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| 01:03 Uhr

Spreewälder Lieblingsplätze Bunter Herbst an der Wotschofska

Lübbenau.. Der Herbst schüttet all seine Farben über dem Spreewald aus. Zwischen den Erlen leuchten in der Sonne die Blätter der Eichen und Birken, viele schwimmen schon seicht auf den Fließen dahin. Steffen Franke, Vorsitzender der Lübbenauer Kahnfährgenossenschaft, zieht es wieder auf den Wanderweg zur Wotschofska. Der Single schwingt sich auf sein Fahrrad Richtung Lieblingsplatz. Von Hannelore Kuschy

Die Wotschofska ist eines der ältesten Ausflugslokale und nur über Wasser und den Wanderweg zu erreichen. Sein Name stammt vom wendischen wotso (Erle) ab und bedeutet Erleninsel. Es ist so ein tolles Feeling, vor dem Gasthaus unter diesen Erlen zu sitzen , erzählt der Lübbenauer. Dort nehme er sich gern ganz einfach die Zeit zum Verweilen.
Wie oft hat er selbst als Fährmann, der er bis Mitte der 90er-Jahre war, Spreewaldgäste nach Wotschofska gestakt. Das aber sollte nicht sein ganzes Leben sein. Nach einer Weiterbildung war er Busfahrer beim Arbeiter-Samariter-Bund. Doch auch das war nicht mein Ding , sagt er. Er wollte ganz einfach wieder in die Tourismusbranche zurück, dafür schlage sein Herz, wie er sagt. Und wer im Spreewald lebe wie er, für den sei es reiner Patriotismus, auch von ihm zu schwärmen, ihn bekannt zu machen.
Nach zwei Jahren Weiterbildung in Potsdam kam es tatsächlich so: Steffen Franke wurde Praktikant bei der Tourismus Kultur und Stadtmarketing GmbH in Lübben und beim Tourismusverband Spreewald in Raddusch. Da war er schon mittendrin, seinen Traum im Spreewald zu verwirklichen.

Gäste in den Spreewald locken
Heute steht Steffen Franke, der seit dem dritten Lebensjahr in Lübbenau wohnt, der Kahnfährgenossenschaft vor. Die vereint derzeit 200 Mitglieder, etwa 100 von ihnen sind Berufsfährleute. Unser wichtigstes Ziel ist, recht viele Menschen in den Spreewald zu locken und ihnen die herrliche Landschaft zu zeigen , sagt der junge Chef. Deshalb hätten sich vor einiger Zeit Touristiker zusammengesetzt und überlegt, wie die Saison im Spreewald verlängert werden könne, so Franke. Ein Ergebnis seien die Fischwochen im November. Und wer es möchte, kann natürlich zu jeder Zeit auch im Herbst oder Winter Kahn fahren , erzählt der Lübbenauer. Anruf im Büro oder im Rudelhaus genüge.
Wenn die Wotschofska über die Wintermonate auch geschlossen ist, die Reize dieser Hochwald-Landschaft ziehen den 32-Jährigen zu jeder Jahreszeit dorthin. Am liebsten mit dem Fahrrad, denn beim Rad fahren werde ich kreativ, da geht mir so vieles durch den Kopf, ich denke an so manches, was war und kommt , sagt er. Und wer mit dem Fahrrad im Spreewald unterwegs sei, merke erst, wie klein dieses Reservat doch eigentlich sei, so der gebürtige Cottbuser.

Über 14 Brücken und Stege
Klein aber oho, denn zum Beispiel der Wanderweg zur Wotschofska kann auch - oder gerade - im Herbst zum Höhepunkt eines Spreewaldbesuches werden. Er führt von der Lübbenauer Altstadt durch die Spreestraße bis an die erste Hochbrücke, die zu überqueren ist. Entlang an einem breiten Fließ ist jetzt im Herbst und gerade im Winter, wenn Schnee liegt, die Weite der Landschaft zu erkennen. Rehe und Wildschweine, so Steffen Franke, seien zu beobachten oder zu hören. 14 Brücken und Stege sind auf dem Weg zur Wotschofska zu nehmen. Die liegt nach einem reichlich drei Kilometer langen Weg eingebettet in einen faszinierenden Hochwald.
Dort entscheidet sich der Lübbenauer Kahnfähr-Chef, wie seine Tour weiter verläuft. Entweder durch Lübben und über den Damm zurück nach Lübbenau oder über den Barz lin. Eine Zwei- bis Drei-Stunden-Fahrt wird auch schnell aus seiner Radwanderung, wenn der Weg über Burg, die Dubkowmühle und weiter nach Raddusch und Lübbenau führe, erzählt Steffen Franke. Solche Radtouren habe ich auch schon im Februar gemacht, das ist gut gegen Völlegefühl , sagt er und schmunzelt.
Die Erleninsel soll eine der wassersichersten Erhebungen im Spreewald sein. Zu sehr frühen Zeiten, so sagt es die Chronik, war dieser abgelegene Ort Zufluchtsstätte für Menschen in Not. Niemals sind feindliche Armeen dorthin gelangt. 1894 hat die Stadt Lübbenau die Wotschofska bauen lassen, die damals nur über den Wasserweg zu erreichen war.

Haus mit langer Geschichte
Steffen Franke weiß, dass dieses Haus einst auch Forsthaus war. Unzählige Male ist er an der Wotschofska angekommen und ungern wieder abgefahren. An lauen Sommerabenden hätte ihm ein Stündchen Ausruhen vom Kahnfähr-Stress Ausgeglichenheit gebracht. Dieser Herbstausflug zur Wotschofska habe so etwas Vergängliches an sich, wie der Radelnde sagt. Die Bäume verlieren jetzt ihr dichtes Laub, bis sich die ganze Landschaft offenbare und die Wotschofska trotz der Winterruhe in ihrer ganzen Schönheit zeige - die Insel der Erlen, auf der es sich so herrlich ausruhen und auch träumen lässt.