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| 18:07 Uhr

Naturschutz
Spreewälder nehmen ihren Wotschofskaweg in Schutz

 Am Großen Fließ nahe der alten Badeanstalt sollte am Wotschofskaweg neben der Stufenbrücke der Prototyp des Brückenschiebers errichtet werden.
Am Großen Fließ nahe der alten Badeanstalt sollte am Wotschofskaweg neben der Stufenbrücke der Prototyp des Brückenschiebers errichtet werden. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Rund 130 Teilnehmer haben bei einer demonstrativen Wanderung ein Zeichen gesetzt gegen einen drohenden Ausbau des Naturpfads mit Schieberkonstruktionen für E-Bikes. Von Daniel Preikschat

Mit Behörden tun sich Bürger oft nicht leicht. Meist wird eher geschimpft und geflucht als gelobt. Samstag am Kleinen Hafen in Lübbbenau war das mal ganz anders. 130 Menschen spendeten Beifall für die Entscheidung der unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis OSL, dem beantragten Bau eines so genannten Brückenschiebers im Wotschofskaweg nicht zuzustimmen. Simone Brüggemann-Riemer verkündete die frohe Botschaft vor Beginn einer von ihr und Gabriele Kühnel initiierten Wanderung auf dem Wanderpfad.

Als die beiden Lübbenauerinnen zu dem Spaziergang einluden, Ende Januar war das, stand die Entscheidung der Behörde noch aus. Zwar wurde bereits in der Einwohnerfragestunde einer Fachausschuss-Sitzung im Rathaus, in Leserbriefen und in den Sozialen Medien deutlich Kritik an dem Bauprojekt zum Ausdruck gebracht. Abschließend entschieden werden jedoch sollte erst in der Stadtverordnetenversammlung Ende Februar.

In dieser Sitzung soll es nun nur noch darum gehen, ob die Stahlkonstruktion zum Übersetzen von Fahrrädern über Fließe an anderer Stelle gebaut werden soll. Den entsprechenden Prüfauftrag müssten die Abgeordneten der Stadtverwaltung erst erteilen, heißt es aus dem Rathaus. Wie die Konstruktion ungefähr aussieht, zeigt ein Facebook-Video, das in der Werkhalle einer Firma für Spezialbau in Hannover aufgenommen wurde. Viele Lübbenauer wollen sich ein solches Stahlgebilde mit Förderkorb neben einer vergleichsweise filigranen Holzstufenbrücke im Wotschofskaweg lieber gar nicht erst vorstellen.

„Das passt nicht zusammen“, waren sich am Samstag nicht nur der Lübbenauer Erich Kuhtz und die Lübbenauerin Brigitte Müller einig, Fast alle Teilnehmer an dieser demonstrativen Wanderung am Samstag dürften das so gesehen haben. Für Erich Kuhtz beispielsweise ist klar, dass der Bau solcher Stahlkonstruktionen, die an Stufenbrücken auch älteren Urlaubern mit E-Bike die Nutzung des Wegs ermöglichen sollen, zwangsläufig mit dem Ausbau des ganzen Naturpfads einhergeht. Auf mindestens zwei Meter Breite müsste der Weg gebracht und befestigt werden, dafür Bäume und Sträucher verschwinden. Der Wanderweg, warnen auch Simone Brüggemann-Riemer und Gabriele Kühnel, würde komplett seinen Charme und seinen Charakter verlieren. Es gebe bereits viele Wasserstraßen und auch Radwanderwege im Spreewald, aber im Raum Lübbenau nur diesen einen historischen Wanderpfad durch schönste, ursprünglich wirkende Natur, so Gabriele Kühnel. Selbst wenn eine Stadt wie Lübbenau eine halbe Million Euro an Fördermitteln für ein „Rad statt Auto“-Projekt bekommt, dürfe das nicht dazu führen, diesen Weg zu zerstören. Aus Sicht der Boblitzerin dürfe man sich zwar über die Entscheidung der unteren Naturschutzbehörde zunächst mal freuen. Der Wotschofskaweg bleibe aber bedroht. Wohl auch deshalb schlugen bei der Wanderung einige Teilnehmer vor, den drei Kilometer langen Weg als einen Wanderweg auszuschildern, der lieber beschritten als befahren werden sollte. Radfahrer sollten schon am kleinen Hafen darauf hingewiesen werden, dass der Naturpfad für sie nur bedingt geeignet ist, da er schmal ist und kurvig und fünf Stufenbrücken hat. Kontrovers diskutiert werden indes konnte am Samstag nicht. Es fehlte an Befürwortern des Brückenschieber-Projektes. Darauf wies Arwed Franke zu Recht hin, der in einem RUNDSCHAU-Leserbrief dem Vorhaben durchaus etwas abgewinnen konnte. Die Region lebe nun mal vom Tourismus und müsse sich den Trends stellen.