Von Uwe Hegewald

In der Herzkammer des Spreewaldes hat es am Wochenende heftig gepocht – vor Leidenschaft für die Fließlandschaft. „Das Interesse reißt nicht ab. Besucher, die das Fest kennen, kommen wieder oder erzählen es weiter“, nennt Gerhard Belaschk einen möglichen Grund des Besucheransturms. Bei dem Feuerwehrmann aus dem Lübbenauer Ortsteil Hindenberg sind es mindestens drei Gründe: Die Verbundenheit zu seinem Dorf, in dem er geboren wurde und aufwuchs, das Spielen der Lyra beim Eröffnungskonzert durch den Lehdschen Feuerwehr-Spielmannszug und das Betreuen des Schießstandes.

Pukalle, Kalmus und ein Schützenkönig

Mittels Pukalle, die mit Stücken einer Kalmus-Wurzel (Sumpfpflanze) „geladen“ ist, wurde der diesjährige Schützenkönig ermittelt. „Im vergangenen Jahr durfte ich die begehrte Schützenscheibe mit nach Hause nehmen“, so Gerhard Belaschk, der antrat, seinen Titel zu verteidigen.

Sich die Krone zurückholen war auch das Anliegen von Waldemar Dücks aus Bad Mergentheim. „Ich komme seit mehr als 20 Jahren zum Lehde-Fest, konnte sogar schon zweimal Schützenkönig werden“, ließ sich der Baden-Württemberger zu einer Kampfansage hinreißen.

Erstmals mit Kutter

Für Hartmut Zippan ist das Fest eine Premiere. „Beim Spreewald­atelier standen wir auf dem Lübbenauer Altmarkt und wurden angesprochen, ob wir Interesse hätten, nach Lehde zu kommen“, erzählt der Fischexperte aus Brieskow-Finkenheerd, unweit von Frankfurt/Oder. Und ob! Kurios: Die Anreise erfolgte mittels eines 1957 erbauten Fischer-Kutters, der bis 1978 in Bansin (Usedom) vor Anker lag. Da die Spree bei Lehde eng ist, entschieden sich Hartmut Zippan und sein geschäftsführender Sohn Ronny, den Kutter per Bootstrailer in den Spreewald zu transportieren.

Zum kulinarischen Angebot zählten unter anderem im Feuerkessel zubereitete Fischsuppe und an der Kaminwand angenagelter Flammlachs. „Wir nutzen die Strahlungswärme. Mit braunen Rohrzucker mariniert und Raucharoma ist der Lachs ein Gedicht“, beteuern die Genusshandwerker der „Fischundmeer UG“.

In der Spinte floss um 11.37 Uhr bereits der erste Eierlikör. Das hebe die Stimmung und löse die Zunge, begründeten die schlürfenden Spreewälderinnen. Und klar werde bei der Plauder- und Kaffeetafel auch getratscht. „Wer mit wem, wie oft und wie lange“, scherzte eine der „Grande Dames“.

Der Charme des Lehde-Festes

Für Maik Hoffrichter machen genau diese Momente den Charme des Lehde-Festes aus. Im Frühjahr hatte er den Staffelstab des Fördervereins Lehde von Anita Storch übernommen, die dem Verein jedoch als Beraterin die Treue hält. In seiner Eröffnungsrede hob der Vereinsvorstand noch einmal das Grundanliegen der 140-köpfigen Interessengruppe hervor: sich Bräuchen und Traditionen widmen, die einzigartige Kulturlandschaft bewahren oder das gemeinsame Miteinander pflegen. „Unser Verein wird den Spreewald nicht retten, aber wir können einen Beitrag leisten“, so Maik Hoffrichter.

Dass die Besucher des Lehde-Festes dazu beitragen können, macht er an der Ausrichtung fest. Alle Einnahmen, Spenden oder Zuwendungen würden in entsprechende Projekte fließen. Mit jedem Beitrag werde die Arbeit unterstützt, stellt er klar.

Ein „dickes Dankeschön“ richtet er über die Heimatzeitung an alle mitwirkenden Lehdschen und sonstigen „fleißigen Hände“. Dazu zählten ebenso Wochenendbesucher, die sich seit mehreren Jahren einbringen, neue Mitbewohner, die sich integrieren, wie auch angestammte Lehder, die inzwischen mit Nachfolgegenerationen zum Dorffest pilgern. Wie etwa Bärbel Wenske, die mit ihrer „Schwiegertochter auf Probe“, Sabine Gierga, vorbeischaute. Beide in festlicher Spreewaldtracht und in fescher männlicher Begleitung: Kris Wenske, eineinhalb Jahre jung und äußerst interessiert, was sein kleines Dorf an einem einzigen Wochenende so veranstaltet.