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| 20:00 Uhr

Wie geht es weiter an der Calauer Grund- und Oberschule?
Strafanzeigen nach T-Shirt-Streit

Die Calauer Grund- und Oberschule war in den vergangenen Tagen deutschlandweit Gesprächsthema - wegen der Neiddebatte um ein Marken-T-Shirt.
Die Calauer Grund- und Oberschule war in den vergangenen Tagen deutschlandweit Gesprächsthema - wegen der Neiddebatte um ein Marken-T-Shirt. FOTO: Jan Augustin
Calau. Polizei ermittelt nach Vorfall an Calauer Schule wegen Bedrohung und Körperverletzung. Von Rüdiger Hofmann

Im Fall des T-Shirt-Streits an der Grund- und Oberschule in Calau ist Strafanzeige bei der Polizei erstattet worden. „Wir wurden darüber in Kenntnis gesetzt, dass es zwei Strafanzeigen gibt gegen Verwandte des Mädchens, das das entsprechende T-Shirt getragen hat“, bestätigt der Sprecher der Cottbuser Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum, auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Die Anzeigen lauten auf „Bedrohung und Körperverletzung“, so Nothbaum. Nähere Details können gegenwärtig noch nicht bekanntgegeben werden.

Die Polizei führt die kriminaltechnischen Ermittlungen in diesem Fall, bei dem es vor rund zwei Wochen kurz vor den Herbstferien in der Calauer Schule nach einer Neiddebatte wegen des Tragens eines Marken-T-Shirts zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen deutschen und asylsuchenden Schülerinnen gekommen war. Nachdem die zwei Schülerinnen der achten Klasse vom Unterricht beurlaubt wurden, solidarisierten sich Angehörige und Bekannte mit ihnen. Es kam zu weiteren Streitigkeiten – vor allem aber zu unübersichtlichen Gerüchten in den sozialen Netzwerken. Auch von Morddrohungen soll die Rede gewesen sein. Die Schule schaltete daraufhin die Polizei ein. Beamte tauchten mehrfach bei der Schule auf, „um das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken und Ängste zu nehmen“, so Polizeisprecher Torsten Wendt. Eltern konnten ihre Kinder am vorletzten Schultag vor den Ferien von der Schule abholen.

Inzwischen sind die Herbstferien fast zu Ende. „Der Schulbetrieb wird am Montag wie gewohnt aufgenommen“, sagt Bürgermeister Werner Suchner (parteilos). Er hatte sich am Donnerstag mit der Schulleitung, dem staatlichen Schulamt und Sozialarbeitern darüber verständigt, wie man in dem Fall nun weiter vorgeht. „Die ersten beiden Stunden sollen von den jeweiligen Klassenleitern genutzt werden, um mit ihren Schülern über Konfliktbewältigung zu sprechen“, sagt Suchner. Schulleiterin Christiane Zeiger habe zu dem Thema für jede Klasse ein gesamtheitliches Konzept erarbeitet, an dem sich ab Montag Lehrer und Schüler orientieren werden. „Eine Polizeipräsenz an der Schule ist nicht notwendig, es gibt keine Gefahr für Kinder und Lehrer“, so der Bürgermeister. Montagnachmittag soll es dann ein weiteres Gespräch zwischen Stadt, Schule, Schulamt, Sozialarbeitern und der betroffenen Familie geben. Sie ist aktuell in Calau wohnhaft. Gerüchte kursierten, die Familie sei verzogen.

Thematisiert wurde der T-Shirt-Streit auch in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung in der vergangenen Woche. Bürgermeister Suchner äußerte sich auf Nachfrage zur Chronologie der Ereignisse und bisher eingeleiteten Maßnahmen. „Bereits am Tag des Vorfalls (18. Oktober) gab es am Abend mit rund 50 Eltern eine Elternversammlung, bei der auch die Polizei anwesend war und die Ereignisse sachlich darstellte“, so Suchner. Er selbst habe dann einen Tag später alle Fraktionsvorsitzenden über die Vorfälle informiert.

Kritik wurde dennoch laut an der Informations- und Kommunikationspolitik der Stadt. „Wir erwarten, dass die Verwaltung bei solchen emotionalen und wichtigen Themen schneller und aktiver an die Öffentlichkeit geht“, sagte René Riewa im Namen der CDU-Fraktion. Man müsse mit ruhiger Hand operieren und Gerüchten entgegentreten.

„Wir schlagen vor, dass die Verwaltung künftig den Umgang mit solchen Vorfällen auch in den sozialen Netzwerken publiziert“, so Riewa. Bürgermeister Suchner verweist auf die Internetseite der Stadt. „Die reicht aus, um über Fälle wie diese zu informieren.“ Eine enge Abstimmung mit der Pressestelle sei laut Stadtoberhaupt jederzeit gegeben, „um alles in einer Hand zu bündeln.“