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Reise in die Vergangenheit
Stippvisite bei Hertha, Hermann und ihrem Zögling

Kito, alias Museumsmitarbeiter Dirk Ehrhardt informierte über Möglichkeiten, seinerzeit Licht in die dunkle Hütte zu bekommen.
Kito, alias Museumsmitarbeiter Dirk Ehrhardt informierte über Möglichkeiten, seinerzeit Licht in die dunkle Hütte zu bekommen. FOTO: Uwe Hegewald
Lehde. Besucher des Freilandmuseums Lehde erhalten Einblick in einen Wintertag anno 1950.

Hektische Betriebsamkeit bestimmt die Szenerie am Samstag im winterlichen Lehde. Aus der Großstadt kommt Besuch. Hertha, Hermann und ihr erwachsener Sohn Kito sind aufgeregt. Während Hertha, alias Roswitha Winter, den Blechkuchen portioniert, schwenkt ihr Junior die Pfanne. Nur Hermann (Peter Lehmann) ist so gar nicht vom Besuch der Stadtleute begeistert. Für ihn bedeutet das mehr Arbeit. Hertha schickt ihn nach draußen, um die Fensterläden zu schließen. Er muss sich anhören, dass irgendetwas am Spinnrad quietscht. „Meine Stimme quietscht auch. Die müsste mal geölt werden.“ Während sich das Lehdsche Spreewaldpaar verbal attackiert, bemüht sich Sohn Kito, alias Dirk Ehrhardt, die 18-köpfige Besuchergruppe bei Laune zu halten.

Einfach war ein Wintertag anno 1850 im Lagunendorf nicht. Schon gar nicht, wenn sich abends bis zu 15 Personen in der guten Stube des Wohnstallhauses tummelten. Sie war Küche, Ess-, Schlaf- und Arbeitsstätte für drei Generationen, der einzig beheizbare Raum. „Das Familienbett teilten sich bis zu sechs erwachsene Personen“, erklärt Hertha den Besuchern. Frischvermählte „durften“ sich das Nachtlager mit ihren Schwiegereltern teilen – was bei den Herren des Hauses möglicherweise Wohlwollen ausgelöst hat. Schwierig wurde es für die Spreewald-Dörfler, wenn Eis auf den Fließen weder ein Befahren mit Kähnen noch mit Schlitten zuließ. „Dann ist man Gefangener im eigenen Haus“, so der aufgeweckte Kito.

Die Jugend ist es, die auf den Höfen das Heft des Handelns in den Händen hält. „Sie kommen abends als letzte hinein und müssen früh zum Füttern der Tiere als erste raus“, erklärt Hertha und gesteht die Vorzüge, selbst länger in den Federn zu bleiben. Später ist Kito in der Tenne anzutreffen, wo er aus Weidenruten Körbe flechtet. Auch Ackergeräte mussten repariert, Fischernetze geflickt werden. Harken, Leitern, Löffel oder Holzpantinen wurden gefertigt – für den Eigenbedarf oder für den Lübbenauer Markt.

Wie wichtig Arbeitsgeräte sind, ist an den riesigen Heuschobern zu sehen, die im Winter übers Spreewasser zu schweben scheinen. „Drei bis fünf Tonnen wiegt so ein Schober, der binnen eines Jahres von einem einzigen Rind verputzt wird“, erzählt Kito den Städtern. Schwein und Rind wurden fast ausschließlich in den Stallanlagen gehalten. „Kühe täglich auf Kähne zu verladen, um sie auf Weiden zu bringen, war beschwerlich. Apropos beschwerlich: Hermann weiß, wie er sich über einen harten Wintertag hinwegtrösten kann – mit einem Schluck Schnaps. Wo er den Tonkrug vor seiner Hertha versteckt hält, verriet er nicht.