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| 18:06 Uhr

Stadtgeschichte(n) zum Schmunzeln

Auch am Brunnen an der Kirchstraße machten die Sommertourer Halt und ließen sich über seine Geschichte informieren.
Auch am Brunnen an der Kirchstraße machten die Sommertourer Halt und ließen sich über seine Geschichte informieren. FOTO: Preikschat
Calau. Wie viele Schusterjungen-Skulpturen sind es denn nun, die im Calauer historischen Stadtkern verteilt sind und Betrachtern gute Laune machen? Gästeführerin Waltraud Fellenberg gab vor, es nicht genau zu wissen. Vielleicht war das aber nur geflunkert, damit ihre Sommertourteilnehmer das selbst herausfinden. Daniel Preikschat

Die Entdeckerfreude war jedenfalls groß während des gut zweistündigen Rundgangs.

Die hübsch gefertigten Kerle aus Bronze in entzückenden Posen waren wie ein schmückendes Beiwerk bei der kleinen Zeitreise in die Stadtgeschichte von Calau. Mehr als nur ein Mal begegneten die Calau-Interessierten aber auch die Brunnen der Stadt. Acht Röhrkästen aus Kiefern- und Lärchenstämmen gab es einst in der erstmals 1279 urkundlich erwähnten Tuchmacher- und später Schusterstadt. Der Nachtwächter kontrollierte einst, dass aus ihnen nachts nicht geschöpft wurde. Die modernen Nachbauten treffen nicht immer ihren Geschmack, sagte Waltraud Fellenberg in der Cottbuser Straße.

Viel zu erklären hatte die Gästeführerin an der großen Kreisverkehr-Baustelle. Alle repräsentativen Bauten, die den Platz einfassen, seien aus Klinker gebaut worden. Das kaiserliche Postamt und das Jugendfinanzamt genauso wie das Hotel zur Post, das nach der Wende gebaute Sparkassengebäude und das Kreishaus. Dass die Gebäudebezeichnung nicht zur viereckigen Form passt, ist in einem der vielen Kalauer zum Ausdruck gebracht worden, so Waltraud Fellenberg. So gesehen müsste ja auch der Kreisverkehr viereckig gebaut werden, konterte witzig einer der Sommertourteilnehmer.

Das Gebäude hat jedenfalls eine sehr bewegte Baugeschichte: 1901 bis 1903 im Stil der Neo-Renaissance erbaut, wurde das kaiserliche Landratsamt 1920 und 1936/37 mit Anbau, Dach- und Kellergeschoss versehen. Am Kriegsende weitgehend zerstört, wurden Treppentürme, Ziergiebel und Zierelemente beim Wiederaufbau entfernt und nicht wieder aufgebaut. Es entstand ein schlichter Verwaltungsbau. Das Kreuzgewölbe immerhin wurde erhalten. Die Gästeführerin lud ein, es sich anzusehen. Viel auszustehen hatte aber auch das Kriegerdenkmal, das an die Calauer Toten im Bismarck-Krieg erinnerte. Drei Mal wurde es im Lauf der Geschichte umgesetzt, zuletzt wegen des Kreisverkehrbaus im April.

Weitere Stopps legte Waltraud Fellenberg unter anderem am Jugendstilhaus in der Postraße ein, natürlich an der Kirche und an der Dunkelsburg mit der Stadtmauer. Interessant: Stadtbewohner durften nach Bränden die Stadtmauer als Steinbruch benutzen, um ihre Häuser wieder aufzubauen.

Es sei enorm viel gewesen, was ihnen Waltraud Fellenberg an historischen Fakten anschaulich und auf lockere Art vermittelt hat, lobten nach dem Rundgang Ursula Peisker und Wolfgang Schneider aus Golßen. Viola Kasprick aus Groß Mehßow erfuhr viel Neues über Calaus Geschichte, obwohl sie sich schon gut auszukennen glaubte. Jacqueline Furchtbar, die mit Ehemann Jens und Sohn Julian aus Bischdorf gekommen war, urteilte: "Gut gemacht, sehr informativ."

Außer historischen Fakten nahmen die Stadtspaziergänger auch einige Kalauer mit nach Hause. Waltraud Fellenberg hatte sie immer mal wieder an geeigneter Stelle eingestreut.

Mehr als ein Mal kalauerten die RUNDSCHAU-Leser allerdings zurück. So ist es zum Beispiel nicht nur paradox, wenn eine Lachtaube in die Weinstube fliegt, wie die Gästeführerin zum Besten gab. Paradox ist auch "ein herrenloses Damenfahrrad", wie ein Sommertourteilnehmer entgegnete.

Noch immer nicht ganz klar war am Ende, wie viele Schusterjungen denn nun in Calau verteilt sind. Sind es sechs? Oder doch sieben? Da hilft nur: Durch die Stadt spazieren und es selbst rausfinden.