Der Spreewald ist derzeit von der Erle dominiert. „Aber hier würden auch andere Baumarten wachsen, wenn sie eine Chance hätten“, erklärt Axel Becker, Leiter der Oberförsterei Straupitz. Genau das sei das Ziel der Forstleute. „Wir brauchen einen artenreichen Baumbestand, der auch viel Kohlendioxid speichert“, betont er. Der Grund sei einfach erklärt. Dominiert eine Baumart, ist der Wald für Krankheiten, aber auch für den Klimawandel anfälliger. „Wir müssen also das Risiko auf möglichst viele Baumarten verteilen“, sagt Becker. So solle der Waldbestand im Revier Schützenhaus künftig zu 60 Prozent aus Edellaubholz bestehen und zu 40 Prozent aus Erlen.

Erle schmeckt nicht

Problematisch für diesen Waldumbau sei jedoch der hohe Wildbestand. Denn sowohl Rehe als auch Hirsche, die besonders häufig im Spreewald anzutreffen sind, mögen insbesondere die jungen Triebe von Edellaubhölzern wie Esche, Linde, Ahorn oder Ulme. „Die dominierende Erle wird vom Wild am wenigstens verbissen“, weiß Revierförster Karl-Heinz Funda. Denn das Holz enthält einen Bitterstoff, soll heißen, Erlen schmecken nicht besonders gut. Das Wild schlage sich insbesondere im Winter mit den Baumtrieben die Bäuche voll. „Im Spreewald sammelt sich das Wild dann auf den Kaupen. Das sind genau die Standorte für das Edellaubholz“, so Funda.



20 Prozent Verbiss tolerabel

Die Forstleute wollen den Wald nicht leer schießen, wie sie betonen. „Damit sich Bäume natürlich verjüngen können, ist ein Verbiss von 20 Prozent tolerabel“, sagt der Oberförster. „Aber derzeit liegen wir deutlich darüber“, ergänzt Gunther Emmrich. Zwar könne das Wild nicht einfach gezählt werden, doch anhand von Erfahrungswerten und insbesondere Verbissgutachten sei der Bestand sehr gut zu schätzen. Dabei werde ein Waldstück in einer Größe von zwölf mal zwölf Metern eingezäunt. „Danach wird der Verbiss außerhalb des Zaunes genau ausgezählt und mit dem ungestört gewachsenden Waldstück verglichen“, erklärt Emmrich und ergänzt: „Und die zeigen uns, dass es viel zu viel Wild im Spreewald gibt. Dass heißt wir müssen unsere Abschusspläne anpassen und mehr Strecke machen.“

„Es müssten alle mitziehen – auch die Pächter“, sagt Revierförster Funda. Doch dabei stoßen verschiedene Interessen aufeinander. So hätten die Pächter eher den Wunsch, dass viel Wild im Wald steht, damit eine Jagd auch von Erfolg gekrönt ist. Schließlich ist diese im Spreewald sehr aufwendig und damit teuer. Nicht selten kommen Kahn und Wathosen zum Einsatz. „Das ist einmalig in Deutschland und damit wiederum sehr attraktiv“, weiß Gunter Emmrich. So seien bei den Drückjagden regelmäßig Jäger aus Skandinavien, der Schweiz oder den Niederlanden dabei, wie Funda erklärt.



Kritisch merken die Forstleute an, dass in diesem Punkt selbst die Zusammenarbeit über die Kreisgrenzen hinweg nicht ideal ist. So müssen sich ihrer Ansicht nach Unteren Jagdbehörden besser abstimmen. So gebe es im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, der direkt an das Revier Schützenhaus angrenzt, ganz andere Abschussraten als in Dahme-Spreewald. „Hier wäre eine bessere Regulierung möglich“, erklärt Axel Becker.

Besucherlenkung nötig

Revierförster Karl-Heinz Funda blickt mit etwas Sorge in Richtung Lieberoser Heide. „Wenn sich der Wolf verstärkt in dem Gebiet ansiedelt, dann wird sich das Rotwild in den Spreewald zurückziehen“, erklärt er. Aber nicht nur dieser natürliche Feind kann problematisch werden, auch Spreewaldgäste. „Im Winter fährt das Rotwild seinen Körper auf Sparflamme und braucht weniger Nahrung. Aber wenn sie auf Flucht umstellen müssen, dann brauchen sie umso mehr Energie und damit Futter“, erklärt der Oberförster. „Deshalb brauchen wir eine Besucherlenkung.“ Gäste sollten sich also auch im Winter an die Wege halten und nicht zu tief in den Wald eindringen.