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| 02:37 Uhr

Spreewald + Winter = Tourismus?

Jan Vesper (radioeins, 2.v.l.) und Jan Siegel (RUNDSCHAU) diskutierten in Lübbenau mit Touristikern und Naturliebhabern.
Jan Vesper (radioeins, 2.v.l.) und Jan Siegel (RUNDSCHAU) diskutierten in Lübbenau mit Touristikern und Naturliebhabern. FOTO: dfh
Lübbenau. Ist der Spreewald auch im Winter ein attraktives Reiseziel? Darüber haben in Lübbenau Touristiker und Naturschützer gesprochen. Ihr Plädoyer: Den Tourismus stärken und dabei stets die Natur im Blick haben. Daniel Friedrich

"Kahnfahren, saunieren oder auf der kuscheligen Couch die Spreewaldkrimis schauen - der Spreewald hat im Winter genau so viel zu bieten, wie im Sommer", ist Nicole Kröher, die Leiterin der Lübbenauer Touristinformation, überzeugt. Beim "radioeins und RUNDSCHAU Spezial" am Lübbenauer Hafen sind sich die Gäste einig: Der Tourismus muss - gerade im Winter - als Wachstumschance verstanden werden.

"Schon früh Gedanken gemacht"

Der Spreewald sei ein Aushängeschild für Brandenburg und bereits gut aufgestellt, schätzt Birgit Kunkel vom Tourismus-Marketing Brandenburg die Situation ein: "Hier haben sich die Verantwortlichen schon sehr früh Gedanken gemacht, um auch im Winter attraktive Angebot wie die Spreewaldweihnacht zu schaffen." Weil viele Gäste ein hohes Interesse an sportlichen Aktivitäten mitbringen, sollte auch im Winter dafür gesorgt werden, dass beispielsweise die beliebten Radwege frei von Geäst und Eis gehalten werden, wünscht sich Birgit Kunkel.

Bei allen Überlegungen müsse jedoch stets die schützenswerte Natur des Spreewalds im Mittelpunkt stehen, mahnen die Gesprächsgäste. "Trotz Hinweisschildern gibt es zum Beispiel immer wieder einige Hardcore-Paddler, die in der Paarungszeit in Schutzgebiete eindringen", berichtet Arnulf Weingardt vom NABU Spreewald. Dabei kämen die meisten Gäste gerade wegen der ruhigen, unberührten Natur hierher: "In der kalten Jahreszeit kann man in den kahlen Bäumen des Spreewaldes seltene Seeadler, balzende Eulen und Singschwäne entdecken. Diese Einzigartigkeit sollte bei geführten Touren oder beim Fährtenlesen auf den verschneiten Wiesen noch mehr herausgestellt werden", wünscht sich der Naturschützer und erntet dabei Zustimmung aus dem Publikum.

Egal ob Winter oder Sommer, "jedes Wetter ist Tropcial-Islands-Wetter", sagt Jan Janssen, Geschäftsführer der künstlichen Tropenwelt in Krausnick. Dank der überdachten Halle sei man vollkommen unabhängig von Temperatur und Witterung. Zudem habe die neue Außenanlage seit Mai 2016 rund 27 Prozent mehr Gäste anlocken können.

Mehr Betten fürs Tropical Islands

Einen Nutzen hätten davon auch die Touristiker im Spreewald, denn: "Viele Besucher kommen wieder und nutzen ihre Rückkehr, um die Region zu erkunden. Deshalb geben unsere Mitarbeiter auch gern Ausflugstipps für die Umgebung", berichtet Janssen. Um die steigende Zahl der Übernachtungsgäste (davon 20 Prozent aus dem Ausland) zu bewältigen, will das Tropical Islands in Zukunft seine Bettenzahl sogar auf knapp 9000 anheben. Davon wiederum könnten die umliegenden Städte mit ihren Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten profitieren - vorausgesetzt, es findet sich genügend Fachpersonal.

Zum Thema:
Fast 500 Leser haben im RUNDSCHAU-Umfrage-Center Fragen zum Wintertourismus im Spreewald beantwortet. Über die Hälfte der Befragten zieht den Sommer als Urlaubszeit vor, knapp 40 Prozent kommen ganzjährig in den Spreewald. Den ganzjährigen Tourismus hält die Mehrheit jedoch nur für eines von mehreren Standbeinen der wirtschaftlichen Entwicklung in der Lausitz. Hoch im Kurs stehen bei den Umfrage-Teilnehmern das Kahnfahren, Radfahren und die Möglichkeiten, in der Therme und in Bädern zu entspannen. Eine Vielzahl an Stimmen glaubt, dass der Naturschutz eine Wachstumsgrenze darstellt. Im Sommer seien die Spreewaldfließe bereits häufig durch Paddler und Kähne verstopft. Zwei Drittel aller Befragten sehen gar einen Interessenkonflikt zwischen Tourismusregion und Biosphärenreservat Spreewald.