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| 16:44 Uhr

Erhalt einzigartiger Kulturlandschaft
Rettung naht für den Spreewald

 Blick auf den bereits so gut wie fertiggestellten ersten Teil des Hartmannsdorfer Wehres. Deutlich erkennbar sind der Bediensteg und der Überweg sowie die Kahnschleuse.
Blick auf den bereits so gut wie fertiggestellten ersten Teil des Hartmannsdorfer Wehres. Deutlich erkennbar sind der Bediensteg und der Überweg sowie die Kahnschleuse. FOTO: Wasser- und Bodenverband
Lübbenau. Der „Aktionsplan Spreewald“ ist das Werk vieler fleißiger Akteure. Das Maßnahme-Paket umzusetzen kostet jedoch viel Zeit und Geld. Von Daniel Preikschat

Die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft Spreewald hat in den vergangenen 25 Jahren arg gelitten. Nach der politischen Wende führten neue Regelungen und Verordnungen dazu, dass Fließe kaum mehr entschlammt wurden. Auch Wehre, Schleusen, Brücken und Wege wurden vernachlässigt. Vereinzelte Maßnahmen waren den Akteuren vor Ort nicht genug. Sie forderten mithilfe von Landtagsabgeordneten aus der Region angemessene Hilfe für den Spreewald.

Millionen fließen in Fließe, Wege und Brücken im Spreewald

Was angemessen bedeutet, geht mittlerweile aus einem „Aktionsplan Spreewald“ hervor. Fachleute für Entschlammung, für die Unterhaltung von Wehren und Schleusen, für Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie für Tourismus haben in etlichen Arbeitsgruppen-Sitzungen den Ist-Zustand herausgearbeitet und den Bedarf ermittelt. Und der ist immens: In zwei ersten Umsetzungsphasen sollen bis zum Jahr 2025 knapp 123 Millionen Euro in den Spreewald investiert werden, hieß es in dieser Woche bei der elften Spreewaldkonferenz in Lübbenau.

 Mit den Millionen für den Spreewald sollen auch die typischen Feuchtwiesen – hier eine bei Lehde – erhalten werden.
Mit den Millionen für den Spreewald sollen auch die typischen Feuchtwiesen – hier eine bei Lehde – erhalten werden. FOTO: LR / Liesa Hellmann

Langfristig, führte Kurt Augustin vom Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft im Rathaus aus, sind in einer Phase 3 jährlich weitere 14,9 Millionen Euro nötig. Für Wegebeziehungen und Brücken müssen einmalig noch mal 3,2 Millionen Euro eingeplant werden.

Kurt Augustin, sagte die Lübbenauer Landtagsabgeordnete Roswitha Schier (CDU), habe man vor fünf Jahren „in die Mangel genommen“. Der Leiter der Abteilung für Wasser- und Bodenschutz im Ministerium wurde zum Leiter einer Steuerungsgruppe, an der vier Arbeitsgruppen für die jeweiligen Fachbereiche angedockt sind. Dort wurde gemeinsam ein ganzer Katalog an Maßnahmen beschrieben. Was ist wann und wo im Spreewald zu bauen, zu entschlammen, zu entkrauten und zu pflanzen, was kostet das jeweils, und wie wichtig ist es?

Kurzfristige Maßnahmen sind finaziell abgesichert

Finanziell abgesichert sind Kurzfrist-Maßnahmen, die in diesem und im nächsten Jahr realisiert werden. Dies betonte bei der Spreewaldkonferenz in Lübbenau Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Rund 20,5 Millionen Euro werden verplant und verbaut. Allein der Ersatzneubau des Hartmannsdorfer Wehrs, der im August fertig werden soll, hat einen Wertumfang von etwa zehn Millionen Euro.

46 Kilometer im Spreewald müssen von Schlamm befreit werden

Für weitere Wehre, die erneuert oder neu gebaut werden müssen, ist mit der Planung begonnen worden. Zu betrachten sind, so Augustin in seinem Vortrag im Lübbenauer Rathaus, 200 Wehre und 40 Schleusen sowie 300 Fließe, die den Spreewald durchziehen. 46 Kilometer Strecke müssen nach Einschätzung der Aktionsplaner dringend entschlammt werden. Beispielsweise bedürfen aber auch 650 Hektar spreewaldtypischer nasser Feuchtwiesen der Pflege. Auch viele Wege sind laut Aktionsplan in den kommenden Jahren zu erneuern. Beispielsweise der Pohlenzweg zwischen Pohlenzschänke und Barzlin auf 9,1 Kilometer Länge oder der 1,8 Kilometer lange Verbindungsweg zwischen Pohlenzweg und Wotschofska.

Spreewald rechnet mit Hilfe aus den Kohle-Millionen

Alle, die an dem Plan mitgearbeitet haben oder von ihm gehört haben und dem Spreewald eng verbunden sind, schauen nun auf die Landtagssitzung in der kommenden Woche. Denn dort soll der „Spreewald-Aktionsplan“ verabschiedet werden. Gerechnet wird, so Kurt Augustin, mit Landes-, Bundes- und EU-Mitteln.

Klaus Freytag, Lausitzbeauftragter des Ministerpräsidenten, sieht zudem Chancen, dass von den 80 Millionen Euro, die für den Strukturwandel in Brandenburg nach dem Kohleausstieg zur Verfügung stehen, etwas für den Spreewald abgezweigt werden kann.