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| 18:06 Uhr

Bilanz einer Saison
Storchen-Dramen in Raddusch und Lübbenau

 Zwei Jungstörche blicken vom Horst in der Lübbenauer Gartensparte „Jugend“ in der Kraftwerkstraße.
Zwei Jungstörche blicken vom Horst in der Lübbenauer Gartensparte „Jugend“ in der Kraftwerkstraße. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. 2019 ist kein gutes Jahr für Störche im Norden des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Zu wenige Storchenkinder werden flügge. In Raddusch und Lübbenau haben sich regelrechte Tragödien abgespielt. Von red/rdh

Das Jahr 2019 war für Weißstörche ein sogenanntes „Störungsjahr“. Jeder dritte Standort war erst mit Beginn der 3. Aprildekade (langjähriges Mittel: 1. Apridekade), mit einem Storchenpaar besetzt. Gründe dafür sind neben der intensiven Landwirtschaft die schlechten Wetterbedingungen: Der April war zu trocken, der Mai zu kalt, der Juni zu heiß. Das hat die Nahrungssituation und damit die Anzahl der Storchenjungen signifikant beeinflusst – nur 44 Jungen wurden groß. Darüber informiert Wolfgang Köhler, Weißstorchbeauftragter Südbrandenburg.

Der Bestand der Störche ist gefährdet

Im Einzelnen wurden fünf Mal ein Junges, neun Mal zwei und sieben Mal drei Junge großgezogen. Bei neun Paaren ohne Bruterfolg ergibt das einen Gesamtbruterfolg von 1,5 Jungen pro Paar. Das ist zu wenig, um die Population langfristig zu sichern. Es sind mindestens zwei Junge pro Paar erforderlich, so Köhler. Diese Rate wurde zuletzt im Jahr 2011 erreicht. Im Vergleich zu vergangenen Jahren waren die Verluste trotz der widrigen Bedingungen gering – acht Nestjunge, zwei Jungstörche und ein Storch im unbestimmten Alter starben, elf Eier wurden nicht ausgebrütet.

Viele tote Störche in Raddusch

Eine Tragödie nach der anderen ereignete sich mit dem Verlust von drei Störchen in Raddusch. Am 6. August lag ein toter Jungstorch auf dem Grundstück der Familie Ast. Ein Bein war gebrochen und hing nur noch an den Sehnen. Die Todesursache ist nicht genau bekannt – ein Leitungsanflug wird für möglich gehalten. Am nächsten Tag meldete eine Einwohnerin: „Ein toter Jungstorch liegt auf unserem Hof.“ Die beiden Jungstörche stammen vermutlich von den Horstplätzen Feuerwehr und alte Poststelle in Raddusch. Ein Jungstorch wurde zur veterinärmedizinischen Untersuchung eingeschickt.

Einen weiteren toten Storch fand eine Radduscherin am 10. August im Garten ihres Grundstückes im stark verwesten Zustand. Das Alter dieses Storches konnte nicht mehr bestimmt werden, weil Kopf und Füße fehlten. Auch hier sind Herkunft und Todesursache unbekannt.

Tragödien in Lübbenau

Ein weiteres Drama ereignete sich am Standort Gartensparte „BKW Jugend“ in Lübbenau. Am 10. Juni stellte dort ein Elterntier die Fütterung ein. Die Ursache ist nicht bekannt, da der Storch nicht gefunden wurde. Es sei möglich, dass aufgrund der prekären Nahrungssituation Stresssituationen eine Rolle gespielt haben, so Wolfgang Köhler. Wenige Tage später attackierte ein Fremdstorch das Jungtier im Nest mit Schnabelbissen am Kopf. Der junge Storch verstarb zwei Tage später an seinen Verletzungen.

An weiteren acht Nistplätzen, etwa in Krimnitz, Boblitz und Saßleben, blieb der Bruterfolg aus unterschiedlichen Gründen aus. Zumindest ein positives Ereignis im Storchenjahr 2019 berichtete Wolfgang Köhler: In der Gartensparte Boblitz siedelte sich ein neues Storchenpaar auf einer Stechfichte an.

So ist die Situation der Weißstörche in anderen Orten in der Lausitz:

Im südlichen OSL-Kreis hat fast die Hälfte der Storchenpaare hat keinen Nachwuchs großgezogen.

Auch rund um Cottbus nimmt die Zahl der Störche ab, wenn auch nicht überall im gleichen Maße.

Für den Altkreis Luckau konstatiert Katharina Illig, die dort seit 46 Jahren Weißstörche zählt, ein Durchschnittsjahr.