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"Spreewälder Seele auf dem Grund der Fließe"

Die verockerten Zuflüsse der Spree waren ebenfalls Thema der Spreewaldkonferenz (siehe auch Text unten).
Die verockerten Zuflüsse der Spree waren ebenfalls Thema der Spreewaldkonferenz (siehe auch Text unten). FOTO: jg
Lübbenau. Mit der 9. Spreewaldkonferenz ist zu Wochenbeginn ein wichtiger Gesprächsfaden zwischen Landesbehörden und Region fester gezurrt worden. Denn die Sorgen in der Wirtschafts- und Urlaubsregion sind in den vergangenen Jahren nicht kleiner geworden. Jan Gloßmann

Warum, so fragt der Burger Edelbert Jakubik, warum "muss ein Pilotprojekt heute was erfinden, was im Spreewald über Jahrhunderte geklappt hat?" Gerade hat Kurt Augustin, zuständiger Abteilungsleiter im Umweltministerium und in der Region kein Unbekannter mehr, eine eigentlich gute Nachricht verkündet. Im August werde nun endlich damit begonnen, in insgesamt drei Pilotprojekten die Entschlammung von Fließabschnitten quasi zu erproben. Die Nachricht ist gut, weil die Spreewälder seit Jahren darauf warten und entsprechende Vorarbeiten geleistet haben. Aber eben schon vor Jahren.

"Ja, wir haben länger gebraucht, um das in Gang zu setzen", sagt Augustin. Und auch, dass man eigentlich schon im März/April beginnen wollte, da aber die Naturschutzbehörden unter Verweis auf die Vegetationsperiode einen (weiteren) Stopp eingelegt haben. Nun soll am 1. August begonnen werden, im Peterkanal im Hochwald ein etwa 500 Meter langes Teilstück zu entschlammen und den Schlamm auf Forstflächen auszubringen. Ähnliches ist geplant für den Brodg nahe Lehde, allerdings sind hier die Voruntersuchungen noch nicht endgültig abgeschlossen. Noch warten muss der Stadtgraben in Lübben. Der Schlamm von dort sollte auf Grünland gesprüht werden - welches sich jedoch als bereits belastet und damit als unbrauchbar für den Test erwies. In aufwendigen Verfahren muss letztlich gezeigt werden, dass der Schlamm die Böden nicht verschlechtert.

Früher, das wissen alte Spreewälder, nannte man das Düngung. Schlamm wurde schon immer auf die benachbarten Felder gebracht. Geändert hat sich allerdings, dass in den zurückliegenden Jahren nichts oder zu wenig getan worden ist, sodass die Schlammmassen in den Fließen bereits die Kahnfahrten behindern und das Leben in den Gewässern. Hinzu kamen Gesetze zum Bodenschutz, zum Abfall oder zum Wasser, die neue Rahmen für das Ausbringen des Schlammes setzen. Manches ist jetzt Schad- oder Giftstoff, die Entsorgung ist teuer. Die Pilotprojekte sollen nun zeigen, welche Stoffe der Schlamm enthält und ob eine Ablagerung auf dem umliegenden Flächen noch möglich ist, ohne dass sich dort Schadstoffe anreichern. Das könnte spätere Genehmigungsverfahren vereinfachen. Gleichzeitig müsse man sich um eine mögliche Deponierung zu vertretbaren Preisen kümmern, so Kurt Augustin. Derzeit sind pro Tonne etwa 30 Euro fällig - in den Fließen lagern mittlerweile zehntausende Tonnen.

Zu spüren bekommen das die Lebewesen in den Gewässern, aber auch Landwirte, Touristiker, Fischer. "Es gibt eine lange Liste von Zuständigen, aber die Betroffenen im Spreewald werden nicht gehört", sagt der Lehdsche Karl-Heinz Starick, der am Montag nicht nur für seine Fischereigenossenschaft Oberspreewald sprach. So habe der Südumfluter noch etwa einen Meter Wasserhöhe - und 1,10 Meter Schlamm. Bei Schlepzig oder im Mittelkanal sehe es nicht anders aus. Dabei, so zitiert Starick einen alten Spruch, liege "die Seele des Spreewaldes auf dem Grund der Fließe".

Immerhin will das Land eine halbe Million Euro zusätzlich für die Gewässer-Unterhaltung im Landessüden bereitstellen. Wie viel das wert ist, muss sich zeigen, schließlich befürchtet Starick bereits eine Verzehnfachung der Kosten, weil man zu lange untätig blieb.