Von Katrin Kunipatz

Der Kalkwitzer Dieter Radke ist sauer. Die Stadt Calau versuche, den Ort und das Dorfleben in die Knie zu zwingen, sagt er und belegt dies mit mehreren Beispielen.

So ist Ende Dezember der Strom für den Dorfplatz abgeschaltet worden. Seitdem ist es dort stockdunkel, bestätigt Rolf Homeyer, Vorsitzender des Kulturvereins Kalkwitz. Der ehemalige Druschplatz ist seit Jahren ein wichtiger Treffpunkt.

Der Verein pflegt im Auftrag der Stadt die Fläche und erhält dafür 250 Euro. Weihnachtsbaumverbrennen, Osterfeuer, Maibaumstellen, ein Kinderfest und ein Sommerfest richtet der Kulturverein hier aus.

Calau schaltet Strom für Kalkwitzer Dorfplatz ab

Im vergangenen Jahr hat der Verein drei Container als Unterstellmöglichkeit und für kleine Treffen hergerichtet, weil der bisher dafür genutzte Bauwagen fast auseinanderfällt. In diesem Jahr gab es nun erstmals keinen Maibaum und kein Fest. Ohne Strom sei es nicht möglich, so Homeyer.

Calaus Bürgermeister Werner Suchner (parteilos) erklärt: „Der Anschluss wurde nicht vertragskonform genutzt und wurde deshalb vorerst abgeschaltet.“ Für den Vereinsvorsitzenden sei es unverständlich, warum die bisherige Lösung nicht mehr funktioniert. Außerdem sei der Kulturverein nicht in der Lage, einen separaten Stromanschluss zu bezahlen.

Der Bürgermeister beteuert, dass nach einer Ersatzlösung gesucht werde. In anderen Orten erfolgt die Stromversorgung über Feuerwehrgerätehäuser oder Dorfgemeinschaftshäuser. Beides gibt es in dem 90-Seelen-Dorf Kalkwitz nicht.

Kein Wahllokal in Kalkwitz - Bewohner müssen nach Saßleben

Nicht einmal das Wahllokal sei Kalkwitz geblieben, moniert Dieter Radke. Erstmals gab es zu den Landratswahlen im vergangenen Jahr im Ort kein Wahllokal mehr. Es befand sich immer im Pfarrhaus. Doch nachdem die Kirche das Gebäude verkaufte, lässt der neue private Eigentümer verständlicherweise niemanden am Wahlsonntag in seine Räumlichkeiten.

Wie der Calauer Bürgermeister Werner Suchner auf RUNDSCHAU-Nachfrage erläuterte, ist aber eher eine Entscheidung der Stadtverordneten die Grundlage. Neben Kalkwitz wurden auch die Wahllokale in zwei anderen Ortsteilen geschlossen.

„Grundlage dafür sind die geringen Einwohnerzahlen und die Verpflichtung zur Wahrung des Wahlgeheimnisses“, so Suchner. In Kalkwitz wohnen 66 Wahlberechtigte über 18 Jahre. Zählt man die über 16-Jährigen dazu sind es 69.

Deshalb sollen die Kalkwitzer jetzt in Saßleben wählen gehen. Der Ort ist 1,5 Kilometer entfernt. Seit Januar gibt es dort ein nagelneues Feuerwehrgerätehaus mit einem zusätzlichen Gemeinderaum. Von Anfang an sollten dort die Freiwillige Feuerwehr und der Gemeindeteil Kalkwitz untergebracht werden, so Bürgermeister Suchner. In die Planung sei auch der Ortsbeirat, in dem auch eine Vertreterin aus Kalkwitz sitzt, einbezogen worden.

„Kalkwitz und Saßleben harmonieren einfach nicht“

Dieter Radke fühlte sich trotzdem vor vollendete Tatsachen gestellt. „Kalkwitz und Saßleben harmonieren einfach nicht“, sagt er. Diese Feindschaft bestehe schon immer. Die letzte Demütigung habe es 2018 gegeben, als die abgesägte Kalkwitzer Maibaumkrone in Saßleben als Trophäe ausgestellt war.

Der Vereinsvorsitzende Rolf Homeyer sieht noch ein anderes Problem. Er wünscht sich für die Sicherheit der Kalkwitzer, die den Raum in Saßleben nutzen wollen, eine Beleuchtung oder einen Fußweg entlang der Straße zwischen Kalkwitz und Saßleben.

„Der Bau eines Fußweges ist nicht geplant und wirtschaftlich auch nicht darstellbar“, sagt Bürgermeister Suchner. Er geht davon aus, dass die Kalkwitzer mit dem Rad oder Auto die Strecke zurücklegen werden.

Feindschaft zwischen Kalkwitzern und Saßlebenern

Egal was kommt, Dietmar Radke hat seine Entscheidung getroffen, er werde nicht nach Saßleben gehen. Woher die Feindschaft zwischen den beiden Orten herrührt, weiß er nicht, nur dass sie besteht. Auch seine Bemühungen vor 20 Jahren eine gemeinsame Jugendfeuerwehr zu etablieren, seien ohne Erfolg geblieben.

Bürgermeister Werner Suchner kennt die tatsächliche Ursache für die Antipathie zwischen den Dörfern auch nicht. Er vermutet, dass es sich um Differenzen zwischen einigen Kalkwitzern und einigen Saßlebenern handelt.

„Ich denke, es ist an der Zeit, dass sich diese Menschen auf einen kurzen Weg machen, Dinge der Vergangenheit aus der Welt schaffen, miteinander und nicht übereinander reden“, sagt Suchner. Er bietet an, dass Calau sich einer Meditation nicht verschließen werde.