroffen seien das erste Ober- und das Dachgeschoss, beispielsweise die Dachgauben. Wäre so gebaut worden wie im genehmigten Bauantrag, würde es keine Probleme geben, sagt er. Im Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung Lübbenau habe der Antrag auf Abweichung von der Gestaltungssatzung mit drei Ja- und drei Nein-Stimmen keine Mehrheit bekommen, so Kamenka. Die Gestaltungssatzung sei Gesetz.
Dass dieses Gesetz „teilweise unsinnige Anforderungen“ erhebe, die nicht umzusetzen seien, stellen die Heitmanns in den Raum. Als Beispiel führen sie an: „Automaten sind im Verlauf der Ehm-Welk-Straße (Hauptstraße) und der Dammstraße nicht zulässig.“ Streng genommen wären also nicht einmal Parkscheinautomaten der Stadt Lübbenau zulässig, so Frank Heitmann. Sein Bruder Jan und er haben in ihrer Dokumentation festgehalten, dass Typologien entwickelt worden seien, „die nicht einmal die historische Bebauung hergibt - zum Beispiel Sockelhöhen, Dachgauben, Balkone“ . Auch die Größe des Sanierungsgebiets sei fragwürdig. Offensichtlich werde die Kontrolle der Einhaltung nur in den Hauptstraßen ausgeübt. Die beiden Studenten haben sich die Mühe gemacht und sind durch die Altstadt gegangen, um aufzulisten, wo ihrer Meinung nach gegen die Gestaltungssatzung verstoßen worden ist. Dem hält Wolfgang Kamenka entgegen, dass es sich um Gebäude handele, die vor Inkrafttreten der Satzung errichtet worden seien.
„In Gesprächen mit Bürgern der Stadt kommt einem oft zu Ohr, dass die rigorose Umsetzung der Gestaltungssatzung, obwohl Fördergelder in Einzelfällen gewährt werden, eher ein Investitionshemmnis darstellt“ , sagt Joseph Heitmann. Er betont, dass er die bisherigen Bauaufträge zum überwiegenden Teil an Firmen aus der Region vergeben habe. Auch mit der Stadtverwaltung habe es bisher eine gute Zusammenarbeit gegeben.
„Die Stadt begrüßt Investitionen in der heutigen Zeit. Die eingereichten Unterlagen waren ja genehmigungsfähig, doch Herr Heitmann hat sich nicht daran gehalten“ , sagt Bürgermeister Helmut Wenzel. Wenn eine Fraktion den Antrag stelle, könne morgen in der Stadtverordnetenversammlung zum Antrag von Joseph Heitmann beraten werden - im nichtöffentlichen Teil.