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Stadtwald schreibt schwarze Zahlen

Der Jungkiefernbestand auf zehn Hektar des Calauer Stadtwaldes wird gepflegt. Förster Michael Freund erklärt den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses, dass auf dieser Fläche rund 700 Festmeter geerntet werden.
Der Jungkiefernbestand auf zehn Hektar des Calauer Stadtwaldes wird gepflegt. Förster Michael Freund erklärt den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses, dass auf dieser Fläche rund 700 Festmeter geerntet werden. FOTO: Hannelore Kuschy
Calau. Im Calauer Stadtwald ist gerade Erntezeit. Wie Förster Michael Freund erklärt, noch etwa vier Wochen auf rund zehn Hektar. Hannelore Kuschy

Dieser Jungkiefernbestand ist vor 31 Jahren, also noch zu DDR-Zeiten, angelegt worden. "Damals", so erläutert er, "wurden auf einen Hektar noch 12 000 bis 13 000 Kiefern gepflanzt. Heute sind es nur noch acht-, höchstens zehntausend". Deshalb muss Platz für die Qualitätsbäume geschaffen werden, die sich dann besser entwickeln können. Ein polnisches Unternehmen, das für Calau das beste Angebot gemacht hat, erntet und kauft die auf dieser Fläche zu erwartenden 700 Festmeter. Hierbei handele es sich um Industrie- und Energieholz - also beispielsweise um Spanplatten herzustellen oder es als Kaminholz weiterzuverkaufen. Insgesamt werden im Stadtwald jedes Jahr 1200 bis 1500 Festmeter geerntet.

Waldpflege ist immer angesagt. Die unterscheidet sich augenscheinlich von der zu DDR-Zeiten. Denn wie der Förster den Mitgliedern des Calauer Wirtchaftsausschusses bei einem Waldgang erklärt, werden Birken, die von selbst auch im Kiefernwald wachsen, nicht mehr wie damals bei der Pflege entfernt. "Sie sind ein Farbtupfer im Wald, das Laub erfüllt einen ökologischen Zweck und das Holz taugt gut als Brennholz", begründet er, warum so viele Birken im Stadtwald wachsen. Neben Kiefer, Fichte, Douglasie, Küstentanne und Lärche gedeihen auch Laubbäume wie etwa die Eiche im Calauer Stadtwald. Deren gutes Holz aber sei eher für die Produktion von Nischenprodukten und deshalb von kleineren Holzverarbeitern, zum Beispiel im Spreewald, nachgefragt.

Das Geschäft mit dem Stadtwald lohnt sich für Calau, auch wenn das nicht immer so war. Wie Kämmerin Barbara Hollmichel auf Nachfrage sagt, sei das Jahr 2016 ein Beispiel dafür: "Die Aufwendungen betrugen rund 48 100 Euro, freuen konnten wir uns über Erträge von 53 900 Euro."

Mit dem Stadtwald lässt sich aber nicht nur Geld verdienen. Er dient gleichermaßen dem Tierschutz, der Bildung und Erholung. Vor knapp zwei Jahren zum Beispiel haben Langohrfledermäuse direkt am Naturlehrpfad ein neues Quartier in Form einer elf Meter langen und 1,60 Meter hohen Röhre bekommen. In der Region würden 13 der insgesamt 18 Fledermausarten im Land Brandenburg leben, sagte Jürgen Jentsch vom Nabu-Regionalverband Calau nach der Fertigstellung. Erst am Dienstag besuchte die 4. Klasse der Missener Lindengrundschule den Stadtwald, um zu lernen, Sinne zu erforschen und beim Holz stapeln zu wetteifern.

Zum Thema:
Im bundesdeutschen Vergleich liegt Brandenburg mit einem Anteil von rund acht Prozent Kommunalwald am Gesamtwaldbestand weit unter dem Durchschnitt. Mit fast 50 Prozent belegt Rheinland-Pfalz nach Internetangaben der Landesforstverwaltungen die Spitzenposition, gefolgt von Baden-Württemberg und Hessen. Gut die Hälfte des gesamten Kommunalwaldes in Brandenburg gibt es im Norden. Rund 71 Prozent des Kommunalwaldes besteht aus Kiefern.