ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:28 Uhr

Stabiler Grundstücksmarkt in den Spreewald-Städten

Jürgen Kuse ist auch Chef des landesweiten Gutachterausschusses. Foto: jg
Jürgen Kuse ist auch Chef des landesweiten Gutachterausschusses. Foto: jg FOTO: jg
Lübben. Von einer Krise kann auf dem Grundstücksmarkt in Dahme-Spreewald derzeit keine Rede sein. Nach den jetzt vorliegenden Zahlen für das erste Halbjahr profitiert der Markt im Kreis weiter von Gewerbeimmobilien rund um den entstehenden Flughafen BBI. Dagegen spielt Wohneigentum im Kreis keine große Rolle. Dennoch zeigt sich der Markt gerade in den Spreewaldstädten robust. Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz sacken die Geschäfte immer weiter ab. Von Jan Gloßmann

Zahlen können täuschen: So stieg beispielsweise der Umsatz bei Immobiliengeschäften in Wildau im ersten Halbjahr 2010 um satte 7285 Prozent – von 2,7 auf 199,4 Millionen Euro. Das aber liegt nicht an explodierenden Grundstückpreisen, sagt Jürgen Kuse, der Chef des Gutachterausschusses im Landkreis Dahme-Spreewald. „Hintergrund ist hier ein Eigentümerwechsel an einer großen Gewerbe-Immobilie.“ Dabei handelt es sich um das A10-Center in Wildau, für das allein 195 Millionen Euro flossen. Aber auch Luckau kann dank des Gewerbegebietes in Duben/Alteno auf eine Umsatzsteigerung von 300 Prozent blicken – von 1,5 auf sechs Millionen Euro. Auch Lübben, das Golßener Land, Heideblick oder das Amt Lieberose/Oberspreewald verzeichnen ein Plus beim Umsatz, das allerdings auf teils niedrigem Niveau oder trotz sinkender Zahl der Kaufverträge. Im Amt Golßener Land wurden 30 Prozent mehr Kaufverträge registriert, was einen Zuwachs von 36 Prozent Geldumsatz mit sich brachte. Deutliche Einbußen bei Abschlüssen und Geldfluss mussten dagegen die Märkische Heide und der Unterspreewald hinnehmen.

Insgesamt zeige sich der Markt stabil, so Jürgen Kuse. Die anhaltende Diskussion um die künftigen Flugrouten am BBI haben noch keine Auswirkungen auf den Bericht. Bislang gebe es auch noch keine „direkte Abhängigkeit“ der Grundstückspreise vom Flughafen-Ausbau. Allerdings erwarten Fachleute wie Kuse, dass sich rund um den BBI durchaus auch Spekulanten tummeln, die Grundstücke vergleichsweise preiswert aufkaufen – beispielsweise von entnervten Anwohnern -, um sie später im Zusammenhang mit dem weiteren Ausbau gewinnbringend veräußern zu können. Landrat Stephan Loge sagt daher auch: „Wir warnen da immer vor Panik bei Grundstückverkäufen. Es ist vieles noch unklar.“

Für das zweite Halbjahr rechnet Kruse aus Erfahrungen anderer Jahre mit einem weiteren Anstieg bei Verkaufszahlen und Umsatz. Möglicherweise sorge die angekündigte Erhöhung der Grundsteuer im Land auch für Vorzieheffekte, so Kuse.

Eine Marktbelebung könnte der Landkreis Oberspreewald-Lausitz gut vertragen. Dort sanken im vergangenen Jahr sowohl die Zahl der Kaufverträge (um zehn Prozent) als auch der Geldumsatz (um 17 Prozent) und der Flächenumsatz (minus 26 Prozent). Dabei lagen Altdöbern und Calau im Trend des Kreises. Altdöbern hatte allerdings 2008 hohe Zuwachsraten. Gleiches gilt für den gesamten Kreis, in dem nach fast 66 Millionen Euro Umsatz (2008) im vergangenen Jahr nur noch knapp 55 Millionen Euro zu verzeichnen waren. Damit pegele sich der Kreis jedoch auf dem Niveau der Jahre vor 2008 ein, schreiben die Gutachter.

Lübbenau verbuchte zwar weniger Kaufverträge, erzielte jedoch einen steigenden Umsatz bei Geld und Flächen – bei letzteren gut 51 Hektar. Im Grundstücksmarktbericht des OSL-Kreises für 2009 ist Vetschau als Profiteur ausgewiesen. Bei geringerem Flächenumsatz stiegen in der Spreewaldstadt sowohl die Zahl der Verträge als auch der Geldumsatz.

Das Nord-Süd-Gefälle im Kreis: Die Zahl der Zwangsversteigerungen stieg um zehn Prozent, vor allem zwischen Großräschen und Ortrand.