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| 15:37 Uhr

Spreewaldfest denkt auch an vestorbenen Kanzler

Mit dem Schälen fängt es an: Für die Besucher wird die Zubereitung von Senfgurken gezeigt.
Mit dem Schälen fängt es an: Für die Besucher wird die Zubereitung von Senfgurken gezeigt. FOTO: uhd1
Lübbenau. "Es ist immer wieder ein großartiges Fest. Wir lieben Lübbenau und wir lieben den Spreewald", schwärmen Ellen und Peter Zibell. Ihr Wort hat Gewicht, auch wenn sie gar nicht in der Region leben. Um dabei zu sein, nimmt das Paar eine über 560 Kilometer lange Anreise in Kauf. Uwe Hegewald / uhd1

Ellen und Peter Zibell sind passionierte Drehorgelspieler und bereits zum 27. Mal bei einem Lübbenauer Spreewald- und Schützenfest dabei.

"Wir waren schon vor der Wende hier. Der erste Auftritt war damals noch im Neustadt-Szene-Gasthaus Turbine", erzählen sie. Die beiden Drehorgel-Virtuosen gelten als eines der treuesten Bindeglieder zwischen den beiden Partnerstädten Lübbenau und Oer-Erkenschwick. Als am Samstagvormittag der örtliche Spielmannszug, hübsche Damen in Spreewaldtrachten und fesche Männer in Schützenkleidung über den Markt in den Schlossbezirk marschieren, ist das für Ellen und Peter Zibell das klare Zeichen, so langsam ihre rollenden Drehorgeln in Position zu bringen.

Auf der Festwiese zwischen Lübbenauer Schloss und Orangerie läuft indes die Eröffnungszeremonie. Traditionell mit der Bekanntgabe der aktuellen Schützenkönige Rüdiger Schmidt und Wolfgang Schulz (Ü 60) sowie der diesjährigen Schützenkönigin: Christina Balke.

Dass die Eröffnung etwas länger als üblich dauert, liegt an Kanonier Andreas Harms (59), dem die "Traditionsmedaille des Brandenburgischen Schützenbundes" verliehen wird. Mit seinen Ehrungen eilt er zu seinem Schützenkameraden Andreas Kohl (47) zurück, um auch den letzten von insgesamt drei Kanonen-Krachern in den Schlosspark zu donnern.

Für Ellen und Peter Zibell ist das weit hörbare Kanonengewitter das Zeichen dafür, an ihre Leierkästen zu treten. "30 Oer-Erkenschwicker haben wir diesmal mit in den Spreewald gelotst. Die sind gerade mit dem Kahn unterwegs", berichten die westfälischen Musiker.

Den jährlichen Drehorgel-Job im Osten verbindet das Paar immer wieder mit einem Urlaub in der Lagunenlandschaft. "Über die Jahre haben wir hier viele nette Leute kennengelernt", erzählt Ellen Zibell.

Ehegatte Peter ergänzt mit einem Augenzwinkern: "Wir haben Helmut Wenzel auch schon mal die Empfehlung gegeben, unseren Bürgermeister in die Lehre zu nehmen." Kaum sind die Worte ausgesprochen, nähert sich das Lübbenauer Stadtoberhaupt samt Familie und lässt sich zu einem musikalischen Mitwirken überreden. Mit Alt wie ein Baum" verständigt sich das Ost-West-Duo auf einen Titel, der in Gesamtdeutschland bekannt ist.

Das bekannte Lied der Puhdys erinnerte auch an die Worte von Helmut Wenzel zur Eröffnung des Festes. Der Bürgermeister lenkte in seiner Ansprache die Aufmerksamkeit auf Altkanzler Helmut Kohl, von dem sich am Samstag Tausende Menschen mit einem europäischen Trauerakt verabschiedeten.

Wenzel erinnert an das Wirken des großen Politikers und "Einheitskanzlers". Ohne ihn hätten die Städte nicht diese Entwicklung genommen, so der Lübbenauer Bürgermeister. Er forderte Einheimische und Gäste auf, aus diesem Anlass beim Bier mal für ein paar Augenblicke innezuhalten.

Zum Thema:
Ohne Gurken geht nichts: Mit 700 Kilogramm Gurken reisten die Mitglieder von der Spiel- und Trachtengruppe der Domowina Briesensee nach Lübbenau. Besucher konnten den Spreewäldern beim Zubereiten von Senfgurken zusehen. "Wir produzieren selbst nach bewährten Rezepten und mit dem Vorteil, nicht auf Gemüse aus anderen Kontinenten zugreifen zu müssen, das auch hier gedeiht", erklärte Heidi Palm.