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| 19:08 Uhr

Bilanz der Wasserschutzpolizei
Lübbenauer warnen vor Paddeln im Stehen

 Zunehmend sind auf den Spreewaldfließen auch Stehpaddler unterwegs. Die Wasserschutzpolizei sieht das mit Sorge.
Zunehmend sind auf den Spreewaldfließen auch Stehpaddler unterwegs. Die Wasserschutzpolizei sieht das mit Sorge. FOTO: Kzenon/shutterstock.com / Kzenon
Lübbenau. Im Spreewald registrieren Polizei, Kahnfährleute und Bootsverleiher immer mehr Stehpaddler – und sehen ein steigendes Gefahrenpotenzial. Von Daniel Preikschat

Traditionellerweise sind Wassertouristen im Spreewald in Paddelbooten unterwegs. Oder sie lassen sich in Kähnen über die Fließe staken. Zunehmend häufiger jedoch beobachtet die Wasserschutzpolizei zwischen Burg und Lübben auch Stehpaddler in der Lagunenlandschaft. Und das durchaus mit Sorge, wie Heiko Juschkat von der Wasserschutzpolizei am Montag bei der elften Spreewaldkonferenz in Lübbenau sagte.

Juschkat war dort als Gastredner eingeladen, um über die Arbeit der Wasserschutzpolizei insbesondere im Spreewald zu berichten. Dabei kam er auch auf die steigende Zahl von Stehpaddlern zu sprechen. Sie seien nicht verbotenerweise dort unterwegs, stellte er klar. Die Landesschifffahrtverordnung gebe das her – noch. Juschkat deutete an, dass er eine Änderung begrüßen würde. Dahingehend, dass in sensiblen Bereichen des Spreewalds nur mit Kähnen und Paddelbooten gefahren werden dürfe.

Martin Richter verleiht in Lübbenau Boote und beobachtet ebenfalls immer mehr Stehpaddler auf den Fließen. Auch er hält das Gefahrenpotenzial für groß. Auf den Fließen ist der Platz begrenzt und Manövrierfähigkeit gefragt. Stoßen Kahn und Boot zusammen, sei das nicht tragisch. Stösst jedoch das Board eines Stehpaddlers gegen Kahn oder Steg, kann das böse enden. Beim Sturz gegen die Oberkante kann sich der ungeschützte Wassersportler ernsthaft verletzen.

Marko Schröter ist stellvertretender Vorsitzender der Kahnfährleute am Kleinen Hafen in Lübbenau und sieht ebenfalls ein Verletzungsrisiko für Stehpaddler im Spreewald. Herrscht viel Betrieb auf dem Fließ – beispielsweise an der Ein- und Ausstiegsstelle in Lehde vor dem Gasthaus „Zum Fröhlichen Hecht“ – könne ein Stehpaddler leicht ins Straucheln kommen, stürzen und hart aufschlagen. Kollegen Schröters haben das in Lehde schon beob­achtet. Noch halte sich die Zahl derjenigen, die im Lübbenauer Bereich dieser Trendsportart nachgehen aber in Grenzen, und es bestehe kein Handlungsbedarf, sagt Schröter. Es gelte aber, die Entwicklung aufmerksam zu beobachten.

Steffen Franke von der Kahnfährgenossenschaft am Großen Spreewaldhafen hat sich schon vor Jahren eine Meinung gebildet zum Stehpaddeln auf Lübbenauer Fließen – und sie nicht großartig geändert. „Stehendpaddeln ist generell noch gewöhnungsbedürftig, aber auch gefährlich.“ Schmale Fließe, viele befestigte Ufer, vorbeifahrende Spreewaldkähne und Paddelboote werden bei einem Sturz zu brettharten, unnachgiebigen Hindernissen mit großer Verletzungsgefahr für alle Beteiligten. Das gleiche einem Sturz vom Fahrrad.

Franke konnte allerdings nicht feststellen, dass Lübbenau und Lehde nun zum Dorado für Stehpaddler geworden sind. In der Spreewald­stadt gibt es seines Wissens noch nicht einmal einen Verleiher entsprechender SUP-Ausrüstung (Stand Up Paddling). Vielleicht weil die Lübbenauer besonders traditionsbewusst sind und an den herkömmlichen Wasserfahrzeugen festhalten. In Burg beispielsweise mag das anders sein. Hier gibt es einen Verleiher.

Das Thema hatte vor zwei Jahren für eine Diskussion im Spreewald gesorgt, nachdem Stehpaddler von Beschimpfungen im Raum Lübbenau berichteten. Die Kahnfährleute sahen damals die Stehpaddelei im Spreewald kritisch. In der Lübbenauer Touristinformation indes mahnte man einen respektvollen Umgang miteinander an, aber auch mit der einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft. Sprich: Gesperrte Fließe sollten  nicht befahren, die Wasserfahrzeuge ordentlich gekennzeichnet und die Schifffahrtszeichen beachtet werden.

Das zu überwachen jedoch, dürfte der Wasserschutzpolizei nicht gerade leichtfallen. Wie Polizeihauptkommissar Heiko Juschkat bei der Spreewaldkonferenz am Montag ebenfalls ausführte, sind die Ressourcen seit der Polizeireform 2011 begrenzt. 660 Kontrollen führten Juschkats Kollegen im Spreewald durch bei Sportbooten, fast 40 mehr als im Vorjahr. Der Lübbenauer Bootsverleiher Martin Richter betonte, wie wenig das immer noch ist bei 156 000 Bootsbewegungen pro Jahr im Spreewald. Auf Richters Frage, ob personell mit einer Aufstockung zu rechnen ist künftig, konnte Juschkat nichts sagen.