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Stadtverordnete stoppen Umzug

Ein Umzug der Hirschberger-Schule scheint abgewendet.
Ein Umzug der Hirschberger-Schule scheint abgewendet. FOTO: dpr
Lübbenau. Einen schweren Stand hatten Dienstag in der Jenaplanschule Rainer Schamberg und Peter Lippold von der Lübbenauer Stadtverwaltung. In einer von Eltern und Lehrern gut besuchten Aula versuchten die Rathaus-Mitarbeiter, den Mitgliedern des Bildungsausschusses zu erklären, warum sich ein Umzug der Traugott-Hirschberger-Grundschule bis zum Schuljahr 2019/2020 anbietet. Daniel Preikschat

Was nicht abging ohne kritische Zwischenrufe und Unmutsäußerungen aus dem Publikum.

Letzter Stand der Diskussion über die Schulplanung in Lübbenau war: An den Grundschulen soll die Zahl der Klassen pro Jahrgangsstufe, die sogenannte Zügigkeit, umgestellt werden: In der Werner-Seelenbinder-Schule in der Neustadt sollen künftig statt drei nur noch zwei Klassen pro Jahrgangsstufe unterrichtet werden, in der Traugott-Hirschberger-Grundschule in der Altstadt dagegen soll von einer Klasse pro Jahrgangsstufe auf zwei aufgestockt werden. Für die Jenaplanschule ist weiterhin ein einzügiger Schulbetrieb vorgesehen. Den Handlungsbedarf begründen die Schülerzahlentwicklung, die beengten Verhältnisse in der Seelenbinder-Grundschule und der Sanierungsbedarf in der Traugott-Hirschberger-Schule.

Abzuzeichnen schien sich dann zunächst, dass die Jenaplanschule mit ihrem besonderen pädagogischen Profil und einem Einzugsbereich, der über Lübbenau hinaus reicht, in die Neustadt umziehen muss. Dort steht das Oberstufenzentrum (OSZ) leer. Über den Kauf sollte die Stadt mit dem Landkreis verhandeln. In das frei werdende Jenaplanhaus, so die Überlegung, könnte dann die benachbarte Hirschberger-Schule ziehen.

Zur Überraschung vieler Eltern und Lehrer empfiehlt die Stadtverwaltung in einer neuen Beschlussvorlage nun aber den Umzug der Hirschberger-Schule in die Neustadt. Und zwar nicht in das OSZ, sondern in die AWO-Fachschule in direkter Nachbarschaft zur Oberschule Ehm Welk, sodass beide Einrichtungen ein Schulzentrum bilden könnten. Dabei setzt die Stadt voraus, dass die AWO das Gebäude freimacht und ins OSZ zieht. "Finanzpolitisch und sozialpolitisch" sei diese neue Variante die richtige, erklärte Rainer Schamberg. Dabei berief sich der stellvertretende Bürgermeister auf die Variantenuntersuchung eines von der Stadt beauftragten Cottbuser Planungsbüros.

Im Bildungsausschuss aber hielt man diese neue Variante keinesfalls für richtig. Norbert Badack (CDU) zeigte sich "schockiert bis empört". Die Altstadt müsse zwingend eine Regelgrundschule behalten. Zwei Grundschulen in der Neustadt nah beieinander lehnt auch Sebastian Liedtke (Linke) ab. Von kurzen Wegen für kurze Beine könnte dann keine Rede mehr sein. Christian Filko (AWG) sagte gar, ein Planer plane so, wie es ihm der Auftraggeber vorgibt. Woraufhin sich Schamberg dagegen verwahrte, die Stadt habe das Ergebnis der Untersuchung beeinflusst.

Einstimmig schmetterten die Stadtverordneten die Vorlage aus dem Rathaus ab. Dort muss man nun erneut überlegen, wie man die angestrebte 2-2-1-Zügigkeit baulich und organisatorisch hinbekommt. Die CDU-Fraktion hätte dazu, wie Norbert Badack ausführte, konkrete Vorstellungen: Traugott-Hirschberger- und Jenaplanschule bleiben, wo sie sind. Das Gebäude der Hirschberger-Grundschule, so die CDU, soll abgerissen werden und einem bedarfsgerechten Neubau Platz machen, der zweizügig beschult werden kann und einen Hort mit integriertem Mehrzweckraum hat. Diese Lösung würden Eltern und Lehrer akzeptieren. Während der Bauphase könnten Schüler und Lehrer in einen Container ausweichen oder in das Oberstufenzentrum.