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| 19:44 Uhr

Trendsport-Diskussion
Streit im Spreewald: Ist Stand Up Paddling gefährlich?

 Rundschau-Reporterin Anja Hummel im Balance-Test. Ihr Fazit: „Wer konzentriert bei der Sache ist, ist auf der sicheren Seite.“
Rundschau-Reporterin Anja Hummel im Balance-Test. Ihr Fazit: „Wer konzentriert bei der Sache ist, ist auf der sicheren Seite.“ FOTO: Martin Fix
Burg. Wer auf dem Spreewälder Fließ unterwegs ist, sieht immer öfter Stand Up Paddler. Der Trendsport auf dem Brett sorgt für Streit um die Sicherheit. Es gibt nur eine Sache, in der sich Polizei, Sportler und Kahnfährleute einig sind. Von Anja Hummel

„Wer hier ertrinkt, der ist zu faul zum Aufstehen“, sagt Martin Fix mit einem zwei Meter langen Paddel in der rechten Hand. Er lacht, lehnt das Paddel an seine Schulter und holt eine traditionelle Papierlandkarte aus seiner Hosentasche. Vor ihm stehen vier Cottbuser, die in den nächsten Minuten auf dem Stand Up Paddel das Spreewälder Fließ erobern möchten. Martin Fix verleiht die Bretter in Burg. „Ich geb’ Euch jetzt gleich ein paar Tipps, wie man sich im Spreewald verhalten sollte, damit man hier wieder trocken ankommt.“ Er zeigt ihnen die Zwei-Stunden-Route, demonstriert die Sicherheitsregeln, schiebt immer wieder einen Witz dazwischen. „Am wichtigsten ist: immer schön lächeln. Die Anderen sollen nicht denken, dass es anstrengend ist“, sagt er.

Doch nicht jedem im Spreewald huscht ein Lächeln über die Lippen, wenn Stehpaddler in Sichtweite sind. Da können die Sportler noch so sympathisch grinsen. Martin Fix hat schon die wildesten Geschichten von pöbelnden Kahnfährleuten gehört. In Burg gehe es im Vergleich zu Touristenhochburgen wie Lehde noch entspannt zu. „Manche drohen den Paddlern, sie umzuschubsen. Sie provozieren einfach nur Stress“, sagt der Verleiher. Klar könne man es nicht allen recht machen. Aber der Anteil der Stand Up Paddler sei überschaubar. Generell verstehe er die heiße Diskussion um die Sicherheit der Sportart nicht.

Polizei warnt vor Gefahrenpotenzial

Erst auf der jüngsten Spreewaldkonferenz Anfang Juni in Lübbenau warnte die Wasserschutzpolizei vor den Gefahren auf dem Brett. Schmale Fließe, vorbeifahrende Kähne und Paddelboote und andere Hindernisse würden für den ungeschützten Stehpaddler eine große Verletzungsgefahr bergen. Über verletzte Kundschaft kann Martin Fix allerdings keine Bücher schreiben: „Einmal hat sich eine Dame den Arm aufgeschrammt, ein anderes Mal hat sich ein Mann den Fuß eingehauen.“ An Spitzentagen begrüßt er bis zu 50 Kunden am Fließ. Er hatte schon Kundschaft aus Kolumbien, Israel und den Staaten.

Auch heute darf er wieder ganz besondere Gäste begrüßen: Die Wasserschutzpolizei höchstpersönlich hat einen Schnupperkurs gebucht. Mit dabei: Polizeihauptkommissar Heiko Juschkat, der noch in der Spreewaldkonferenz von einem generellen Verbot des Sports im Spreewald nicht abgeneigt schien. „Es ist ein durchaus interessanter Sport“, sagt Juschkat nach seinem einstündigen Ausflug. Von einer Gefahrensituation kann er nicht berichten. „Nur der Aufstieg war sehr wackelig, das gibt sich aber mit der Zeit.“ Er lobt die vorbildliche Einweisung von Verleiher Martin Fix. Und dennoch. „Die grundsätzliche Einschätzung hat sich nicht geändert. Das Gefahrenpotenzial sehen wir nach wie vor“, sagt der Polizeihauptkommissar. Es bleibe ein Balance-Fahrzeug, das den Fahrer nicht vor Stürzen schützt. In touristischen Spreewälder Hochburgen ist die Gefahr, mit Booten zusammenzustoßen, recht hoch. Allerdings differenziert Juschkat: „Es ist einfach abhängig von dem, der auf dem Brett steht.“ Eine ordentliche Einweisung ist das A und O.

