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| 01:06 Uhr

Spurensuche mit Eis

Gahlen.. 1957 kam der gebürtige Thüringer Hans-Hermann Krönert als junger Journalist nach Cottbus, sah sich zu diesem Zeitpunkt erstmals mit Fürst Pückler und mit der Frage nach dessen Person konfrontiert. „Er war für mich damals nur ein Gutsherr, ein Junker, mehr wusste ich nicht von ihm“ , erinnert er sich heute. Und er erinnert sich auch daran, wie sehr er sich einst ärgerte, über den Fürsten zu urteilen, ohne über genauere Informationen zu dessen Wirken und Sein zu verfügen. Von Jana Semt

„Also habe ich mich mittlerweile seit 40 Jahren mit Pückler beschäftigt“ , berichtet Hans-Herrman Krönert, während er einen Schluck Sekt aus dem Glas in seiner Hand nimmt. Dessen Stimme erholt sich sogleich, wurde sie doch in der gerade unter Applaus beendeten Lesung aus Krönerts Buch „Der tolle Pückler“ reichlich beansprucht. Denn aus keinem geringeren Grunde traf man sich am Nachmittag des vergangenen Sonntags im Rahmen des „Fests der Siebenschläfer“ im Gahlener Kaffee-Garten der Alten Ziegelei Gahlen.
Spurensuche im Eis, oder besser: Spurensuche mit Eis wollte man betreiben, unbekannte und ungeahnte Seiten an Hermann Fürst von Pückler-Muskau entdecken und natürlich dessen Eiskreation, das Pückler-Eis, verkosten. So bot Hans-Herrman Krönert Einblicke in seine Recherchen, zeigte auf, was zahlreiche Stunden in der Berliner Staatsbibliothek und im Stadtarchiv Cottbus über die etwas andere Seite des Fürsten ergaben.
So manches der weniger populären Werke Pücklers mussten da entstaubt worden sein, so manche Briefe sammlung des Gutsherrn musste wohl wiederentdeckt werden, bis Hans-Hermann Krönert die entscheidenden Essenszen dieser Arbeit nun in seiner beim REGIA-Verlag Cottbus erschienenen Schrift „Der tolle Fürst“ präsentieren konnte. „Und da stehen eben solche schönen Geschichten drinnen wie die über Pücklers Besuch der Ahnengruft in der alten Stadtkirche zu Muskau, wo er Zwiesprache hielt mit seinen Vorfahren. Oder als er einen Luftballonaufstieg mitmacht, das war ja zu seiner Zeit noch eine ganz neumodische Sache, doch sich so einem Ding anzuvertrauen, mit geleimten Holzfußboden, war auch dem Pückler ein Abenteuer wert“ , fasst Krönert nur einige der geschilderten Episoden zusammen.
„Unvergessen bleiben wohl auch die vom Fürsten wiederverwendeten Liebesbriefe. Er schrieb ja ständig Liebesbriefe, praktisch ununterbrochen, und so wurden die einmal gewählten schönen Wendungen, die er einst einer Geliebten zugedacht hatte, auch für die nächste und übernächste amouröse Bekanntschaft wiederverwendet“ .
Vom (liebes)tollen Fürsten selbst verfasste und gesammelte Anekdoten, Aphorismen aus seinen Briefen und Werken, zahlreiche Briefkorrespondenzen mit so bekannten Persönlichkeiten wie Heinrich Heine und Bettina von Arnim, ebenso Kochrezepte, die Auskunft geben über die geschmacklichen Vorlieben Pücklers, komplettieren das am Sonntag vorgestellte Buch Hans-Hermann Krönerts.
Für diesen ist der Gutsherr trotz aller dokumentarischen Sachlichkeit stets mehr als das Kernstück seiner literarischen Arbeit, wie Krönert sogleich gesteht: „Der Fürst von Pückler-Muskau war eine so exzellente Persönlichkeit seiner Klasse, dass man sagen muss: er war mutig, er ragte über diesen Stand hinaus mit seinem Wirken, er war ein Weltenbummler ohne gleichen, sah Afrika, den Orient, Griechenland, und vieles mehr. Er korrespondierte mit Heinrich Heine, beide schätzten sich sehr“ . Und er verschrieb sich der Literatur, ebenso ernsthaft der Landschaftsarchitektur. Wo also kann man besser auf seinen Spuren wandeln, als in den ursprünglichen Landstrichen dieser Region, die schon den Fürsten einst begeisterten„
Das findet auch Traute Wiegand, Vorsitzende des Interforum e. V., dem Initiator des „Fests der Siebenschläfer“ : „Hier gibt es ja schon das Fürst-Pückler-Land, die Internationale Bauausstellung. Überall finden sich wunderbare Plätze in der Region, warum soll man diese den Leuten also nicht zeigen, nicht zugänglich machen“ Und fahren müssen sie dafür auch nicht weit“ . Tatsächlich kamen die meisten Gäste zu diesem Nachmittag im Gahlener Kaffee-Garten aus den umliegenden Ortschaften mit dem Fahrrad. Interforum e. V. agiert dabei als gemeinnütziger Verein auch als Betreiber dieses Veranstaltungsorts, widmet sich weiterhin in zahlreichen Projekten, unter anderem in Cottbus und Senftenberg, der soziokulturellen Erschließung der Region.
In diesem Sinne wird auch am kommenden Sonntag, 14 Uhr, wieder in die Alte Ziegelei Gahlen gebeten, den Siebenschläfer standesgemäß aufzuwecken. Diesmal kommt Fisch auf den Tisch, vom irdischen Ufer abgelegt wird mit „Seemans-Romantik“ .