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| 02:33 Uhr

Spreewald setzt Kanu-Abenteurern Grenzen

Kanu-Verleiher Martin Richter (l.) aus Lübbenau mit Mitarbeiter Steffen Radegast. Qualität muss Alltag sein.
Kanu-Verleiher Martin Richter (l.) aus Lübbenau mit Mitarbeiter Steffen Radegast. Qualität muss Alltag sein. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Bis Juni sollen nun endlich die neuen, einheitlichen Schilder stehen, mit deren Hilfe sich Kanu-Touristen im Spreewald besser zurechtfinden können. Ungewöhnlicher Grund für die Verzögerung um mehrere Monate: Das Vorhaben ist preiswerter geworden.

Martin Richter hockt sich auf dem Steg ans Kanu und blättert eine Karte auf. Der Lübbenauer Kanu-Verleiher zeigt Steffen Radegast, der schon im Kanu sitzt, die interessantesten Routen, weist auf knifflige Ecken hin, auf Schleuse oder Bootsrollen, und er gibt Tipps zum Verhalten und zur Orientierung im Fließgewirr des Spreewaldes. Ein Bild, das es in den kommenden Monaten wieder häufig geben wird - sofern die Verleiher der Boote auf Qualität setzen.

Künftig werden Schilder die Orientierung erleichtern. Sie sollen bis zum Frühsommer an insgesamt 154 Standorten zwischen Burg und Schlepzig aufgestellt werden. "Das ist einer der wichtigsten Schritte im Rahmen des Masterplanes Wassertourismus", sagt Richter, der Sprecher des Lübbenauer Verleiher-Stammtisches ist. Dieser Plan, seit mehreren Jahren in der Diskussion sowie in der Umsetzung einzelner Vorhaben, soll den Spagat schaffen: zunehmende Nutzung der Gewässer durch Kahnfahrten und Paddeltouren einerseits, der Schutz der sensiblen Natur in und an den Fließen andererseits.

Die bessere Leitung der Paddler durchs Labyrinth der Fließe ist dabei als eine der vordringlichsten Aufgaben ausgemacht worden. Denn Schäden entstanden und entstehen aus einer Mischung aus Abenteuerlust, Grenzüberschreitung sowie Unerfahrenheit, gepaart mit Unwissen. Dem können in erster Linie Bootsverleiher und Touristiker entgegenwirken. Viele haben sich in Kursen und Schulungen weitergebildet, haben Qualitäts-Zertifikate erworben, verteidigt oder ausgebaut. Martin Richter sagt: "Wenn man aufhört, sich über Qualität Gedanken zu machen, endet an der Stelle die Qualität." Dazu gehört die Idee mit den einheitlichen Schildern im gesamten Spreewald. Sie weisen verlässliche Wege, lenken Paddler somit dahin, wo diese hin sollen und wohl auch wollen. Gleichzeitig bleiben sensible Fließe zumindest vor einem Ansturm der Boote und ihrer oft lustig-sorglosen Lenker geschützt.

Die Schilder sollen in ihrer Qualität ähnlichen Bemühungen im Spreewald nicht nachstehen. Mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass viele Angebote vor allem über die Qualität vermarktet werden können und müssen. "Für einige ist das eine Bestätigung, weil sie das schon lange machen, andere korrigieren kleine Dinge. Der Spreewald ist schon recht weit", so Richter.

Für das Schilder-System stehen etwa 160 000 Euro zur Verfügung. Und da sich herausgestellt hat, dass das Geld - ein Mix aus Fördermitteln des Landes und eigenen Beiträgen der Spreewälder Kommunen - ausreicht für mehr als nur einen Hinweis, will man das System ergänzen. Richter: "Die Piktogramme beispielsweise für Rastplätze oder Ein- und Ausstiegsstellen sind bundeseinheitlich. Wir wollen die Schilder noch ergänzen, aber nicht überfrachten." An geeigneter Stelle könnten Fließe mit ihren neuen und alten Namen gekennzeichnet werden - in Deutsch und Sorbisch.

Zudem sei ein System vorstellbar, dass in eventuellen Notfällen die Arbeit der Rettungskräfte erleichtert. So etwas gibt es bereits an verschiedenen Wanderrouten, beispielsweise zur Wotschofska. Anhand der Bezeichnung wie "W 01" usw. haben Feuerwehr oder Sanitäter gezielt einen Hinweis parat, wo sich Notfall oder Havarie abspielen. Richter: "Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, aber wir schauen, dass es besser rollt."