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Spreewald macht sich bei Stehpaddlern unbeliebt

Stehpaddler wie hier in Burg haben im gesamten Spreewald teilweise mit Anfeindungen der Kahnfährleute zu kämpfen, dabei sind die Borde umweltfreundlich.
Stehpaddler wie hier in Burg haben im gesamten Spreewald teilweise mit Anfeindungen der Kahnfährleute zu kämpfen, dabei sind die Borde umweltfreundlich. FOTO: peb1
Lübbenau. Stehpaddler sind noch recht neu und ungewohnt im Spreewald. Nicht überall auf den Fließen stößt diese neue Art der Fortbewegung auf Begeisterung. Doch was sagen die Spreewälder dazu? Die RUNDSCHAU hat einmal nachgefragt. Peter Becker / peb1

"Eigentlich sollte es ein entspanntes Wochenende mit Sportfreunden im Spreewald sein - rausgekommen ist Stress und Frust", fasst der Hamburger Nicolas Eckenberger zusammen, was seine Gruppe an einem Wochenende im Spreewald erlebt hat. Sie waren mit Boards, auf denen man stehend paddelt, im Lübbenauer Raum unterwegs.

Diese Art sich auf den Fließen zu bewegen ist neu, ungewohnt und für manche auch gewöhnungsbedürftig. Natürlich auch für die Stehpaddler, aber anders als beim Paddelbootanfänger sind deren Uferkontakte weich, weil das Bord entweder Luft enthält oder aus Schaumstoff besteht. Umweltschäden sind also kaum zu befürchten. Nicolas Eckenberger: "Einer rief uns zu, dass sein Rudel zwei Spitzen hat, damit kann er sich gegen den amerikanischen Scheiß gut wehren. Andere erklärten im Vorbeifahren ihren Kahnfahrgästen, wie umweltschädliche wir sind."

Der Hamburger hat sich selbst seinen Reim darauf gemacht: "Die sehen uns als Konkurrenz, es könnten weniger Gäste in den Kahn steigen." Seine Begleiter stimmten ihm zu und bestätigten seine Aussage: "Eigentlich wollten wir einen Ruhetag einlegen und uns mal mit dem Kahn durch den Spreewald staken lassen. Aber jetzt bekommen uns keine zehn Pferde mehr in einen Kahn." Dennoch lässt sich Nicolas Eckenberger nicht entmutigen: "Neues braucht seine Zeit. Und wir kommen trotzdem wieder - mit 1000 Schokoherzen. Für jeden Kahnfährmann eins oder mehrere - egal, ob er uns mag oder nicht."

Doch was sagen nun die Spreewälder dazu?
Kahnfährmann Siegfried Großmann: "Stehpaddler gehören nicht in den Spreewald. Sicherlich sind sie nicht aufzuhalten, aber wenn sie gehäuft auftreten, wird es zu Problemen kommen. Denn nur Profis beherrschen diese Bretter gut und daher sollten sie auch nicht ausgeliehen werden. Wenn solch ein Stehpaddler aus Unsicherheit strauchelt und in einen Kahn fällt, gibt es Verletzte. Zwar habe ich bisher nur Stehpaddler getroffen, die ihr Brett beherrscht haben. Dennoch gibt es schon genug Probleme mit den rund 2 000 Leihbooten in Lübbenau und noch einmal der gleichen Anzahl in Burg. An den Wochenenden sind sie fast alle unterwegs und dabei beherrschen nur 30 Prozent die Boote. Dazu kommt dann noch das Problem Alkohol und der Wasserschutz hat nur noch ein Boot im Einsatz."

Nicole Kröher, Geschäftsführer in der Lübbenauer Touristinformation: "Der Spreewald zieht zahlreiche Naturliebhaber an. Ob per Kahn, Kanu oder Stand-Up-Paddling ist nicht der ausschlaggebende Punkt. Enorm wichtig ist hingegen, dass sich alle respektvoll in dieser einzigartigen Natur-und Kulturlandschaft bewegen und gesperrte Fließe nicht befahren. Für Sportboote sind Einbahnstraßenregelungen geschaffen wurden, um den Kahnverkehr in viel befahrenen Bereichen nicht zu beeinträchtigen. Neben dem Respekt vor der Natur kann ich nur an einen respektvollen Umgang miteinander appellieren.

Unreflektierten Beschimpfungen sollte keiner unserer Gäste ausgesetzt sein. Im Gegenteil, gegenseitige Rücksichtnahme sorgt hier weitaus mehr für ein angenehmes Erlebnis auf den Fließen für alle."

Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel: "Alles Neue braucht seine Zeit und wird aus den unterschiedlichsten Argumenten heraus auch negativ gesehen oder abgelehnt. Eines muss und sollte man schon berücksichtigen: so ein Kahn ist im Verhältnis zu den Stand-Up-Paddlern ein großer Pott und lässt sich daher nur träge manövrieren lässt."

Steffen Franke, Sprecher der Lübbenauer Kahnfährunternehmen: "Stehpaddeln ist neu, ungewohnt und gewöhnungsbedürftig. Es ist aber auch gefährlich. Schmale Fließe, viele befestigte Ufer, vorbeifahrende Spreewaldkähne und Paddelboote werden bei einem Sturz zu brettharten unnachgiebigen Hindernissen mit großer Verletzungsgefahr für alle Beteiligten. Das gleicht einem Sturz vom Fahrrad. Aus dieser Befürchtung heraus das Missfallen verbal entgegengebracht zu bekommen, ist allerdings der falsche Weg. Der Ton macht die Musik.

Auch der Fakt der Umweltschäden hinkt etwas. Wenn Stehendpaddler Uferkontakte haben, so führt dies nicht zu großflächigen Landabbrüchen, eher zu Stürzen der Paddler. Wahrscheinlich ist bei den angetroffenen Fährleuten die Angst davor zu groß, bei einer Kollision als der kundige Spreewälder in die Verantwortung für die Verletzung und Schäden der Unkundigen genommen zu werden. Eine Auswahl der Fahrtroute ist also mit Bedacht vorzunehmen. Es gilt: Weg von den Spreewalddörfern, raus auf die breiten Fließe und Kanäle abseits der Kahnfahrtrouten. Die Fahrten sollen individueller werden, schließlich ist der Spreewald groß."

Der Verleiher Martin Fix, Burg: "Leider wurde mir auch schon von einigen Stehpaddlern zugetragen, dass sie sich in und um Lübbenau eine Menge dumme Sprüche anhören mussten. Sicherlich ist es bei manchen recht engen Fließen und viel Verkehr nicht ganz ungefährlich. Aus diesem Grund werden alle ausführlich von uns eingewiesen.

Wir üben mit jedem Gast, wie man sich bei dem Verkehr auf den Fließen und im schonungsvollen Umgang in der Natur zu verhalten hat. Kein Stand-Up-Paddler rammt absichtlich das Ufer oder auch einen Kahn - er möchte ja schließlich nicht ins Wasser fallen. Aufgrund der Gespräche und der Kooperation mit den örtlichen Bootsverleihern und Kahnfährhäfen denke ich, gibt es in Burg wenig Negatives zu berichten. Weiterhin ist die Saison für diesen Sport sehr kurz und wetterabhängig, daher hoffe ich, dass alle in dieser kurzen Zeit rücksichtsvoll und freundlich miteinander umgehen."