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| 02:46 Uhr

Spreewälderin erobert die Lausitzer Seenplatte

Reederin Marianne Löwa (l.) hat den Schifffarhtsbetrieb von Rolf Bothen übernommen und die Exklusivrechte für die Fahrgastschifffahrt auf der Lausitzer Seenplatte von beiden Zweckverbänden erhalten.
Reederin Marianne Löwa (l.) hat den Schifffarhtsbetrieb von Rolf Bothen übernommen und die Exklusivrechte für die Fahrgastschifffahrt auf der Lausitzer Seenplatte von beiden Zweckverbänden erhalten. FOTO: Steffen Rasche
Die Spreewälderin Marianne Löwa (31) erobert die Lausitzer Seenplatte. Die Binnenschifferin hat am Senftenberger Stadthafen das Ruder der "Santa Barbara" übernommen. Das erste eigene Fahrgastschiff, ein Solar-Katamaran, soll im nächsten Jahr zu Ostern auf Fahrt durch den Koschener und den Barbarakanal gehen. Kathleen Weser

Senftenberg/Hoyerswerda. Rolf Bothen hat 39 Jahre für den Zweckverband Erholungsgebiet Senftenberger See (ESS) und nach der Wende in Eigenregie das Fahrgastschiff "Santa Barbara" auf der hiesigen Sachsen-Badewanne gesteuert.

Die Schiffsglocke hat der langjährige Käpt'n vom Senftenberger See jetzt freudig an Marianne Löwa aus Werben im Spreewald abgegeben. Die Binnenschifferin wird die alte Dame in die Zukunft steuern - als bewährtes Mutter-Fahrgastschiff in einer modernen Schiffsflotte.

"Ich bin praktisch im gleichen Jahr, 1982, wie die Santa Barbara auf Kiel gelegt worden", erklärt die 31-Jährige fröhlich lachend. Für ein Wassergefährt sei das schon ein stattliches Alter, schätzt die junge Frau ein. Und sie weiß genau, wovon sie spricht. Die Spreewälderin hat das Führen von Fahrgastschiffen gelernt und ist in den vergangenen acht Jahren in der Schweiz als Angestellte auf Fahrt gewesen. Marianne Löwa besitzt zahlreiche Patente für die großen Flüsse und Küstengewässer in Deutschland und Europa. In der touristischen Winterpause hat sie unter anderem auf Elbe, Donau und Moldau auch Frachtschiffe gesteuert.

"Für die Santa Barbara wird sie noch ein paar Fahrstunden brauchen", bestätigt Rolf Bothen schmunzelnd. Die alte Dame sei technisch noch nicht so ausgestattet wie moderne Fahrgast- und andere Schiffe, auf denen Marianne Löwa bislang statt des Ruders einen Joystick hatte.

Der Zufall hat die couragierte Fachfrau ins Lausitzer Seenland geführt. "Meine Eltern haben einen Partyservice", erzählt die Reederin, die sich zum Jahreswechsel selbstständig gemacht hat. Im Sommer sind die Werbener Unternehmer bei einem Volksfest in Großkoschen gewesen. Neben dem Schwein am Spieß, das sie kredenzt haben, waren die Eltern natürlich auch mit den Leuten ins Gespräch gekommen. "So habe ich erfahren, dass ein neuer Reeder gesucht wird", bestätigt Marianne Löwa. Mit Rolf Bothen sei sehr kurzfristig das erste Gespräch zustande gekommen.

Und der Schritt über die Schwelle der Seenlandverbände folgte ebenso wie die Entscheidung, "mein Nomadenleben aufzugeben und mir eine bodenständige eigene Existenz aufzubauen", erzählt die Jung-Unternehmerin. Bei den Vorsitzenden der Seenlandverbände Sachsen und Brandenburg hat sich inzwischen durchaus Freude über den gescheiterten europaweiten Wettbewerb um die Fahrgastschifffahrt breit gemacht.

Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze (parteilos) räumt nunmehr ein, froh über den glücklichen Zufall zu sein, der Marianne Löwa in die Lausitz geführt hat.

Das Konzept der Reederin und die langjährige Erfahrung als Schiffsführerin mit vielen Patenten und dem technischen Verständnis für die Besonderheiten des Lausitzer Seenlandes seien sehr überzeugend. Amtskollege Michael Harig (CDU), der Bautzener Landrat, bestätigt dies.

In zwei Wochen soll die "Santa Barbara" zum traditionellen Saisonstart am Senftenberger See planmäßig wieder Fahrt aufnehmen. Mitte April will Marianne Löwa den Auftrag für den Bau des ersten eigenen Solarschiffes vergeben. Noch sind mehrere Werften im Rennen.

Ihr erstes Boot, ein Panter mit Wartburg-Motor, steht übrigens als Leihgabe im DDR-Museum in Burg (Spreewald). Die Binnenschifferin, die eigentlich Polizistin in einer Drogensuchhundestaffel werden wollte und dafür die Norm für die Körpergröße um drei Zentimeter verfehlt hatte, hat ihren Weg gefunden - ins Lausitzer Seenland.