 In Burg hält sich der Boot- und Kahnverkehr noch in Grenzen. Das Gefahrenpotenzial, mit anderen zusammenzustoßen und zu stürzen ist wesentlich geringer als in Touristenhochburgen wie Lehde.
In Burg hält sich der Boot- und Kahnverkehr noch in Grenzen. Das Gefahrenpotenzial, mit anderen zusammenzustoßen und zu stürzen ist wesentlich geringer als in Touristenhochburgen wie Lehde. FOTO: Martin Fix

Der Unmut der Kahnfährleute

Die „Einfach-drauf-los-Paddler“ sind auch aus Sicht von Thomas Petsching das Problem. „Wie auf der Straße gibt es auch Regeln auf dem Wasser. Wenn sich jeder daran hält, kann nichts passieren“, sagt der stellvertretende Burger Hafenmeister. Er ist nicht nur Kahnfährmann, sondern erkundet den Spreewald seit vier Jahren auch selbst auf dem Stand Up Paddle. Die Stimmung unter den Kahnfährleuten? „Die ist gut. Aber es gibt schon kritische Situationen.“ Petsching erklärt es aus Sicht eines Kahnfährmannes: „Wenn in einer Kurve plötzlich ein Board ankommt und man vier Tonnen mit voller Körperkraft umlenken muss, dann ärgert man sich als Fährmann natürlich darüber.“ Schließlich überhole man ja auch mit dem Auto nicht in einer Kurve. Registrierte Stehpaddel-Unfälle aber kann die Wasserschutzpolizei bisher nicht vermelden.

 Martin Fix erklärt seinen Gästen die Route. „Bei uns wird jeder ausführlich eingewiesen. Die Leute wissen, wie sie sich benehmen müssen“, sagt der Spreewalder.
Martin Fix erklärt seinen Gästen die Route. „Bei uns wird jeder ausführlich eingewiesen. Die Leute wissen, wie sie sich benehmen müssen“, sagt der Spreewalder. FOTO: LR / Anja Hummel

Das sagen die Stehpaddler

Martin Fix begrüßt an seiner Verleihstation indes begeisterte „Rückkehrer“. Eine Truppe munterer Senioren hat eine zweistündige Tour hinter sich. Alle sind trocken geblieben. „Am Anfang waren wir etwas unsicher auf den Beinen, aber von einer Gefahr kann man nicht sprechen“, sagt Kristin Beer aus Dresden. „Die größte Gefahr ist es, bei der hervorragenden Einweisung nicht zuzuhören“, ruft die Leipzigerin Maria Wünsch gut gelaunt dazwischen. „Das schmale Fließ ist bei Gegenverkehr schon eine Herausforderung. Aber das ist okay, sonst wäre es ja langweilig“, wirft Birgit Faber ein. „Die Gefahr ist wie überall. Auf der Straße kann man schließlich auch über einen Stein stolpern“, findet die Erzgebirglerin. Auch von der 15-jährigen Tami Hägler gibt es keinen Grund zur Stehpaddel-Panik: „Man muss schon ganz schön viele Faxen auf dem Brett machen, um ins Wasser zu fallen.“ Auf die „vielen Faxen“ hat die Cottbuserin verzichtet – auch sie ist trocken geblieben. Und unverletzt – wie alle anderen auch.

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