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| 19:12 Uhr

Tierrettung
Storchen-Drama mit gutem Ende

Zwei Storchen-Küken – beim Fotografieren war das eine schon geschlüpft – werden in Reddern bei Familie Heindel aufgezogen.
Zwei Storchen-Küken – beim Fotografieren war das eine schon geschlüpft – werden in Reddern bei Familie Heindel aufgezogen. FOTO: Peter Becker
Raddusch/Reddern. Nach dem Unfalltod eines Altstorchs in Vetschau nimmt Aufzuchtstation zwei Küken auf. Tierfreunde haben dabei Hand in Hand gearbeitet und schnell reagiert. Von Peter Becker

Aufmerksame Internetnutzer haben bemerkt, dass es am Freitag seit Stunden im Radduscher Storchennest keine Ablösung der Altstörche gab. Entsprechende Anfragen an die Seitenbetreiber erfolgten und die Radduscher Storchengruppe um Irene Linke und Melanie Schapp setzte alle Hebel in Bewegung, um dem brütenden Storch zu helfen. Ein Küken war bereits geschlüpft, ein zweites Ei war schon angebrochen und das dritte stand kurz davor, wie Videoaufzeichnungen vom Vortag bewiesen. Bei den sommerlichen Temperaturen wären der Altstorch und das Küken bald verhungert und verdurstet.

Nahezu zeitgleich wurde bekannt, dass ein Storch bei einem Unfall ums Leben kam. Er war zwischen Raddusch und Göritz in die Windschutzscheibe eines Autos gelangt, die dabei zu Bruch ging. Es lag nah, dass dies der andere Storch aus dem Internetnest sein könnte.

Nach Rücksprache mit dem NABU wurde am Samstag früh gehandelt: eine örtliche Hebebühne (von Familie Kienz) wurde herangeschafft, die Stromabschaltung organisiert und vom Weißstorchbeauftragten Wolfgang Köhler wurde die Aufzuchtstation der Familie Heindel in Reddern informiert. Nach der Entnahme des Kükens und der Eier nahm das Küken gierig die von Rita Schapp eilig ausgebuddelten Regenwürmer auf und trank aus der dargebotenen Hand.

Inzwischen wurde bekannt, dass im dritten Ei lediglich ein abgestorbener Embryo war. Das Nest wird wohl nun erst einmal verwaisen. Die verbliebene Störchin bleibt zwar noch in der Nähe und ruft immer noch laut klappernd nach ihrem Partner. Mit dem Entzug der Brut brauchte sie nun ihrem Bewacherinstinkt nicht mehr folgen und konnte sich selbst versorgen.

Melanie Schapp: „Wir haben Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um noch Schlimmeres zu verhindern. Dank der unkomplizierten und schnellen Hilfe besteht die Chance, dass es die Kleinen bei Familie Heindel vielleicht schaffen könnten.“

Das umsichtige Handeln der Radduscher Storchenfreunde, aber auch der Internetnutzer haben eine Tierrettungsaktion ermöglicht, die in den Userkommentare auf der Radduscher Storchenseite entsprechend gelobt wurde. Gleichzeitig jedoch macht sich bei dieser Gelegenheit bei vielen Naturfreunden Unmut Luft, dass es zu einer ausufernden Sitte geworden ist, jedes noch so kleine Ereignis mit einem großen Feuerwerk zu begehen, wie erst kürzlich unweit des Internet-Storchennestes geschehen. Nicht nur die Störche, auch alle anderen Tiere, die sich gerade in der Aufzuchtphase befinden, können dadurch gestört werden und ihre Brut verlassen, von den laut aufheulenden Hunden mal ganz abgesehen. Bei den nächtlichen Temperaturen kommt es unweigerlich zur Unterkühlung der Küken und zu deren Tod. Hier werden in den Internet-Kommentaren klare gesetzliche Regelungen eingefordert, die zumindest in der Brutphase derartigen Lärm ausschließen.