| 02:46 Uhr

Streik in Kitas und Wohnstätten

Die AWO-Kita "Wichtel" in Lübbenau wurde gestern bestreikt und bleibt auch heute laut Jahresplanung geschlossen.
Die AWO-Kita "Wichtel" in Lübbenau wurde gestern bestreikt und bleibt auch heute laut Jahresplanung geschlossen. FOTO: H. Kuschy
Lübbenau/Altdöbern. Die Erzieherinnen der drei Kindertagesstätten "Diesterweg" und "Wichtel", die Beschäftigten der Wohnstätte für Menschen mit Behinderung und des Landhauses Kittlitz sowie die Erzieherinnen der AWO-Kita in Altdöbern haben gestern gestreikt. "Die Gewerkschaft fordert für alle Beschäftigten die schrittweise Übernahme der aktuellen Tarifregelungen des Vertrages für den öffentlichen Dienst", erklärt Gewerkschaftssekretär Ralf Franke. Uwe Hegewald und Hannelore Kuschy

Zwei Tage zuvor sind die Eltern über den bevorstehenden Streik informiert worden. Wie in Lübbenau hatten auch Altdöberner Eltern einige Sorge, ihre Kinder unterzubringen. Die Lübbenauer Kita "Wichtel" bleibt auch heute "laut Jahresplanung" geschlossen.

"Grundsätzlich haben wir Verständnis dafür, dass die Mitarbeiter der AWO für faire Löhne in den Streik ziehen. Sie machen einen ebenso vorbildlichen wie fürsorglichen Job wie Mitarbeiter in kommunalen Einrichtungen", betont Maria Beck. Als "etwas unglücklich" stuft die Altdöbernerin das Wann und Wie der Information über die ersatzlose Schließung der Kindertagesstätte in Altdöbern ein. Den Kindern sei ein Zettel in ihre Rucksäcke oder Verpflegungsdosen gelegt worden. Damit sei die Einrichtung von ihrer sonst souveränen Informationspolitik abgewichen. "Wenn etwa ansteckende Erkrankungen kursieren, werden Eltern durch unübersehbare Zettel an der Infotafel informiert. Zum Glück hatte meine Mutter Urlaub, bei der ich meinen Sohn am Streiktag spontan unterbringen konnte", so Maria Beck.

"Das war schon eine logistische Meisterlösung", beschreibt Sabrina Janke das Suchen und Finden einer Lösung. "Als Selbstständige kann ich doch nicht von heute auf morgen meinen Salon schließen", führt sie an. Zum Glück habe sich eine Mutti, die gerade ihre Elternzeit in Anspruch nimmt, bereit erklärt, weitere Kinder zu sich zu nehmen. "Die Kinder sind untereinander befreundet, was deren Aufnahme in einen privaten Haushalt erleichtert", erzählt sie und appelliert: "Arbeitskampf ja, aber nicht wieder so kurzfristig und auf dem Rücken der Familien." Groll gegen die Erzieherinnen der Einrichtung hege sie nicht. Eine Person die namentlich nicht genannt werden möchte, sieht das so: "Die Gewerkschaft will und kann nicht anders. Arbeitskampf muss wehtun, sonst wird er nicht in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Je größer die Betroffenheit in der Bevölkerung, desto höher die Chancen zur Umsetzung ihrer Forderungen."

Die Arbeiterwohlfahrt selbst regiert mit Unverständnis: "Verdi hat zu diesen Warnstreiks aufgerufen, obwohl der AWO Regionalverband Brandenburg Süd in der Tarifverhandlung am 10. Februar für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des gesamten Bereiches Kinder- und Jugendhilfe Lohnsteigerungen in Höhe von durchschnittlich 15 Prozent (mit einem Zeitfenster von 26 Monaten) angeboten hat. Die Gehälter sollen in den Kitas in mehreren Schritten, beginnend mit dem 1. Januar 2017, auf ein Tarifvertragsniveau des öffentlichen Dienstes zwischen 87 und 100 Prozent gesteigert werden." Der Träger hoffe auf konstruktive Gespräche bei den Tarifverhandlungen am 3. März.