Erst viel Schmutz, dann wird es schön: Nach dem Abriss soll hier künftig neben Parkplätzen viel Grün entstehen. Rund 100 000 Euro stellen Bund und Land für den Rückbau des Hauses mit einst 32 Wohnungen zur Verfügung.Dem Papier ist eine gründliche Analyse der Situation in der Spreewaldstadt vorausgegangen. Die Domus Consult Wirtschaftsberatungsgesellschaft aus Potsdam hat dazu nicht nur eine Mieteberfragung gestartet, sondern auch die Wirtschaftlichkeit jedes einzelnen Hauses der beiden großen Wohnungsunternehmen GWG und WiS unter die Lupe genommen. Dazu wurde die Stadt in fünf Gebiete aufgeteilt. Für diese Bereiche schätzte Domus die Perspektive ein und gab Empfehlungen für die Entwicklung.
„Wir haben die Prognose das Landesamtes für Statistik zum Bevölkerungsrückgang zugrunde gelegt, mussten sie aber anpassen“ , erklärte Christine Preuss von der Domus Consult. Bis 2015 werde die Stadt 3900 Einwohner verlieren. Demzufolge sei mit einem strukturellen Überhang von 2440 Wohnungen zu rechnen, wenn nichts passieren würde, erläuterte sie den Stadtverordneten.
Doch es passiert ja bereits einiges. Mit dem Haus in der Thomas-Müntzer-Straße 1 bis 3 wird gegenwärtig der nächste Plattenbau abgerissen. Frau Preuss bescheinigte den Lübbenauern in diesem Zusammenhang eine hohe Akzeptanz für Abrissvorhaben. 74,6 Prozent schätzten es als neutral ein, sogar 39 Prozent sähen es positiv, dass nicht mehr benötigte Wohnsubstanz abgetragen wird, interpretierte sie Umfrageergebnisse.
Die Charakterisierung der Wohngebiete fiel nach Domus sehr differenziert aus. Die Altstadt bekam erwartungsgemäß die besten Noten. Auch hier waren lediglich die Wohnungen der beiden großen Unternehmen Untersuchungsgegenstand. Neustadt-Mitte sei dagegen ein sehr problematisches Gebiet. Hier liege der Leerstand bei 37 Prozent, so Frau Preuss.
Im Gegensatz dazu erhielt die Neustadt-Ost sehr gute Ergebnisse. Hier liege der Leerstand bei 13,5 Prozent. Für den Bereich Neustadt-Nord registrierte Frau Preuss einen Leerstand von 15,4 Prozent. Deutlich schlechter schneidet die Neustadt-Süd mit 21,7 Prozent ab. In diesem Gebiet liege die Neigung der Bewohner sehr hoch, den Stadtteil zu verlassen.
„In das Stadtumbaukonzept fließen alle vorliegenden Konzepte ein. Wir haben eine Prozessdokumentation aufgeschrieben. Prozess deshalb, weil sie den aktuellen Bedingungen angepasst werden muss. Das heißt, sie ist ständig fortzuschreiben“ , fasste Stadtplaner Dr. Jürgen Othmer von der LübbenauBrücke zusammen. Ziel sei es, in der Stadt langfristig eine Stabilisierung zu erreichen und die Lebensqualität zu erhöhen. Deshalb wurde für jedes Haus eine Perspektive aufgeschrieben.
Die Vorhaben für dieses Jahr sind abgesteckt: Die Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald plant neben dem laufenden Abriss in der Thomas-Müntzer-Straße das Hochhaus in der Straße des Friedens 22 sowie die Gebäude in der Straße das Friedens 23 bis 24 und in der Robert-Koch-Straße 29 bis 32 abzureißen.

Hintergrund Gestaltung nach Abriss
 Nach dem Abriss des Hauses soll voraussichtlich im Sommer begonnen werden, die Fläche zu gestalten. „Mehr als ein Dutzend Stellplätze und viel Grün mit einem Mix aus spreewaldtypischen und mediterranen Pflanzen werden das Wohnen in dieser Lage noch mehr aufwerten“ , kündigte WiS-Geschäftsführer Michael Jakobs an.